Die 1000 Augen der Ninja (1985)

Originaltitel: “Pray for Death”
USA 1985
mit Sho Kosugi, James Booth, Norman Burton, Kane Kosugi
Drehbuch: James Booth
Regie: Gordon Hessler
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Ein erfolgreicher japanischer Geschäftsmann (Sho Kosugi) beschließt, mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen nach Amerika auszuwandern, um dort ein eigenes japanisches Restaurant zu eröffnen. Er mietet ein hübsches Restaurant, ohne zu ahnen, dass in dem lange nicht benutzten Lagerraum bis vor kurzem noch Diebesgut versteckt wurde. Als dann die wertvollen Juwelen aus diesem Versteck verschwinden, gerät er in Verdacht – und wird zur Zielscheibe einer der gefährlichsten Gangster-Banden New Yorks. 

In den 80er Jahren waren die Ninjas en Vogue. Die schwarzgekleideten Kampfakrobaten brachten einige unterhaltsame Streifen hervor, sowohl in Fernost als auch in den USA. Einer der bekanntesten Vertreter des filmischen Ninjutso ist Sho Kosugi, der 1985 mit „Die 1000 Augen der Ninja“ einen der bekanntesten und beliebtesten Filme des Genres veredelte. Ob der Martial-Arts Reißer heute noch jemanden vom Hocker haut, erfahrt ihr hier!

Ich bin persönlich nicht allzu gut bewandert, was Ninja-Filme angeht und habe vielleicht eine gute Hand voll gesehen. „Ninja Kommando“ (1982), zum Beispiel, ist ein großartiger, sowie spaßiger, Film. Auch die Vehikel der B-Movie Schmiede CANNON FILMS zaubern mir Freude auf mein verwöhntes Gesicht, weshalb ich immer offen für neue Seherfahrungen bin. Neulich wanderte ich durch den Filmshop meines Vertrauens und stieß auf die Blu-Ray zu bereits erwähntem „Die 1000 Augen der Ninja“.  Sho Kosugi kannte ich aus den CANNON-Produktionen und die Aussage meines Händlers „Den haben schon viele Leute bei mir gesucht!“, veranlasste mich zum Blindkauf, zumal die Blu-Ray aus dem Hause KOCH MEDIA recht günstig im Regal stand. Also widmete ich mich mal dem Ninja-Action Reißer und kann schon jetzt sagen, dass ich mich den vielen Fans nicht so ganz anschließen kann. Das fängt schon bei der Handlung an, die zwar konsequent durcherzählt wird aber doch ihre ein oder anderen Längen und Lücken hat. Sho Kosugi wandert mit seiner Familie in die USA aus, will ein Restaurant eröffnen, in einem klassischen Ghetto-Viertel – macht Sinn – und wird bald zur Zielscheibe, da das vorher leerstehende Gebäude als Zwischenlager für heißes Diebesgut diente. Als ein Diamantenhalsband verschwindet, verdächtigen die Gangster den immigrierten Asiaten und seine Familie wird zur Zielscheibe. Nur gut, dass der Restaurantbesitzer die Kunst des Ninjutso beherrscht. Eigentlich keine miese Story, wenn sie nur nicht so zäh erzählt würde. Der Film brauch ewig, um in die, für die Handlung notwendige, Ausgangsituation zu kommen. Vorher sehen wir die Familie beim Essen, die Kids beim Kung-Fu Training und Papa Kosugi beim Meditieren im Ninja-Keller seines Meisters mit dem Zauselbart. Dazu gibt es noch zwei Kampfszenen, eine davon ist eine Rückblende. Das ist alles ganz nett aber treibt die Handlung nicht voran. Erst als besagtes Halsband verschwindet, legt der Film an Tempo zu. Viel wert ist die Geschichte nicht aber sie wird zumindest in der zweiten Hälfte stringent umgesetzt und spart sich Exkurse oder ausschweifende Schnörkel. Über ein paar Ungereimtheiten, wie zum Beispiel die Unfähigkeit der Polizei, irgendeinen Finger krumm zu machen. Zudem geht es in „Die 1000 Augen der Ninja“ recht rabiat zur Sache. Splattereffekte bekommt der Zuschauer zwar nicht zu sehen, jedoch hat der Film eine recht brutale Art. Wenn die Gangster Kosugis Familie angreifen, schrecken die weder vor Frau, noch vor Kind zurück. Die bösen Buben gehen brutal vor und kennen keine Skrupel, was ich so nicht erwartet habe. Das rechtfertigt natürlich ganz viel Action, die jedoch oft zu kurz kommt. Es gibt hier und da ein paar kleine Scharmützel, in denen Kosugi mal kurz zeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Allerdings präsentiert uns der Film zu Ende hin drei große Action-Pieces, die Spaß machen. Wenn Sho Kosugi erstmal die Ninja-Rüstung angelegt hat, nachdem er sich über Nacht ein Schwert geschmiedet hat – ja nee, is klar – dann kommen auch Martial-Arts Fans auf ihre Kosten.

Regisseur Gordon Hessler, der mit Kosugi auch den Film „Top Fighter“ (1986) drehte, versteht sein Handwerk zwar, bleibt aber im Vergleich zu asiatischen Produktionen deutlich unter deren Niveau. Die Inszenierung ist handwerklich solide aber nie spektakulär – ich erwähne noch einmal „Ninja Kommando“ (1982) – und ist oftmals recht beliebig gefilmt. Die Choreographien sind gut und wurden von Kosugi, der Ninjutso beherrscht, selbst ausgearbeitet. Etwas mehr Finesse auf dem Regiestuhl hätten da mehr daraus machen können. Trotzdem hat Hessler seine Momente, wie zum Beispiel in der Krankenhausszene, die recht hart anzusehen ist. Sho Kosugi gibt eine gute Figur ab und brilliert mit Körperbeherrschung und Akrobatik. Das macht sein fehlendes Schauspieltalent weg, da er in Dialogen oft sehr hölzern agiert. Auch seine Familie – die Kinder werden von Kosugis leiblichen Sprösslingen gespielt – stellt Abziehfiguren der fernöstlichen Kultur dar. Der eigentliche Star des Films ist James Booth, der als bösartiger Mörder und Gangster Limehouse eine beeindruckende Vorstellung abliefert und wirklich angsteinflößend ist. Dazu geht er in Mordszenen ziemlich auf, was irgendwie beängstigend ist, wenn man bedenkt, dass Booth auch das Drehbuch zum Film schrieb. Anscheinend lässt er hier mal seine inneren Dämonen heraus, wenn er sich schon selbst so eine Rolle schreibt. Er ist wirklich das Prunkstück des Films, der am meisten abliefert und sich zum Ende einen harten Kampf mit Kosugis Figur liefern darf. Musikalisch bekommen wir hier eintöniges 80er-Gedudel auf die Ohren, an dessen Spitze wohl der Song „Back in the Shadows“ von Peggy Abernathy steht, der im Vor- und Abspann aus den Lautsprechern sifft und eher was für nostalgische Synth-Pop Fans ist. Die Blu-Ray aus dem Hause KOCH MEDIA kann sich indes mehr als sehen lassen. Die Bild- und Tonqualität ist für so ein B-Movie mehr als zufriedenstellend und bietet eine schöne Optik. Auch ist im Bonusmaterial, neben dem Trailer, auch ein interessantes Interview mit Sho Kosugi zu finden, welches sich um Kampfsport und Ninjutso im speziellen dreht. Zudem kann der Zuschauer beim Film zwischen der originalen R-Rated Version und der europäischen Unrated-Fassung wählen.

„Die 1000 Augen der Ninja“ ist ein solider Actionfilm, der sich sehr den US-Gewohnheiten anpasst. Wer über etwas Leerlauf in der Handlung hinweg sehen kann, der bekommt einen durchaus unterhaltsamen Ninja-Streifen, der das Rad nicht neu erfindet aber seine Momente hat. Die Actionszenen können sich auch sehen lassen, jedoch hatte ich das Gefühl, dass mich die Kosugi-Filme aus dem Hause CANNON doch etwas besser unterhalten haben. Keine Offenbarung aber auch keine Enttäuschung!