Die 21 Stunden von München (1976)

Inhalt:

Der Film spielt 1972 während der olympischen Spiele in München. Unter der Führung des Terroristen Issa (Franco Nero) werden einige Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft als Geiseln genommen. Ziel ist es, 232 gefangene Palästinenser freizupressen. Der Krisenstab unter Führung von Polizeipräsident Manfred Schreiber (William Holden) versucht zu vermitteln und Zeit zu gewinnen. Aber diese rennt allen davon. Der Ausgang dieser Geiselnahme ist bekannt.

Filmisches Feedback

Erstaunlich neutral und wenig kritisch

Die Geiselnahme von München war beispiellos. Nie zuvor gab es solch eine mediale Auseinandersetzung mit dem Terror in dieser Dimension. Unter dem tragischen Zustand, dass wieder Juden in Deutschland getötet wurden (hierzu gibt der Film auch eine ziemlich emotionale Szene) versucht der Film gar nicht alles zu erklären. Er schildert den Ablauf. Mehr nicht. Zwar nimmt er sich mit Sicherheit den ein oder anderen dramaturgischen Kniff heraus und spinnt eine Art Spannungsaufbau. Allerdings liegt hier auch das Problem. Wie soll man etwas, was so dramatisch ist verarbeiten ohne zu übertreiben? Um den Menschen zu berühren, muss man ja emotional werden. Und das ist bei solch einen Thema schwer, denn man kann die Intention und die Gefühle der Geiselnehmer und der Geiseln nicht zeigen. Das geht gar nicht.

Und so bleibt Regisseur William A. Graham nichts Weiteres übrig, als die Vorgänge zu zeigen.  Keine tiefe Auseinandersetzung mit der Materie. Vieles bleibt auch verborgen. Seien es die inneren Vorgänge der Geiselnehmer oder die Gefühle der Geiseln. Aber das kann man ja wie gesagt nicht zeigen, weil es keine Überlebenden gab (bzw. es gab drei Geiselnehmer die festgenommen wurden, aber keine großartigen Erkenntnisse). Auch bleiben leider die Fehler, die die deutsche Polizei beging nur angedeutet. Das wäre in der Tat interessant gewesen mehr darüber zu erfahren. Die spätere Dokumentation EIN TAG IM SEPTEMBER (1999) bietet da viel mehr. Und die Filme, die sich mit der Suche nach den Hintermännern beschäftigen wie GESETZ DES TERRORS (1986) oder Spielbergs MÜNCHEN (2005, der als eine Art Remake von GESETZ DES TERRORS gilt), beziehen sich eben nur auf die Nachwirkungen.

Aller Kritik zum Trotz; dieser Fernsehfilm (der in einigen Ländern auch in die Kinos kam) bietet gute Unterhaltung. Eben auch, weil es einen tragenden Pfeiler der Geschichte gibt. Und dieser trägt den Namen Franco Nero. Seine Darstellung von Issa hat (im Gegensatz zu allen anderen Darstellern) Tiefgang. Man merkt seinen inneren Konflikt. Und Neros Ansprachen an die deutsche Vermittlerin (gespielt von Shirley Knight, JAGD AUF DIE POSEIDON, 1979) bieten Platz für eine neutrale Position. Denn Nero (bzw. das Drehbuch, welches fünfmal überarbeitet wurde) versucht hier die Intention der Attentäter zu erklären und gleichzeitig schafft er es auch Verständnis zu erlangen. Das steht natürlich im Konflikt mit der eigentlichen Ausgangslage. Aber Nero gelingt dieses Kunststück mit Bravour. Und wenn Nero am Schluss mit zerschossenen Körper und wässrigen, blutunterlaufenden Augen hinter einen Helikopter kriecht, sieht man ihm den Fehler an der er beging. Oder war es in seinen Augen keiner? Diese Spielwiese der Gefühle beherrscht Nero perfekt.

Alle anderen Darsteller verblassen etwas. William Holden (DIE BRÜCKE AM KWAI, 1957) spielt stoisch-überlegend, Neol Willman (DOKTOR SCHIWAGO, 1965) als bayrischen Innenminister Bruno Merk ist gut und Anthony Quayle (LAWRENCE VON ARABIEN ,1962) als israelischer Geheimdienstchef  ist ruhig und spielt nur nuancenreich. Alle weiteren versuchen real existierende Personen einen Hauch filmischen Lebens einzuhauchen. Aber dabei bleibt es auch.

Fazit: Solider Krimi ohne Tiefgang, aber mit Neutralität und einen sehr guten Franco Nero.