Die Besucher (1981 – 1983)

Wir schreiben das Jahr 2484. Die Menschheit lebt vereint unter einer gemeinschaftlichen Regierung. Längst gehören Hunger, Seuchen und Kriege der Vergangenheit an. Unversehens bedroht jedoch ein Meteorit auf Kollisionskurs mit der Erde die Idylle. Zur Rettung der Welt muss eine verschollene Formel des Genies Adam Bernau (Viktor Král) her, mit der man ganze Welten im Raum verschieben kann. Adam hatte diese Formel schon als Schüler im Jahr 1984 entwickelt und in sein legendäres Heft Nummer 1 eingetragen, das allerdings seit 500 Jahren verschwunden ist. Um die Menschheit zu retten, macht sich der Akademiker Rudolph Filip (Josef Bláha)mit seinem Team – bestehend aus der Historikerin und Zoo-Linguistin Emilia Fernandez (Dagmar Patrasová), dem Techniker Leo Kane (Josef Dvořák)und dem Arzt Jacques Michell (Jiří Datel Novotný)– auf eine Zeitreise ins Jahr 1984. Der Ausflug in die Vergangenheit, der ursprünglich nur wenige Stunden dauern sollte, muss schon bald verlängert werden: Da sich das gesuchte Heft nicht so einfach finden lässt wie erwartet, müssen sich die Besucher aus der Zukunft in einer Welt voller fremdartiger Sitten und Gebräuche unauffällig an die Fersen des jungen Adam Bernau heften. Zu allem Überfluss merken Filip und seine Kollegen schon bald, dass der Adam des Jahres 1984 noch wenig mit dem späteren Genie und Nobelpreisträger gemeinsam hat – sondern ein ganz normaler Junge ist, der vor allem Flausen im Kopf hat…

 

Das Thema Zeitreise ist immer so eine Sache, muss man doch damit rechnen, eine Menge Logikfehler zu begehen. Und so ist es auch bei dieser Serie. Was das eigentliche Ziel betrifft, eine verlorengegangene mathematische Formel aus der Vergangenheit zu holen, versagt leider die komplette Story, die in Die Besucher erzählt wird. Man muss sich schon fragen, warum dieses angebliche Genie des zwanzigsten Jahrhunderts die Formel zur Verschiebung der Kontinente nicht ein weiteres Mal aufgeschrieben hat, nachdem das Haus abgebrannt ist. Er muss es ja nicht sofort getan haben, denn er hatte ja noch ein ganzes Leben vor sich und genug Zeit, das zu tun. Aber hey! Wir haben es schließlich mit einer tschechischen Kinderserie zu tun, da kann man mal darüber hinwegsehen. ^^ 

Wie dem auch sei, zumindest ist die Lösung des Problems, die Erde vor der Kollision eines Meteoriten zu retten, so simpel wie Lustig. (Das verrate ich natürlich nicht. ^^) Aber bis es soweit ist, erleben wir die vier Hauptpersonen in Die Besucher in kuriosen, absurden und sehr lustigen Situationen, denn diese haben von den Sitten und Bräuchen der Menschen des zwanzigsten Jahrhundert null Ahnung, obwohl sie sich in ihrer Zeit mit historischen Dingen beschäftigen. Tja, Theorie und Praxis liegen bekanntlich sehr weit auseinander, so auch in der Serie Die Besucher. 

Am Anfang der Serie Die Besucher wird natürlich die Zukunft gezeigt. In fünfhundert Jahren ist alles super. Keine Kriege, keine Hungersnöte, keine Krankheiten. Und es gibt auch kein Geld mehr! (Das wird den Kapitalisten unter euch bestimmt nicht gefallen! ^^) Alle machen etwas, was sie können, und tun dies aus puren Idealismus und können sich dafür das nehmen, was sie brauchen. Klingt … sozialistisch … irgendwie. ^^ Vielleicht haben sich die Macher der Serie vom damaligen politischen System in der ehemaligen Tschechoslowakei einige Dinge zum Vorbild genommen und es auf ihre eigene Art und Weise neu interpretiert? Vielleicht ist das so. :) Oberhaupt der Menschheit ist der sogenannte Zentraldenker, kurz ZD. Er ist so was wie eine künstliche Intelligenz und hat für alles eine Lösung. Aber so wie es ausseht, scheint ZD in der Serie Die Besucher nicht ganz ohne Fehl zu sein, sind einige Entscheidungen, die er trifft, doch etwas absurd. Und das alles ist schon ein kleiner Hinweis darauf, wie die Mission der Besucher enden wird. ;)

Als die Serie Die Besucher im Jahr 1984 zum ersten Mal in der ARD gezeigt wurde, habe ich mich eher für die Tricksereien als für die Geschichte interessiert. Ich mochte – und mag immer noch – diese simplen, aber wirkungsvollen Stopp-Motion-Effekte, die in Die Besucher x-fach vorkommen. Und kein Einziger davon wiederholt sich. Wenn sich die vier Leute aus der Zukunft ihre futuristischen Mahlzeiten zubereiten, wird das als phantasievolle Animation dargestellt, die in Handarbeit entstanden ist. Am Ende hat das Essen immer die Form einer orangefarbenen Götterspeise. Das Ganze wird dem Zuschauer als Amaronen-Gelee verkauft. Und weil einer im Team immer Hunger hat, sieht man sehr oft, wie dieses sogenannte Amaronen-Gelle entsteht. Aber es ist nicht immer die selbe Aufnahme, es wurde immer eine neue Animation dazu erstellt. Was für eine Fummelsarbeit das gewesen sein muss. :D Aber das ist nur ein Beispiel von vielen. Es kommen mehr als 500 Spezialeffekte und Trickaufnahmen in Die Besucher vor. Manche davon sind recht simpel aber wirkungsvoll, manche lassen sich aber auch sofort durchschauen. Macht aber nichts. In meinen Augen erhöht das den Charme der Serie.

In Die Besucher wird, wenn man denn das Jahr 1984 erreicht hat, auch Alkohol getrunken, Zigaretten und Zigarren geraucht. Im Grunde nicht verwunderlich, da es einige Szenen in einer Gaststätte gibt. Das Ganze wird natürlich nur beiläufig gezeigt, aber es ist nun mal zu sehen, und ich glaube, dass man bei solchen Dingen heute darin eher ein Problem sieht, wenn diverse Charaktere, die eine Serie mittragen, sich in Kinder- und Jugendsendungen so verhalten. Aber damals schien man damit kein Problem zu haben. Und ja, ich finde das sogar gut. ^^ Heute wird bestimmt in der Planungsphase einer Kinder- und Jugendsendungen darauf mehr geachtet, das so was entweder gar nicht oder ganz selten zu sehen ist. 

Verantwortlich für Die Besucher ist das Team von „Pan Tau“ und „Luzie, der Schrecken der Straße“. Regie führte wieder Jindřich Polák, die Idee und das Drehbuch lieferte wieder Ota Hofman. Die meisten Schauspieler aus den genannten Serien sind auch in Die Besucher zu sehen. Die vier Hauptpersonen werden von Josef Bláha, Josef Dvořák, Jiří Datel Novotný und Dagmar Patrasová gespielt.

Josef Bláha (1924 – 1994), der den Akademiker Rudolph Filip spielt, war seiner Zeit sehr berühmt in der Tschechoslowakei, spielte viel am Theater und wirke in zahlreichen Kino- und TV-Filmen mit.

Josef Dvořák (geb. 1942), der den Techniker Leo Kane spielt, hat die Schauspielerei nicht gelernt, sondern hat erst am Amateur-Theater gespielt. Heute betreibt er ein eigenes Theater.

Jiří Datel Novotný (geb. 1944), der den Arzt Jacques Michell spielt, ist heute Dokumentarfilmer und nicht mehr als Schauspieler tätig.

Dagmar Patrasová (geb. 1956), die die Historikerin und Zoo-Linguistin Emilia Fernandez spielt, hat bis heute in diversen Filmen mitgespielt, ist auch Sängerin und moderiert Kindersendungen im tschechischen Fernsehen. Wärend der zweijährigen Dreharbeiten zu Die Besucher wurde sie schwanger, und wenn man genau hinsieht, kann man das erkennen. Es gibt einige Szenen, wo sie nur weite Kleidung trägt. ;) 

Die Musik zur Serie Die Besucher wurde von Karel Svoboda komponiert. Meine erste Begegnung mit der Musik von Karl Svoboda war natürlich die Musik zur Zeichentrickserie „Die Biene Maja“. Später dann die Musik zu „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ (langer Titel für ‘ne Zeichentrickserie, gell? ^^). Karel Svoboda mischt seine Kompositionen zur Serie Die Besucher mit klassischen- und elektronischen Elementen. Das ist sehr stimmungsvoll, aber auch manchmal etwas albern. Einige Musikstücke wirken zu „kindergartenmäßig“, aber in bestimmten Szenen und Situationen wummern äußerst futuristisch anmutende Spezialsounds aus dem Lautsprechern, die sich heute noch hören lassen können. Karel Svoboda komponierte die Musik zu zahlreichen Serien und Filmen. Darunter auch für den erfolgreichsten tschechischen Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, den man heute noch immer zur Weihnachtszeit im Fernsehen sieht und bei vielen Filmfans so was wie ein Kultfilm ist. Auch Ota Hofman und Jindřich Polák haben bei der Entstehung dieses Film beigetragen. ;) Karel Svoboda beging am 28. Januar 2007 Selbstmord. Er wurde nur 68 Jahre alt. Wenn ihr mehr erfahren wollt über diesen – in meinen Augen sehr wichtigen Komponisten -, dann geht auf diese Seite:

 

http://3hfa.jimdo.com/

 

Produziert wurde Die Besucher vom Tschechischen Fernsehen, dem Schweizer Fernsehen, E.M. Paris, dem Bayerischen Rundfunk und dem WDR. Produzent war unter anderen auch wieder Gerd K. Müntefering. Gedreht wurde wieder in den Filmstudios Barrandov und an diversen anderen Schauplätzen quer durch Europa. Die Besucher hat 15 Folgen von je ca. 30 Minuten. Es gibt noch eine sechzehnte Folge. Darin wird die Entstehung der Serie beleuchtet. Heute würde man so was „Making of“ nennen, aber solche Begriffe gab es damals noch nicht in der deutschen Sprache. ^^ Die Besucher lief auch im DDR-Fernsehen, hatte aber den Titel „Expedition Adam ’84“. Allerdings weiß ich nicht, ob man dafür eine eigene deutsche Synchronfassung angefertigt hat. Gut möglich ist das schon, denn man hat in der ehemaligen DDR bei sehr vielen ausländischen Filmen eigene deutsche Synchronfassungen angefertigt. Sehr häufig bei Filmen aus Frankreich, Italien und Dänemark (z.B. „Die Olsen-Bande“). Und Experten sagen, dass diese sogar besser seien als die westdeutschen Synchronfassungen.

Die Besucher läuft immer noch mit aller Regelmäßigkeit im Fernsehen (KIKA & dritte Programme), und es gibt diese Serie auch auf DVD. Leider hat Universum-Film es versäumt, den Originalton draufzupacken, von deutschen Untertiteln ganz zu schweigen. In meinen Augen ein unverzeihlicher Fehler. Aber wer es nur auf deutsch will, dem sei diese Ausgabe ans Herz gelegt, bietet die DVD-Auswertung von Die Besucher letztendlich die Möglichkeit, die Serie in einem Rutsch anzusehen. :)

Fazit: Eine nostalgische, phantasievolle Serie mit Hirn, Humor, Action und vielen Tricksereien – ganz ohne Computergedöns. :)