Die Blutsbrüder des gelben Drachen (1973)

“Die Blutsbrüder des gelben Drachen”
Hongkong 1973
mit David Chiang, Ti Lung, Chen Kuan Tai…
Drehbuch: Ni Kuang, Chang Cheh
Regie: Chang Cheh
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Die Brüder Chang (David Chiang) und Hung (Chen Kuan-Tai), zwei exzellente Kämpfer, schlagen sich als Diebe durch. Ihr Versuch, den Durchreisenden Ma (Ti Lung) auszurauben, misslingt. Der Fremde ist jedoch von den Kampfkünsten der Männer fasziniert, und so schließen die drei Blutsbrüderschaft. Unter Mas Führung gründen sie eine Privatarmee. Doch das Auftauchen von Hungs Frau führt zu Spannungen.

Kung-Fu Filme sind ja so eine Sache. Manche lieben sie und andere können mit den alten Eastern eher wenig anfangen. Bei mir persönlich hält sich das die Waage, da ich noch nie viel mit den Produktionen der „Shaw Bros.“ In Kontakt gekommen bin. Nun habe ich mir ein paar Schmankerl aus den östlichen Gefilden zugelegt und schon die Sichtung des ersten Martial-Arts Gassenhauers konnte mich recht zufrieden stellen, denn mit „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ (1973) gelang Regisseur Chang Cheh ein episches Historien-Drama, gepaart mit Witz und furiosen Action-Sequenzen.

Wenn ich mich in asiatische Breitengrade wage, dann meistens um Kung-Fu Ikone Bruce Lee bei seinen Abenteuern beizuwohnen oder um mir John Woos Bleiopern zu Gemüte zu führen. Klar, manchmal begeistert mich auch neueres Genre-Kino aus Fernost, wie zum Beispiel der furiose, wie auch brutale, Thriller „I Saw the Devil“ (2010) oder der Zombie-Kracher „Train to Busan“ (2016). Klassischen Handkanten-Märchen, wie sie bei „Shaw Bros.“ Zuhauf entstanden, schenkte ich meist nie eine große Beachtung. Doch was wäre ich für eine Genre-Film Fanboy, wenn ich mich nicht auch mal diesen Kult-Filmen annehmen würde. So stöberte ich, unter „Focus Asia“, mal bei meinem lokalen Händler und erwarb die ein oder andere kleine Hartbox, von welchen ich mir, laut Cover und Inhaltsangabe, den meisten Unterhaltungsfaktor versprach. So fand auch „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ den Weg zu mir, welcher dann schließlich auch im Player landete. Eingebettet in ein historisches Setting, zur Zeit einer Kaiser-Dynastie, welche ich jetzt nicht mehr beziffern kann, erzählt der Film die Geschichte von Chang und Huang, die sich als „Wegelagerer“ ihr Geld verdienen, was im Klartext heißt, dass sie warten bis ein Reisender des Weges kommt, um ihn dann zu bestehlen. Dabei treffen sie eines Tages auf Ma, der ebenso ein grandioser Kämpfer ist und den beiden eine große Zukunft verspricht. Sie schließen Blutsbrüderschaft und erweitern ihre Bande, so dass sie bald, unter dem Namen „Gelber Drache“ zu den angesehensten und stärksten Banden im Land zählen. Ma fühlt sich zu Höherem berufen und geht, nachdem er mit Huangs Frau anbandelt, weg um General zu werden. Längere Zeit später lässt er seine ehemaligen Mitstreiter antanzen, Ma ist inzwischen sehr erfolgreich, und rekrutiert seine „Brüder“ und deren Gefolge, um mit Aufständen fertig zu werden. Als Ma jedoch mit Huangs Frau auf Tuchfühlung geht und jener Huang bei einem Einsatz ums Leben kommt, woran Ma eine gewisse Mitschuld trägt, entzweien sich Ma und Chang und aus einer Bruderschaft wird Hass. Es kommt zum Kampf!  Das ist in groben Zügen die Handlung dieses actiongeladenen Epos. Anders als andere Genre-Vertreter schwingt sich der Film nicht von einer Action-Szene zur Nächsten, sondern geht auch auf die Figuren ein.

Der Film verbringt immer wieder viel Zeit mit seinen Charakteren, beleuchtet ihre Wesen und zeigt sie im Umgang miteinander. Hier greift auch „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ die gestandenen Motive des asiatischen Kinos auf. Freundschaft, Loyalität, Liebe, Kameradschaft, sowie Ehre sind auch hier die zentralen Motive, die nacheinander abgearbeitet werden. Von der Verbrüderung unserer Hauptcharaktere bis zum Bruch ihres Bandes. Chang Cheh, der auch am Drehbuch mitschrieb, versteht es gut die Balance zwischen der erzählerischen und der visuellen Ebene zu halten. Die Geschichte ist stimmig und die Figuren nachvollziehbar. Ma könnte leicht als Antagonist durchgehen, doch so wirklich böse ist er nicht. Er bewegt sich einfach nur in eine andere Richtung und stellt Macht über seine Blutsbrüder, was das Unheil schließlich ins Rollen bringt. So kommt der Film ohne die klassische Trennung zwischen Gut und Böse aus, was das Geschehen nicht nur ambivalenter, sondern auch interessanter macht, das es gut erzählt ist und nicht nur als Mittel zu Zweck dient. Chang Cheh setzt dieses „Beziehungsdrama“ opulent Szene. Die asiatische Kultur wird hier zelebriert und wunderbar zur Schau gestellt, was auch an der schönen Ausstattung liegt. Aber bei einer „Shaw Bros.“ Produktion möchte man ja auch Action sehen, welche ebenfalls famos ausfällt. Chang Cheh beweist hier fehlerfrei sein Können und setzt die Kämpfe virtuos in Szene. Sie sind nicht nur sehr gut inszeniert, sondern auch unfassbar gut choreographiert. Ohne Schnittgewitter serviert Cheh übersichtliche Action-Sequenzen, die eigentlich gänzlich ohne Schnitt auskommen. Dieser erfolgt meistens nur um zu einem anderen Charakter zu wechseln, was umso mehr die Talente der Hauptdarsteller vor Augen führt, denn mit Ti Lung, David Chiang und Chen Kuan Tai sind hier drei absolute Schwergewichte des Hongkong-Kinos versammelt, die ihre Rollen sehr gut ausfüllen. Ebenfalls mit von der Partie, wenn auch im Hintergrund: John Woo. Der spätere Kultregisseur solcher Action-Opern, wie „Bullet in the Head“ (1990) oder „The Killer“ (1989) war hier als Regie-Assistent beteiligt und hat sich wahrscheinlich das Ein oder Andere von Chang Cheh abgeguckt. Während mir die kleine DVD-Hartbox von „T.V.P. – The Vengeance Pack“ vorlag, kann man den Kung-Fu Klassiker jetzt auch auf Blu-Ray von „filmArt“ erwerben.

Chang Chehs „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ ist nicht nur ein furios inszeniertes Action-Epos, sondern auch ein gut geschriebenes, wie auch gespieltes Drama, was sich mit seinen Figuren auseinander setzt und eine gute, spannende und mitreisende Geschichte erzählt. Exzellent choreographierte Action-Sequenzen sorgen für aufregende Zwischenspiele in diesem wunderbaren Historien-Epos. Wenn meine weiteren Neuzugänge auch solche Begeisterungen auslösen können, werde ich doch noch warm mit den „Shaw Bros.“.