Die Bronx-Katzen (1975)

Als die “Dagger Debs“, eine reine Girl-Gang in LA, mit der furchtlosen Maggie ein neues Mitglied aufnehmen, kommt es schon bald zu Konflikten. Die Tatsache, dass sich Maggie sehr schnell zur rechten Hand von Lace, der Anführerin der Gang, entwickelt ist Patch, Laces ursprünglicher Vertrauensperson, ein Dorn im Auge und so versucht diese, Lace und Maggie gegeneinander auszuspielen…

 

Nach Erfolgen, wie dem Frauenknastfilm “The Big Doll House” und den beiden, zum Kult avancierten, Pam Grier-Krachern “Coffy” und “Foxy Brown”,
schuf Regisseur Jack Hill seinen persönlichsten Film. “Switchblade Sisters” sollte zuerst ein ernstes Drama werden, Hill änderte jedoch seine Meinung und schuf einen überaus unterhaltsamen Girl-Gang-Reißer mit Subtext und Shakespeare Einflüssen.
Die Geschichte dreht sich um die “Dagger Debs”, eine Mädchen-Bande, die zu dem Männeraquivalent “Silver Daggers” gehört. Jugendliche, die sich nehmen was sie wollen und keinen Respekt vor sogenannten Autoritäten kennen. Als Anführerin Maggie jedoch schwanger wird und ihre Beziehung zu Gang-Boss Dom durch Neuzugang Lace gefährdet sieht, stürzt sie die Gruppe durch einen Verrat in einen Krieg mit einer feindlichen Gang.
Das wäre dann die Handlung. Jack Hill serviert uns die “Grindhouse”-Perle in einem gewohnt knalligen 70’s Look. Hier werden Sprüche gerissen, es wird overacted und Action bzw. reißerische Elemente bekommt man auch dazu. “Switchblade Sisters” ist wohl Hills ambitioniertester Film. Die Geschichte ist ganz klar von William Shakespeares “Othello” beieinflusst, gerade im Bezug auf die Beziehung zwischen Maggie und Lace. Auch wird das theatralische Shakespears gekonnt in Dialogen und einzelnen Szenen verarbeitet, wirken doch diverse Momente, wie aus einem Bühnenstück. Trotz allem sind die Figuren für einen Film dieser Gattung relativ gut gezeichnet und auch gespielt. Die Inszenierung ist souverän und bestätigt mal wieder Hills zweifelsfreies Können im Genre-Film. Gerade die Szene auf der Rollschuhbahn und das Finale rocken ziemlich und die sleazy Gang-Szenen geben dem Film diesen rotzigen Touch. Auch verzichtet Hill auf große Gewalteinschübe. Es wird geschossen und dabei geblutet aber Gekröse wird hier nicht gezeigt, stattdessen werden gekonnt durch verschiedene Images und Überblendungen größere Gewaltausbrüche ins Off geschoben. Die Art dieser Mittel erinnert sehr an klassische Comic-Strips und machen gleichzeitig den Streifen recht comicy, was ihm sehr gut tut. Vieles ist überzeichnet, wie die Wärterin im Jugendgefängnis, was eine augenzwinkernde Hommage an Hills Werke “The Big Doll House” und “The Big Bird Cage” angelehnt ist, die er noch unter Roger Corman drehte.
Nicht zu Unrecht wurde der Film von Kult-Regisseur und bekennendem Exploitation-Fan Quentin Tarantino geadelt und im Rahmen seiner “Rolling Thunder”-Reihe in den 90ern wiederveröffentlicht.

“Switchblade Sisters” ist ein frecher, rockiger “Girl-Gang-Exploiter” in dem Jack Hill durchaus größere Ambitionen erkennen lässt. Dennoch sieht man hier einen äußerst unterhaltsamen uns spaßigen Film, der sehr an Comics erinnert und gekonnt die wunderbaren 70’s repräsentiert. Shakespear goes Grindhouse, sehr cool.

Der Film ist ungeprüft in Deutschland und als kleine Hartbox von “Motion Picture” erschienen. Jedem sei zu der VÖ von “Subkultur” geraten. Hier erschien der Film als schicke Blu-Ray/DVD-Kombo im Rahmen der “Grindhouse Collection Vol.2” mit einer Menge Bonusmaterial. Ganz tolle Edition!