Die durch die Hölle gehen (1978)

Inhalt:

Die drei Freunde Michael (Robert de Niro), Steven (John Savage) und Nick (Christopher Walken) leben ihr Leben als ganz normale Arbeiter in Pennsylvania. Es gibt dort alles was sie brauchen. Sie gehen auf die Jagd, es wird eine Hochzeit gefeiert, man geht gerne einen trinken. Dann werden alle drei in die Armee eingezogen und sie befinden sich später in Vietnam. Dort werden sie Zeuge und Teilhaber vieler kriegerischer Gräuel. Bei einer Aktion werden sie gefangen genommen und müssen dem Vietcong als Spielball dienen. Sie müssen ein menschliches „Russisch-Roulette“ absolvieren. An Grausamkeit kaum zu überbieten schaffen es die drei zu entkommen. Aber sie müssen einen hohen Preis dafür zahlen. Physisch als auch psychisch. Der Krieg ist auch in der Heimat nicht vorbei.

 


Filmisches Feedback:

Unheimlich intensiver psychologischer Antikriegsfilm

Der Begriff Antikriegsfilm ist schwer fassbar. Filme, die den Krieg und seine Auswirkungen zeigen (egal ob es sich um den ersten Weltkrieg handelt, den zweiten, den Vietnamkrieg, den Koreakonflikt oder den Irakkrieg) haben stets das Problem, dass sie immer nur einen kleinen, schwer zu definierenden Teil des Krieges versuchen abzulichten, uns näherzubringen. Man kann das Grauen nicht bildlich fassbar machen. Es ist nicht möglich, solange man nicht selbst daran beteiligt war und versteht um was es geht. Und selbst wenn man involviert war, ist es dennoch nicht erklärbar was mit den Menschen in solchen Konflikten passiert. Der dunkle Teil der Seele wird angesprochen und heraufbeschwört. Menschen erkennen das innere Monster und können nicht begreifen wie sie sich gegenseitig solch schmerz zufügen können. Der Mensch verroht, er wird zum Tier. Er wird leer.


Was macht der Krieg und seine Geschehnisse mit einem? Kann man wieder zum so genannten „normalen“ Leben zurückfinden? Ist es möglich, das Grauen hinter sich zu lassen und dem Alltag zuzuwinken mit einem aufgesetzten Lächeln auf den Lippen, wenn man vielleicht ein paar Monate zuvor zerfetzte Leichen gesehen hat oder selbst Menschen erschossen hat? Kommt man mit sich ins Reine, wenn man weiß, zu was der Mensch in solch verachtenden Situationen im Stande ist zu tun? Kann man je wieder etwas essen, wenn man weiß, was für Entbehrungen der Mensch auf sich nimmt um zu überleben im Krieg? Was kommt danach? Zerbricht der Mensch? Solche Fragen zu stellen in einen Film ist schwer. Diese dann auch noch beantworten unmöglich.


Und genau das versucht Ciminos Meisterstück über die menschliche Tragödie nach einem Krieg aufzuzeigen. Er geht dabei behutsam vor. Zunächst. Der erste Akt ist als normales Alltagsleben geschildert. Eine fiktive Vorstadt und seine Einwohner werden hier gezeigt. Das Leben ist flüssig. Es geht seinen Gang. Jeder hat seine Sorgen. Es wird geheiratet. Männer treffen sich in Kneipen, spielen Billard, trinken einen, sie sind Freunde, sie gehen auf die Jagd. Es ist ein einfaches, typisch-amerikanisches Leben. Dann werden sie einberufen. Der zweite Akt des Filmes nimmt seinen perversen Lauf. Ohne Vorwarnung wird der Zuschauer in eine Szenerie geworfen, die menschenverachtender kaum sein kann. Hier erlebt man als Zuschauer einen Teil des Lebens im Krieg mit. Auch wenn die Szenen in der Gefangenschaft des Vietcong für Entrüstung sorgen, so dienen sie doch lediglich als Auftakt um das Leiden des Menschen nach diesen Erlebnissen zu zeigen.


Das wollte Cimino zeigen. Er bezieht im Prinzip keine Position. Auch wenn das die osteuropäischen Länder bei der Premiere so sahen. Es geht hier darum aufzuzeigen, was einer (nicht der) Auslöser sein kann damit das Leben aus den Fugen gerät. Und das ist von solcher Intensität gefilmt (auch dank des grandiosen Kameramannes Vilmos Zsigmond, der in der 70ern so eine Art „Gott der Kamera“ war), dass man den Schmerz spürt. Nach der (und das ist tatsächlich etwas unrealistisch, passt aber im Kontext des Filmes sehr gut rein) Befreiung durch Erniedrigung, beginnt der dritte Akt des Films.


Das Leben danach und wie es außer Rand und Band gerät. Hier gibt es zum Schluss die einprägsamste Szene. Wenn Christopher Walken ansetzt zum russisch Roulette und sein Blick dem von Robert de Niro schweift….das ist die grausam-schönste Szene im ganzen Film. Hier wird einen bewusst was hier passiert ist. Der Mensch geht unter in seiner seelischen Zerstörung durch den Krieg. Ein höchst menschlicher Film ist dieser. Geprägt durch die fantastische Kamera, der zermürbenden Regie von Cimino und vor allem durch die Schauspieler, die allesamt mit den besten Darstellungen ihres Lebens abliefern. Angefangen von Robert de Niro, über den zu recht mit den Oscar ausgezeichneten Christopher Walken bis hin zu John Savage und John Cazale. Alle liefern hier eine beeindruckende Show ab. Dieser Film zählt für mich zu den besten Antikriegsfilmen die es gibt. Neben THE BIG RED ONE (1980) und APOCALYPSE NOW (1978) der Film über den Vietnam-Krieg.

Auch wenn wir den Krieg nicht fassen können, unfassbar ist er.