Die Fliege (1958)

Der Wissenschaftler Andre Delambre hat im Keller seines Hauses einen Durchbruch vollbracht: Er hat es geschafft mittels einer Apparatur Dinge von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Seiner Frau Helene ist klar, dass das eventuell den Transport von Gütern und Menschen revolutionieren könnte. Bei einem Selbstversuch geht jedoch was schief, denn mit Delambre ist eine Fliege in der Teleportationskammer und während des Prozesses verschmelzen beide miteinander mit katastrophalen Ergebnis…

Das Original wie das Remake von David Cronenberg aus dem Jahre 1986 Die Fliege sind Meilensteine der Filmgeschichte, während das Original im Gegensatz zu seiner Neuverfilmung mehr auf Spannung und Gruselfilm-Atmosphäre setzt als auf eklige aber gut in Szene gesetzte Spezial Effekte. Die Fliege von 1958 ist ein Gruselfilm mit Elementen eines Kriminal-Dramas, der von dem in Deutschland geborenen Filmemacher Kurt Neumann, der auch einige der Tarzan-Abenteuer mit Johnny Weissmüller als Dschungelkönig Tarzan verfilmte, in Szene gesetzt wurde und sich dabei haargenau an der Buchvorlage des britischen Schriftstellers George Langelaan orientierte.

Nur in bedingter Hinsicht ist Die Fliege ein atypischer Horrorfilm seiner Zeit, allerdings wirkt in dem Film auch eine unterschwellige Kritik an Selbstüberschätzung mit, die den Wissenschaftler im Film Andre Delambre, der von David Hedison, der 2004 in der TV-Serie Schatten der Leidenschaft mitspielte, verkörpert- zum Verhängnis wird. Zu dem könnte man auch eine Kritik an dem unbändigen risikoreichen Forschungsdrang eine sich zu rasant entwickelnden Technologie, die nicht unbedingt immer nur als Segen verstanden werden muss, herauszulesen. Ob Kurt Neumann Die Fliege ebenso als Warnung für den Hochmut der Wissenschaft verstand, ist allerdings dahingestellt.

Auffallend ist natürlich und dadurch wurde der Film ja auch erst so berühmt, das gruselige Kostüm der Delambre-Fliege oder des Fliegenmenschen, das man aber erst relativ spät sieht, da vorerst man sich selbst seine Vorstellungskraft und Fantasie bemühen musste, was da unter dem Tuch, mit dem der Wissenschaftler sich nach dem fehlgeschlagenen Selbstversuch den Kopf abdeckt, steckt. Erst als man erstmals die Fliegenklaue sieht, kann man erahnen, welche gruselige Gesicht einem unter dem Tuch erwartet. Als dass dann das erste mal offenbart wird, ist es wahrlich ein kleiner Schock – auch heute noch. Ein für damalige Verhältnisse ziemlich realistisch dargestelltes Abbild eines Fliegenkopfes! Und wer gruselt sich nicht heute noch vor dem monströsen Abbild in der Großansicht eines Insekts?  

So schaurig dann der Fliegenmensch auch ist, man vergisst nicht, dass es eigentlich ein Mensch ist, der Opfer seines Genies wurde. Ein dramatischer Kampf um die Bewahrung seiner Menschlichkeit beginnt und um die verzweifelte Hoffnung diesen grusigen Zustand wieder rückgängig zu machen. Besonders gut hat mir gefallen, was auch recht glaubwürdig war, ist dass mit der Zeit die Instinkte des Insektes den menschlichen Verstand verdrängte. Je unmenschlicher das Opfer seiner selbst wurde, desto mehr Mitleid bekam ich persönlich jedenfalls mit dieser tragischen Figur. 

Interessant war auch die Vermischung mit den Elementen, die man eher in Kriminalgeschichten zu Gesicht bekommt.  Wie unsere Hauptdarsteller versuchen anhand der Rückblenden kriminalistisch das bereits geschehene Drama, dass von Delambres Frau Helene, grandios darstellt von Patricia Owens (Flucht aus der Hölle), erzählt wird, zu rekonstruieren. Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen, was den Film noch um einiges dramatischer erscheinen lässt, als die Story ohnehin schon ist.   

Die verzweifelte Suche nach der Fliege, als man Helena die bizarre Geschichte endlich glaubt, die nun den Kopf des Wissenschaftlers tragen musste, schließlich wurden sie ja ausgetauscht, fand ich ziemlich nervenaufreibend um so schockierender war das Ende. Um so beeindruckender erscheint Die Fliege, wenn man bedenkt, dass dieser unsterbliche Filmklassiker gerade einmal 700,000 US-Dollar damals kostete, was man ihm meiner Ansicht nach nicht ansieht. Zu ausgefeilt und dramatisch spannend ist der Film Die Fliege, dass man – jedenfalls erging es mir persönlich so – eigentlich gar nicht so wirklich drauf achtet, dass es gar nicht so viele, eher nur zum Ende hin, Spezial Effekte gibt. Effekte sind eben auch nicht alles. Leider ist man heute nicht mehr derselben Überzeugung und stellt Effekte häufig über die Story.  

Der Film Die Fliege wurde ein Jahr später, also 1959 für den Hugo Award in der Kategorie Beste dramatische Präsentation nominiert. Warum er nicht mehrere Nominierungen oder gar Preise gewann wird wohl daran liegen, dass es derzeit eine Flut von Horror- und Science Fiction Filmen gab und auch vielleicht weil die Kinozuschauer sich als Ende ein Happy End gewünscht hätten. Aber wissen tue ich die Hintergründe dazu leider nicht.

Auf den dennoch recht großen Erfolg von Die Fliege folgten dann 1959 und 1965 die Fortsetzungen Die Rückkehr der Fliege und Der Fluch der Fliege. Leider habe ich diese noch gar nicht gesehen und kann somit derzeit auch nichts dazu schreiben.

Dennoch kann ich guten Gewissens mein Gefallen an Die Fliege zum Ausdruck bringen, der in einer Zeit, wo es heute in Horrorfilmen weniger um Grusel sondern eher um Blutgehalt und Gewaltdarstellung geht, trotz seines Alters noch sehr gute spannende und verstörende Unterhaltung bietet, die aber auch ein wenig zum Nachdenken anregt. Die Fliege gibt es in drei DVD-Veröffentlichungen von 20th Century Fox und sind recht günstig für einen Klassiker zu bekommen. 

 

 Wertung: 9/10 Punkten