Die Folterkammer des Hexenjägers (1963)

Als Charles Dexter Ward im Jahre 1875 in das kleine englische Städtchen Arkham kommt, sieht er sich dem Misstrauen und Argwohn der Bewohner ausgesetzt, war es Wards Vorfahre, Joseph Curven, der 110 Jahre zuvor wegen der Hexerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, weil er Jungfrauen zu sich auf das Schloss holte, um sie dort in einem grausamen Ritual zu ermorden und noch im Todeskampf den Ort verfluchte und ihm bis auf eine kleine Narbe erschreckend ähnlich sieht. Charles Dexter Ward bezieht aller Warnungen der Dorfbewohner zum Trotze das Schloss seines Vorfahren zusammen mit seiner Frau Ann, die kurz darauf eine unheimliche Veränderung in dem Verhalten ihres Gatten feststellt, der wie besessen von dem Ort und seinem Ur-Ur-Urgroßvater Curven zu sein scheint …

 Eigentlich verbindet man ja mit dem Namen Roger Cormans eher kostengünstige und trashig anmutende B-Movies,die oft ziemlich konfus und hanebüchen erscheinen. Das Corman nicht nur Trash sondern auch richtig gute und spannende Gruselunterhaltung fabrizieren konnte, sieht man ganz eindrucksvoll an Die Folterkammer des Hexenjägers aus dem Jahre 1963, in dem sich Corman an der Geschichte Der Fall des Charles Dexter Wards orientiert, die eigentlich dem amerikanischen Kriminal- und Horror-Schriftsteller Edgar Allen Poe zugeschrieben wird, aber angeblich aus der Feder von H.P. Lovecraft zu stammen scheint.

 Der etwas eher nach einem B-Movie klingende Titel Die Folterkammer des Hexenjägers kann aber durch einer erneut grandiosen schauspielerischen Leistung von Schauspieler-Legende Vincent Price und seiner Film-Gattin Debra Paget, die auch 1956 in dem wohl bekanntesten Film, der sich mit der Bibelgeschichte um Moses befasst, Die 10 Gebote, zusammen mit Charlton Heston und Yul Brynner vor der Kamera stand, das Vorurteil eines klassischen Corman-B-Movies wiederlegen. 

 Price spielt in diesem Film die Doppelrolle des Charles Dexter Ward und gleichzeitig die dessen Vorfahren Joseph Curven, von dem er nach und nach besessen wird, bis man sich fragt wer eigentlich noch wer ist. Im Film dagegen wird dieses natürlich etwas vereinfachter dargestellt, aber nicht minder interessant, aber ich möchte nicht zu viel von der Geschichte verraten, da dieses auch ein wichtiges Element für die Spannung und den Grusel im Film ausmacht und nicht denen, die weder die Geschichte noch den Film kennen, zu viel verraten. 

 Großartig in Die Folterkammer des Hexenjägers ist ebenfalls die gruslige Atmosphäre. Ganz besonders beeindruckend gegen Anfang des Filme ist zum Beispiel eine Szene als Vincent Price als Charles Dexter Ward Nachts durch das Dorf schreitet und von unheimlichen Gestalten bedrängt wird. Eine wirklich gruslige Stimmung, die von dem damals oft angewandten und immer wieder wirkenden Spiel aus Licht und Schatten, künstlichen Nebel und grusliger Musik, die übrigens von Ronald Stein stammt, der auch für die Musikuntermalung in den Klassikern wie Die letzten Sieben oder Invasion of the Saucer-Men und Gesandter des Grauens zuständig war, un dem Zuschauer damals ein unheimliches Gruselfeeling bescherten, was heute in der Filmwelt allerdings so keine Anwendung mehr findet, da man in den modernen Horrorfilmen bis auf wenige Ausnahmen eher auf Blut und Gewalt abzielt anstelle eine schaurige Grusel-Atmosphäre zu erschaffen.

 Der Film Die Folterkammer des Hexenjägers ist eher ein Gruselfilm als ein richtiger Horrorfilm mit dem Charme der 1960er und könnte man beinahe mit dem Flair der britischen Hammer-Filme vergleichen. Der Film fängt sofort spannend an und hält diese meiner Meinung nach auch konstant, bzw. steigert sie sich von Minute zu Minute bis zum Ende hin.Langeweile kommt meiner Meinung nach überhaupt keine auf, da diese gerade schon angedeutete Grusel-Atmosphäre den ganzen Film über begleitet wird; einem unguten Gefühl, wie eine Vorahnung, dass irgendetwas Schreckliches sich im Laufe des Filmes ereignen wird, aber nicht wissend (wenn man die Vorlage nicht kennt) was es genau ist.

 1992 wurde der Stoff um die Geschichte von Charles Dexter Ward nochmals von dem Regisseur von The Return of the Living Dead, Dan O’Bannon in dem Horrorfilm “Evil Dead – Die Saat des Bösen” (The Resurrected) verfilmt, aber im Gegensatz zu Die Folterkammer des Hexenjägers mit wesentlich mehr blutigen Schockeffekten, allerdings nicht weniger spannend und unterhaltsam. Allerdings so spannend auch der Film Die Folterkammer des Hexenjägers und so klasse die Schauspieler sind, umso mehr wurde ich persönlich, von dem deutschen Titel in die Irre geführt, ein wenig negativ überrascht, dachte ich es würde sich dabei um einen dieser Hexenfilme ala Mark of the Devil oder Der Hexentöter von Blackmore handeln, die man kurz um auch als Hexenfolterfilme mit angeblich historischen Hintergrund bezeichnen könnte. 

 Dem ist nicht so, der deutsche Titel hat rein gar nichts mit einem Torturfilm gemein. Wenn man dies berücksichtigt und weiß, dass Die Folterkammer des Hexenjägers ein Gruselfilm darstellt, so unterhält der Film wirklich gut und sorgt für Gänsehaut. Geht man also mit der falschen Vorstellung an den Film, dann geht das leider nicht zu Gunsten des so tollen Filmes aus, da brutale Folterungen und Gallonenweise Blutvergießen in diesem Film nicht vorkommen. Ich finde man hätte bei den Film unter seinem Alternativtitel.: Das Schloss des Grauens veröffentlichen sollen, weil somit der Titel eher das andeutet, was dem Film auch gerecht wird.

Wertung: 9/10 Punkten