Die gefürchteten Vier (1966)

Vier Abenteurer tun sich zusammen, als ihnen ein millionenschwerer Rancher ein Vermögen bietet, falls sie seine Frau zurückbringen, die mexikanische Banditen entführt haben. Der Weg nach Mexiko durch die Wüste ist weit, gefährlich und voller Überraschungen. Die größte Überraschung aber wartet auf sie, als sie ihr Ziel erreichen und feststellen: Die Frau ihres Auftraggebers will eigentlich gar nicht gerettet werden!

 

Hollywood musste sich was einfallen lassen. Die aalglatten sauberen Western waren beim Publikum nicht mehr so beliebt. Die Welle der Italo Western schwappte auch nach Übersee. Dies hatte zur Folge, das sich Autoren, Drehbuchschreiber neue Dinge, Aspekte, Ansichten und vor allem Inszenierung einfallen lassen mussten.

1966 schrieb Richard Brooks das Skript zu DIE GEFÜRCHTETEN VIER. Auch nahm er kurzerhand auf dem Regie-Stuhl Platz. Somit war gewährleistet das Skript ohne große Veränderungen auch filmisch umgesetzt wird. Brooks war zu diesem Zeitpunkt auch kein Neuling mehr auf dem Posten des Regisseurs. Schon in den 50er Jahren drehte er Filme mit Titeln wie “Hexenkessel”, “Begegnung in Tunis” und “Arzt im Fegefeuer”. Nach DIE GEFÜRCHTETEN VIER blieb er dem Western Genre noch treu und inszenierte “700 Meilen Westwärts”, das war im Jahr 1977. Zu seinem bekanntesten und erfolgreichsten Film zählt zweifellos “Die Katze auf dem heißen Blechdach” von 1958.

Doch nicht nur das Drehbuch birgt einiges an Potenzial. Auch die Besetzungsliste wurde gut bestückt und kann mit einigen sehr bekannten und erfolgreichen Schauspielern punkten. Zum einen haben wir da Lee Marvin. Der grauhaarige, schlanke Hüne, den man schon in zahlreichen Filmen erleben durfte. Sei es Komödie, Drama, Thriller, Action oder wie hier im Western Genre. Lee Marvin war bis zu seinem Tode ein Charakterdarsteller und vielseitig einsetzbar. In weiteren Rollen tauchen Namen wie Burt Lancaster und Robert Ryan auf. Sie schmiegen sich ohne Anpassungsschwierigkeiten dem Plot ein. Doch das ist bei weitem nicht alles.

Jack Palance zeigt in DIE GEFÜRCHTETEN VIER mal wieder sein Talent und seine Ausstrahlung als Fiesling. Hier durfte er sich der Rolle des Banditen der Mexikaner annehmen. Als seine holde Maid, um die zum größten teil im Film geht, tritt die attraktive Claudia Cardinale in Erscheinung.

Regisseur und Autor Brooks war sich dessen bewusst, das er dem Western Genre einen neuen amerikanischen Anstrich verpassen musste. Als Anlehnung an die Italo Western mussten sie brutaler, fieser, rauer und gemeiner werden. Vor allem der Härtegrad der Gewalt musste angehoben werden. Die Kinobesucher verlangten nach neuen Mustern, Vorgaben.

Doch Brooks ging noch einen Schritt weiter. Gewisse Ähnlichkeiten zum derzeitigen Vietnam Krieg ist offensichtlich und werden filmisch angepeilt. Jedoch sind diese Anspielungen in den Dialogen besser zu erkennen als durch die bewegten Bilder. Was in DIE GEFÜRCHTETEN VIER einen recht schnell auffällt, das hier auf plumpe Duelle zwischen zwei Revolverhelden gänzlich verzichtet wurde. Eher militärisch und strategisch werden die Bösewichte von den Vier ausgetrickst und ausgeschaltet. Oft mit nur wenigen Sätzen wissen die vier Soldaten, in diesem Fall Abenteurer, was zu tun ist und wann der richtige Zeitpunkt für ihre Unternehmungen ist. Dieses Handeln ist zeitlos, es kann auf viele weitere Filme die erst Jahre später gedreht wurden spielend projiziert werden. Die Zeiten der wilden Schießereien im Saloon oder in den Schluchten der Canyon ist vorbei.

Auch der Fortschritt der Technik ist in diesem Spät-Western sehr deutlich zu erkennen. Sei es durch den Umgang mit Repetiergewehren, Dynamit und MGs oder auch die ersten Autos die mit Kraftstoff fahren. Hinzu kommt noch das hier drei weiße Cowboys mit einem schwarzen Cowboy zusammen arbeiten. Zu Zeiten des Rassenkonfliktes in Amerika ein mutiges Unterfangen. Laut Geschichtsaufzeichnungen gab es sehr wenige schwarze Cowboys zu Zeiten des Wilden Westen.

DIE GEFÜRCHTETEN VIER besitzt Charaktertiefe. Zudem ist die Story sehr spannend und unterhaltsam geschrieben und gedreht worden. Längen kommen nur wenig auf. Diesen Spät Western kann ich nur weiterempfehlen. Durch die neuen Ansätze im Film, die sichtlich für spätere Werke und andere Genres prägend waren, kommt man auch als Nicht-Western Fan auf seine Unterhaltungskosten. DIE GEFÜRCHTETEN VIER kann man getrost zu einem Klassiker zählen. Kommt zwar nicht auf die Höhe wie “The Wild Bunch”, aber klopft schon mal deutlich an.

DIE GEFÜRCHTETEN VIER gibt es auf VHS, DVD und Blu-ray mit einer FSK 16 Freigabe.