Die glorreichen Sieben (1960)

Inhalt:

Mexikanische Bauern werden stets von einer Gruppe von Banditen unter der Führung von Calvera (Eli Wallach)  überfallen. In ihrer Not heuern sie den Revolverheld Chris (Yul Brunner) an. Dieser trommelt sechs weitere Männer an, um den Farmern zu helfen. Wird es ihnen gelingen?

Filmisches Feedback:

Einer der besten Western

Ich bin nun bei Leibe kein großer Westerngucker. Aber es gibt so einige die ich mir sehr gerne ansehe. Dazu gehören selbstredend die beiden „Leone“-Trilogien, einige von Corbucci, Sam Peckinpahs grandiose Abgesänge, ein wenig die „Spencer/Hill“-Streifen (soweit man die als Western bezeichnen kann) und ein paar der Neo-Western der heutigen Zeit. Und dieser Film gehört für mich zu den zeitlosen Filmen, die man stets ansehen kann und immer was Neues entdeckt. Obwohl das Setting im „wilden Westen“ angesiedelt ist, ist es kein wirklicher Western. Er könnte überall spielen. Nicht umsonst ist das Original ja auch aus Japan und spielt ebenfalls in einer anderen Kultur.

Was diesen Film aber besonders macht ist seine Universalität. Es geht hier um eine grundlegende Moral des Outsiders. Eine selbstauferlegte Pflicht zur Hilfe der Unterdrückten. Es geht hier um die Überwindung selbstgerechter Empfindlichkeiten zum Wohle derjenigen, die sich nicht helfen können und unterdrückt werden. Es ist ein Revoluzzer-Film ohne Revolution. Er hilft den Schwachen um die Ungerechten zu schwächen. Das dabei Gewalt zum Einsatz kommen muss, ist zwar tragisch, aber notwendig. Ob sich das deshalb gerechtfertigten lässt sei dahingestellt und lässt zum Nachdenken anregen. Insofern ist dieser Film (dessen Entstehung 1960 ist) schon der Vorreiter des Abgesangs der klassischen Westernhelden a la John Wayne und Konsorten. Auch wenn hier vieles noch hochpoliert wirkt (so die sauberen Helden, zumindest zum Teil, oder die schönen Tode, die so melodramatisch sind) ist es inhaltlich doch bereits der Beginn der Demontage des Westernmythos welches in den „Leone“-Western seine Perfektion fand. In diesen wird der Tod unschön gezeigt, die Helden sind noch desillusionierter als hier gezeigt. Aber hier fing es langsam an das auch Hollywood sich über sein selbst geschaffenes Genre Gedanken macht.

Dass das schwierig war, den Zuschauer das zu zeigen, zeigt die Tatsache, dass der Film nach Erscheinen erst ein Flop in Amerika war. Dann kam er nach Europa, wurde ein Erfolg und dann wieder zurück in Amerika begann sein Siegeszug. Das amerikanische Publikum war zu sehr verwurzelt in seinen Heldenmythos des Westerns, dass eine Demontage zunächst unmöglich erschien. Dann, auch durch die „Leone“-Western kam der langsame Umbruch. Das „New Hollywood“ machte auch beim Western nicht halt. Und während Peckinpah die Gewalt als exzessives Element der Demontage benutzt, lässt Regisseur John Sturges hier seine Protagonisten in scharfen kurzen Dialogen genau das sagen, was diesen Abgesang einläutet. Die letzten Worte von Yul Brunner, der königsgleich reitet, spricht, guckt und geht in diesen Film lauten: „Der alte Mann hatte Recht, nur die Farmer konnten gewinnen, wir haben verloren! Wir verlieren immer!” Das in einen amerikanischen Western zu sagen ist revolutionär. Die Helden sind keine. Sie sind verletzbar. Sie sind die Antihelden. Die Helden sind die anderen, die armen Bauern, die Arbeiter. Das wird auch häufig thematisiert im Film.

Und genau das macht diesen Film so zeitlos. Es sind die Helden die keine sind. Und die Helden die unentdeckt bleiben. Nur bis zum Schluss um als einzige zu überleben. Der Film lebt von seinen kurzen Dialogen und seinen Darstellern. Das sind die Elemente dieses Films. Die Action ist eher mäßig gestaltet und unterwirft sich den Regeln des Genres. Was den Film ausmacht sind die Darsteller. Alle, von Brunner über den noch jungen Steve McQueen (King of Coolness), von Charles Bronson bis James Coburn, von Elli „Ich bin ein verdammt guter Bösewicht und steigere mich noch in ZWEI GLORREICHE HALUNKEN“  Wallach bis Robert Vaughn. Jeder gibt hier sein bestes durch Minimalismus. Nicht die großen Gesten sind es die den Darsteller ausmacht. Es sind die kleinen Sachen. Die kurzen Blicke, die Fingerzeige, aber die kleinen Sachen. Und die Karrieren der Jungs (außer Brunner) begannen ja erst nach den Film so richtig.
Man könnte noch Stunden schwärmen, aber dieser Film ist eben zeitlos und inspiriert bis heute Filme. Und das soll ihn erst mal einer nachmachen.