Die Graue Armee (1995)

Wir sind ja dafür bekannt, das wir uns auch mal unbekannte Werke und reine TV Produktionen anschauen. Denn nicht alles was in der Masse untergeht, ist nicht empfehlenswert. So wie auch mit dem Film „Die Graue Armee“ von 1995. Eigens fürs amerikanische Fernsehen produziert, mit einem geringen Budget. Doch mit wenigen Mitteln kann man viel zum Ausdruck bringen, das haben uns schon einige Regisseure und Produzenten bewiesen. Regisseur für dieses Western-Drama wr Robby Henson. Es ist zugleich auch sein Debut als Mann auf dem Stuhl. Seine weiteren Werke sind allesamt ebenfalls fürs amerikanische Fernsehen produziert worden.

Captain Abston (Chris Cooper) ist ein guter und loyaler Soldat. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs führt er seine Kavallerie zu einer entlegenen Farm, um Vieh vom Feind, den Konföderierten, zu konfiszieren. Die Farm wird von der Yankee-hassenden Sarah Anders (Patricia Clarkson) betrieben, deren Ehemann fort ist, um für die Konföderierten zu kämpfen. Der ehrenvolle Captain und sie lernen sich näher kennen und zwischen den beiden entwickelt sich eine Romanze. Weit weg vom Schlachtfeld entbrennt hier ein privater Bürgerkrieg. Der Feldherr und Sarah werden vom Sog des Krieges auseinandergerissen. Sie müssen nun Entscheidungen fällen, die sie nicht völlig kontrollieren und verstehen können. Beide müssen herausfinden, wem ihre Loyalität gilt und, ob sie gewillt sind, ihre Treue mit Blut zu bezahlen. Sarahs elfjähriger Sohn tut dabei alles, um seine Mutter zu schützen.

Man merkt Die Graue Armee sofort das geringe Budget an, der Hauptdrehpunkt der Story ist die Farm von Sarah und ihren 11 jährigen Sohn. Der Ehemann ist im Krieg und beide bewirtschaften mit geringen Mitteln aber viel Aufwand die kleine Farm um essen und leben zu können. Viel Actionsequenzen sind somit ausgeschlossen. Hier geht es nicht um den Bürgerkrieg an sich, sondern um die Geschehnisse und das primitive aber harte Leben der Menschen hinter dem Krieg. Im Vordergrund steht auch die Thematik der Sklaverei, die jedoch im Film weitgehend nur Erwähnung findet. Schaut man sich die Besetzungsliste des Films an, so tauchen nur vereinzelt ein paar Namen auf, die einem geläufig sind. Allen voran Chris Cooper, hier als Captain des kleinen Trupps. Ihn kennt man vor allem aus dem Drama „This Boy´s Life“ von 1993 als Roy. Auf der weiblichen Seite steht Patricia Clarkson als Sarah, sie sollte man aus dem Fantasy Klassiker „Jumanji“ von 1995 als Carol Anne kennen. Beide liefern auch in diesem Drama gute und authentische Schauspielleistungen ab und verhelfen ihren Rollen zu einer dichten Ausdrucksstärke. In einer Nebenrolle taucht Kris Kristofferson auf, der ehemalige „Rubberduck“ aus Convoy mimt hier einen Pfarrer, der die beiden Kriegsparteien mit den ehemaligen Phraraonen vergleicht, daher auch der Originaltitel „Pharao´s Army“. Eine kurze Verdeutlichung seiner Ansicht bekommt der Zuschauer in einem Gespräch erklärt. Doch auch dieser und der deutsche Filmtitel leiten den Zuschauer in die Irre, denn beide haben so gut wie rein gar nichts mit dem Filmgeschehen gemeinsam.

Wer epische Schlachten wie in „Gods and Generals“ sehen möchte, hat sich für den falschen Film entschieden. In Die Graue Armee wird der Zuschauer mit einem unterhaltsamen Drama versorgt. Ruhige Passagen, viele Dialoge und nur wenig Action. Hin und wieder ein paar kleine Schiessereien, die jedoch nur innerhalb der Beteiligten geschieht. Somit rückt der Film den Bürgerkrieg in ein anderes Licht und zeigt deutlich wie andere Menschen durch den Krieg leiden mussten. Durch das minimale Budget bekommt der Film aber eine ungeheure Glaubwürdigkeit in seiner Inszenierung. Sehr realitisch ist die Farm und die wenigen Hilfsmittel der damaligen Farmer zu bestaunen.

Wer sich auch gerne mal einen ruhiges Western-Drama anschauen möchte, und einer reinen TV Produktion nicht abgeneigt ist, wird sicherlich seinen Unterhaltungswunsch befriedigt bekommen. In den USA lief Die Graue Armee sogar im Kino und floppte kläglich an den Kassen. Aber auch hierzulande ist seine Veröffentlichung auf VHS und DVD förmlich sang und klanglos untergegangen.