Die große Sause oder Drei Bruchpiloten in Paris (1966)

Inhalt:

Der Zweite Weltkrieg in Frankreich. Über Paris wird ein britisches Kampfflugzeug abgeschossen. Die Piloten können sich retten. Sie werden aber von den deutschen gejagt. Mit Hilfe des Malers Augustin und des Dirigenten Stanilas versuchen sie die Stadt zu verlassen und den Weg in die Heimat anzutreten. Gar nichts so einfach wenn man verfolgt wird.

Filmisches Feedback:

Ganz großer Humorklassiker der interkulturellen Art

Louis de Funes und Bouvrils zweiter gemeinsamer Film ist eine besondere Weltkriegssatire. Die Geschichte, das drei Unschuldige unfreiwillig auf einmal zur Resistance gehören und gegen die deutsche Besatzung kämpfen bedient sich dem klassischen Aufbau des Spielfilms, wie es der verstorbene Syd Field darlegte: der drei Akt-Struktur. So baut auch dieser Film darauf auf und bietet mehrere Plot Points die allesamt mit skurrilen Personen und Situationen aufwartet. Diese Situationen bedienen exakt die humoristische Machart die Regisseur Gerard Oury.

Abgedrehte Unmöglichkeiten mit Hintergrund. Denn Oury lässt seine Protagonisten nicht ohne Grund diese Situationen erleben. Durch die Abgedrehtheit und den bewusst albern wirkenden Charakteren schuf er eine Kriegssatire indem er gekonnt sämtliche Register der Komik benutzt um den Krieg (bzw. den Deutschen) ins Lächerliche zu ziehen. Dabei macht er sich, und das ist die große Kunst die Oury hier schafft, nicht über die Opfer oder den zweiten Weltkrieg in seiner ganzen Dimension lustig oder spielt das Grauen herunter. Nein, er schafft es, lange vor „Das Leben ist schön“, den Machthabern der Lächerlichkeit preis zu geben.

Dabei nimmt er den Schrecken nicht sein Grauen. Im Gegenteil. Durch die Mittel der Komik versucht er den Schmerz zu lindern. Humor kann für einen kurzen Moment den Menschen helfen, aber nicht alles verniedlichen. Das versucht Oury hier auch nicht. Er will mit diesem Film eben mit allerlei satirischen Seitenhieben den franco-germanischen Problemen entgegentreten. Durch die Lächerlichkeit will er tatsächlich eins: Verständigung zwischen ehemals verfeindeten Parteien.

Das zeugt auch von der Besetzung. Über 30 Jahre vor “Inglourious Basterds” macht Oury genau dasselbe wie Tarantino: er lässt die Darsteller die Sprache sprechen, deren Nationalität sie angehören. Ein Schachzug, der den Film eine zusätzliche Kraft gibt. Eine der besten Figuren ist der vom Deutschen Benno Sterzenbach dargestellte Nazi. So grotesk und überzeichnet ist selten ein Soldat dargestellt worden. Und das war vollkommende Absicht von Oury. Allerdings muss man eben zu diesem Thema sagen, dass sich die ganze Kraft der Dialoge erst entfaltet, wenn man die Originalversion sieht. Mittlerweile gibt es drei Synchronfassungen.

Am bekanntesten ist die von Tobis aus dem Jahr 1974 mit Gerd Martienzen. Die ist auch sehr gut, aber einige Wortspiele kommen in der ersten deutschen Übersetzung von 1966 besser rüber. Wie dem auch sei. Ich habe das erste Mal die zweite Synchronfassung gesehen und bei der bleib ich auch. Die ist wunderbar. Und das Oury zu den großen des französischen Films gehört zeigt auch, der Erfolg des Films. Bis zum Jahre 2008 war er mit 17 Millionen Zuschauer im Kino der erfolgreichste französische Film in Frankreich (bis „Willkommen bei den Sch´tis“),bzw. bis 1998 mit „Titanic“. Eine beachtliche Leistung möge man meinen? Nein, es zeigt eher den exzellenten Geschmack des Publikums.
Eine gekonnte Satire und humaner Botschaft mit brillanten Darstellern.

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