Die Hölle der lebenden Toten (1980)

In Neuguinea arbeiten Wissenschaftler in einer abgelegenen Forschungsanstalt daran die Hungernot auf dem afrikanischen Kontinent zu bekämpfen und experimentieren mit Viren, um das Wachstum von Getreidearten zu fördern und resistenter gegen Dürreperioden zu machen. Doch alles geht schief, mutierte Viren entstehen, die freigesetzt werden und die kürzlich Verstorbenen in lebende Tote verwandeln, die sich von warmen Menschenfleisch ernähren. Und da die Sterblichkeit auf dem von Armut gebeutelten Kontinent sehr groß ist, findet der Virus genügend Opfer. Eine Spezialeinheit der Armee soll in die Forschungsanlage eindringen und das Labor zerstören, bevor der Virus noch die ganze Welt verseucht. Auf ihrem Weg dorthin machen sie die Bekanntschaft mit einem französischen Kamerateam, was ihren Auftrag anfangs scheinbar erschwert, da Zeugen dieser Katastrophe nicht gebraucht werden. Aber sie erweisen sich doch noch als brauchbar, auch im Kampf gegen die stetige Anzahl der menschenfressenden lebenden Toten…

Was ich persönlich sehr schade finde ist, dass man den Film Die Hölle der lebenden Toten als miesen Trash (im negativem Sinne) kritisiert und ihn als völlig misslungenen Schrott darstellt. Meiner Meinung nach ist Die Hölle der lebenden Toten alles andere als das, denn der Film besitzt nicht nur den grandiosen Charme der 1980er Zombiefilme, sondern erzählt dazu noch eine packende und interessante Geschichte.

Mich stört es da wenig, dass Regisseur Bruno Mattei, der in diesem Film das Pseudonym Vincent Dawn verwendete, sich die Musik von Goblin aus George Romeros Dawn of the Dead ausgeliehen hatte, als am Anfang in einer Szene Soldaten ein Haus stürmen, in dem Öko-Terroristen Geisel des Chemiekonzerns genommen haben, um auf die Katastrophe in Afrika aufmerksam zu machen. Ich gebe zu, dass ich anfangs irritiert auf Grund des bekannten Sounds war, aber ich empfinde es nicht als störend, auch wenn man bei der Filmmusik natürlich gleich die Schauspieler Foree und Reiniger vor dem geistigen Auge sieht, wie sie in Dawn of the Dead durch das Einkaufszentrum  Zombies niederschlagend hetzen. Allerdings ist die bekannte Musik auch nur verwirrend, wenn man nicht weiß, dass sie die ein oder andere Szenerie untermalt, ansonsten passt sie nämlich recht gut zum Geschehen.

Im Wesentlichen ist Die Hölle der lebenden Toten ein solider gut durchdachter Zombiefilm, der obendrein noch eine Kritik an der westlichen Welt äußert, der wohl eher aus egoistischen Gründen versucht der dritten Welt zu helfen. Ich gebe zu, dass diese Kritik nicht all zu sehr im Vordergrund steht, aber hin und wieder durch die Szenen im Nato-Gebäude    verdeutlicht werden, wenn der afrikanische Botschafter die westliche Welt anklagt, dass sie sein Volk töten, während diese eher unberührt bleiben und die Diskussion auf den nächsten Tag verschieben wollen, da sie müde sind. Wenn man den Film aufmerksam betrachtet, finden sich allerdings immer wieder Stellen, wo das rücksichtslose Verhalten der westlichen Industriestaaten thematisiert wird, was aber vielleicht dadurch eher nur sehr schwach wahrgenommen wird (wenn überhaupt), da es sich hierbei um einen Film um Zombies handelt.

Die Schauspieler, so empfinde ich es, sind an sich recht in Ordnung, wenn man davon absieht, dass Franco Garofalos (Frank Garfield) Darstellung des etwas unkonventionellen Soldaten Zantaro, der an der Situation jederzeit zerbrechen und den Verstand zu verlieren droht, ziemlich überdreht und übertrieben wirkt – manchmal fast peinlich.  Aber dafür macht diesen Makel die einzige Frau in dem Film, Margit Evelyn Newton, die wir auch schon in dem Kriegs-Actionfilm Jäger der Apokalypse sahen,   wieder durch ihre relativ überzeugende und authentische Darbietung der französischen Journalistin Lia gut. Nicht nur dass sie die Soldaten zum Umdenken versucht zu bewegen sondern auch immer wieder dadurch überrascht, dass sie mehr auf dem Kasten hat, als man vorerst annimmt, was man an eine Szene sieht, als sie sich den Gepflogenheiten und Riten eines Stammes von Eingeborenen annimmt um diese auf die Ankunft der Soldaten vorzubereiten. Mir gefiel diese Szene nicht, weil sie ihre Oberweite entblößte, sondern weil diese Szene auch einen gewissen Respekt vor der fremden Kultur andeutete.

Ein wenig erinnert Die Hölle der lebenden Toten, wenn wir schon bei den Eingeborenen sind, an einen Abenteuerfilm, in dem die uns fremd erscheinenden Totenrituale und auch Lebensgewohnheiten näher gebracht werden, die auf uns sicherlich unheimlich, wenn nicht gar abstoßend wirken. Meiner Ansicht kamen diese Szenen in dem Dorf der angeblichen Primitiven sehr realistisch herüber und wurden auch nicht unterschwellig bewertet. Die Zombies wirken teilweise meiner Ansicht nach auch recht gut dargestellt; was die der Einheimischen angeht… bei denen der Weißen zu Anfang und zum Schluss in der Forschungsanlage erinnern sie jedoch ein bisschen an die Untoten aus Romeros Zombie 2, mit ihrem grünlichen schleimigen Gesichtern^^

Was viele den Dialogen in Die Hölle der lebenden Toten übel nehmen sind Sätze wie: “Vielleicht sind sie betrunken oder leprakrank, die sehen jedenfalls nicht bösartig aus”, aber genau das finde ich entscheidend, denn Zombies sollen ja tote Menschen darstellen und ich habe nirgend gelesen, dass diese fiktiven Gestalten Charakter oder Eigenschaften von bösen Filmgestalten besitzen. Zombies besitzen als untote Leichen keine Emotionen, was sie somit zu zwar seelenlosen aber nicht bewertbaren Wesen macht, da sie weder eine Motivation haben noch Absichten verfolgen, sondern nur einem Instinkt folgen. Gut, sie fressen Menschen, was natürlich nicht schön ist, aber sie sind eher mit Tieren zu vergleichen, die sich einer ethischer und moralischer Wertungen entziehen. Meiner Ansicht nach sind die  deutsch synchronisierten Dialoge gar nicht so übel, sondern unterstreichen eine ohnehin schon befremdliche und bizarre Situation. 

Gut fand ich auch, dass die Splatter-Einlagen in Die Hölle der lebenden Toten nicht Überhand nehmen, sondern nur eingesetzt wurden, wenn es die Situation auch zulässt und somit nicht als Mittel zum Zweck wirkten, sondern viel mehr die alptraumhafte unmenschliche Natur dieser Untoten pointieren, die aber nicht zu vergessen Urinstinkte darstellen und durch den Virus von Wissenschaftlern hervorgerufen wurden. So könnte man sich im Laufe des Filmes fragen, wer eigentlich die wahren Monster sind? Die Opfer des Virus, deren Totenruhe verhindert wird oder diejenigen, die meinten Gott spielen zu müssen und diese Katastrophe erst auslösten!?  Im Grunde genommen könnte man noch einen Schritt weitergehen und fragen, ob der Zweck alle Mittel rechtfertigt. Und dazu ob es der westlichen Welt nicht gar genehm und bequem wäre, sollte sich diese fiktive Situation, dass sich die Hunger- und Armut-leidenden aus der 3. Welt gegenseitig auffressen und somit das für die Industriestaaten lästige Problem von selbst beseitigen!?

Wenn man Die Hölle der lebenden Toten ein wenig tiefgründiger analysiert und hinterfragt, so kann man den Film aus diesen Gesichtspunkten an sich schon nicht als Billig-Schrott mehr ansehen, was er wohl auch nicht wirklich war. Mir scheint Die Hölle der lebenden Toten alles andere als eine Billigproduktion. Es sind einfach zu viele Statisten die in dem Film mitwirken, und auch spielt der Film an so vielen unterschiedlichen Orten, dass ich es kaum glauben mag, dass der Film ein mieses B-Movie sein soll.  Zudem empfand ich Die Hölle der lebenden Toten keineswegs als lustlos ohne Motivationen und Gedanken dahergedreht – im Gegenteil. Ich bezweifel, dass Bruno Mattei vorhatte einfach nur einen plumpen Zombiefilm zudrehen, der auf der Fulci und Romero-Zombiewelle mit schwimmt. Dafür hat er einfach zu viel unterschwellige Kritik inne.

Mir hat der Film gut gefallen und ich möchte ihn Euch ans Herz legen und Euch bitten, ihn mal aus einem anderen Blickwinkel anzuschauen, anstelle ihn einfach nur wie viele andere Zombiefilm zur reinen Unterhaltung ohne groß nachzudenken dahinplätschern zu lassen. Auf VHS gibt es ihn ungeschnitten von Astro und JPV und auf DVD von Laser Paradise in der Red Edition sowie von Retrofilm (nein, nicht von dieser Seite^^, Retrofilm ist in diesem Fall ein Label). 

Wertung: 8,5/10 Punkten