Die Kurzfilme von Pixar aus der Retrozeit (1984 – 1997)

Pixar ist aus der Welt der Animationsfilme nicht mehr wegzudenken. Das Studio, welches jetzt zu dem Walt Disney Konzern gehört, geht auf das Jahr 1979 zurück. Als Teil von George Lucas Effektschmiede INDUSTRIAL LIGHT AND MAGIC (ILM), besser gesagt unter der GRAPHIC GROUP, erstellte diese Gruppe viele computeranimierte Effekte für Filme her. Steve Jobs, der Apple-Gründer, kaufte 1986 die Abteilung Lucas ab und investierte ein paar Millionen Dollar in das Studio, welches jetzt Pixar hieß. John Lasseter stieß bereits 1984 zum Team von Pixar. Zuvor arbeitete er als Animator für Walt Disney (u.a. für CAP UND CAPPER). Pixar konzentrierte sich zunächst auf die Arbeit mit dem Pixar Image Computer für Computer Designs. Zunächst diente dieser Rechner anderen Institutionen wie in der Medizin oder in der Werbeindustrie für Animation. Erst später löste man sich von diesen Gedanken und fokussierte sich auf Animationsfilme. Die hier vorgestellten Filme sind die ersten vom Pixar Studio.

DIE ABENTEUER VON ANDRÉ UND WALLY B. (1984)

Der erste Animationsfilm von Pixar. Hier führte noch nicht John Lasseter Regie sondern Alvy Ray Smith. Hier geht es um das Treffen eines menschenähnlichen Wesens (André) und einer Biene (Wally B.) im Wald. Obwohl der Film in seinen Stil sehr einfach ist und hauptsächlich geometrische Figuren zeigt, so ist er dennoch eine kleine Revolution gewesen. Er zeigt als erster Film komplette computergenerierte Bewegungsabläufe und hier kam das von Bill Reeves entwickelte Partikelsystem zum ersten Mal richtig zum Einsatz. Dieses System ermöglicht die Animation von vielen Effekten gleichzeitig. So z.B. bei Raucheffekten, Feuer oder Explosionen. Der Film als solches ist recht schnell vorbei (knapp 1,5 Minuten) und bietet außer dem Zeigen der Möglichkeiten dieser Zeit nicht viel. Aber der erste revolutionäre Schritt war getan.

DIE KLEINE LAMPE (1986)

In diesen Kurzfilm spielen zwei Schreibtischlampen mit einem Ball. Dieser Film hatte auch wieder viele Neuerungen. Neben den Geräuschen sind die animierten Geräte in diesen Film sehr realistisch dargestellt. Kabel, Lampen, Ball. Alles sieht real aus. Was den Film zudem so interessant macht, ist der Umgang mit Licht und Schatten. Das erste Mal werden hier diese Elemente geschickt eingesetzt und bieten zudem noch nette kindgerechte Unterhaltung. Die kleine Lampe wurde seit diesem Zeitpunkt das Markenlogo von Pixar. Es ist das Regiedebüt von John Lasseter und wurde als erster computeranmierter Film für den Oscar nominiert.

REDS TRAUM (1987)

Dieser Kurzfilm handelt von einen Einrad, welches in einer Ecke eines Fahrradgeschäfts steht und für 50% Rabatt verkauft werden soll. Das Fahrrad erinnert sich an die gute Zeiten im Zirkus. Nachdem es wieder aus seinen Tagtraum aufgewacht ist, stellt es sich traurig zurück in die Ecke. In diesen Animationsfilm gibt es wieder zahlreiche inhaltliche und formale Verbesserungen. Man erlebt zum ersten Mal wirklich Mitleid mit einem nicht menschlichen Objekt. Auch der Regen ist gut animiert. Zudem enthält der Film als erster von Pixar eine Figur basierend auf einen Menschen. Das ist noch nicht wirklich gelungen und der Clown (der sollte dargestellt werden) wirkt eher als eine Art Übung. Auch das der Film eher deprimierend ist und kein Happy End hat ist ungewöhnlich. Aber hier konnte man bereits sehen, wie man mit Hilfe des Computers gut Gefühle ansprechen kann.

TIN TOY (1988)

Hier entsteigt einer Spielzeugverpackung eine Blechfigur, die auf vielen Instrumenten spielt. In das Kinderzimmer krabbelt plötzlich ein Baby und will mit der Figur spielen. Diese hat aber Angst und versteckt sich. Das Baby weint und die Figur erbarmt sich und spielt dem Baby was vor. Dieser Kurzfilm, der den als erster computeranimierter Film den Oscar als Bester animierter Kurzfilm bekam, ist der erste der tatsächlich versucht eine reale Person (hier das Baby) computergeneriert wiederzugeben. Ich muss aber gestehen, dass das Baby grauenvoll aussieht. Da sind selbst die Babys aus Larry Cohens DIE WIEGE-Reihe schöner gestaltet. Der Blechkamerad macht Freude, aber das Baby ist grausig.

KNICK KNACK (1989)

Dieser Kurzfilm ist wohl der Beste aus dieser Reihe. Erzählt wird die Geschichte eines Schneemanns in ein er Schneekugel, der aus dieser raus möchte um mit den „Sommer“-Spielsachen zu feiern. Der Film ist spritzig, witzig, temporeich und bietet eine fantastische Musik (wunderbar von Bobby McFerrin intoniert). Er bietet genau das, was die Pixarfilme ausmachen. Auch hier gibt es wieder Verbesserungen aus technischer Sicht. Aber das besondere an diesen Film finde ich, ist das Erzähltempo nund der Witz der sich hier herauskristallisiert. Sehr gut.

GERI´S GAME (1997)

Ein alter Mann namens Geri spielt in einen Park mit sich selber Schach. Das wars. Dafür gab es 1998 den Oscar als Bester animierter Kurzfilm. Warum weiß ich ehrlich gesagt nicht. Nett gemacht ist er und die Figurenzeichnung ist auch gelungen. Aber kein großer Wurf.

 

Alles in allen sind diese Kurzfilme eine schöne Retro-Sammlung der unperfekten Animationszeit. Aber umso mehr kann und muss man diese lieben. Man spürt direkt die Jungfräulichkeit der Animationskunst. Das macht Spaß. Pixar machte noch viele weitere tolle Filme. Aber hier wollte ich mich nur mal auf die Kurzfilme der Retroära beschränken. Lohnt.