Die letzten Sieben (1955)

Sieben! Genau Sieben Menschen sind das, was von der Menschheit übrig geblieben ist, die sich auf Grund eines Atomkrieges selbst vernichtet hat. Sieben Menschen, die nicht unterschiedlicher hätten sein können und nun auf der Farm von Jim und seiner Tochter Ruby versuchen zu überleben. Sieben Menschen und die Nahrung reicht nicht für alle, jedenfalls nicht für lange. Sieben Menschen, von denen einer auf Grund der Radioaktivität sich langsam in etwas monströses und unmenschliches zu verwandelt. Wie viele werden von den Sieben am Leben bleiben, in einer Welt, in der es sich nicht mehr lohnt zu leben?

 Von allen Weltuntergangsszenarien ist wohl der Film Die letzten Sieben der ungewöhnlichste, den ich persönlich je gesehen habe. Anstelle von spektakulären Spezial Effekten geht es hier auch um die Frage nach Menschlichkeit und dem Umgang mit postraumatischen Stress sowie in gewisser Weise nach dem Sinn des Lebens. Die Letzten Sieben ist ein Film, schon mehr Drama als Science Fiction, das nach dem totalen Vernichtungskrieg durch Atomwaffen spielt, deren Gefahr in den 1950ern durchaus eine reale und allgegenwärtige Bedrohung bei den Amerikanern darstellte und die Roger Corman in seinem Film perfekt und beinahe schon schockierend realistisch, bis auf einige Sachen im Film, wiederspiegelte.

Corman, dem man heute eher mit Gruselfilmen wie Edgar Ellen Poes Der Rabe – Duell der Zauberer von 1963 oder Lebendig begraben von 1962 oder als Produzent von Horror- und Trashfilmen wie Mutant – Das Grauen im All oder Dinocroc vs. Supergator von 2010 in Verbindung bringt, gelang 1955 mit Die letzten Sieben eine düstere Zukunftsvision, die beinahe an eine Studie über das wahre Wesen des Menschen in extremen Krisensituationen erinnert. 

 Natürlich ist eine von Menschen selbst herbei geführte Apokalypse ein wenig mehr als eine Krise, aber ich weiß nicht, wie ich das unbeschreibliche Szenario sonst bezeichnen soll, das wir zum Glück bis heute von so etwas verschont geblieben sind. Aber Corman schafft es dieses Szenario relativ glaubwürdig – jedenfalls zu Anfang – zu präsentieren und beschreibt auf höchst dramatische und auch bedenkliche Weise, was mit dem Menschen, seinem Wesen ans ich passiert, wenn es um das nackte Überleben geht, in einer Situation in der es weder Gesetze noch Regeln gibt, die dafür sorgen, was wir als Human und Zivilisiert bezeichnen. Fallen diese Regeln weg, was bliebe übrig von der Spezies Mensch? Wie lange dauert es bis der Homo Sapiens Sapiens sich wieder zu einem Primaten beziehungsweise in seinem Verhalten zurück entwickelt?

 So gesehen beschreibt Die letzten Sieben diese Rückentwicklung, zwar nur psychisch, aber durchaus realitätsnah beziehungsweise vorstellbar. Was de Mutation eines der letzten Überlebenden angeht… nun ja, wahrscheinlich wollte man den Kinozuschauer nicht zu sehr mit der Realitätsnähe ängstigen und entmutigen, denn schließlich will man im Kino nicht unbedingt die ungeschminkte Wahrheit sehen und so beschloss man, das der Mensch an sich doch irgendwie als Held anzusehen ist und die Bestie, ein Mutant, dass nicht mehr menschlich ist, weit unter dem Menschen steht – sowie weitere verstrahlte Mutanten, so das man als Zuschauer sich nicht ganz entblößt vorkommt.

 Das Kostüm des Mutanten, na ja, es ist ziemlich billig und völlig unrealistisch, wurde absichtlich abstrus von Paul Blaisdell entworfen (und sogar getragen), der auch in Filmen wie Gesandter des Grauens und den nie in Deutschland erschienenen, aber bekannten Invasion of the Saucher men für die Spezial Effekte verantwortlich war. Man wollte wohl offensichtlich auf Grund der Tragik und der derzeitigen realen Situation im kalten Krieg dem Zuschauer zeigen, dass es sich bei Die letzten Sieben immer noch um einen Film handelte, und nicht um eine haargenaue Zukunftsprognose. 

 Dass der Film nur 96,000 US-Dollar kostete, ist meiner Ansicht als jemand, der den Film nur im TV gesehen hatte, nicht der Grund, dass das Monster eher trashig und albern wirkt, sondern ich vermute dahinter schon eine feste Absicht, um die Zuschauer nicht zu sehr zu ängstigen, die derzeit mit der realen Bedrohung ohnehin schon genug Sorgen hatten.

Aber abgesehen von den Mutanten, wirkt der Film sehr beängstigend und glaubwürdig und verdeutlicht auch, dass der Mensch sein Schicksal selbst in der Hand hat und auch dafür sogen kann, dass die Welt nicht vor die Hunde gehen muss.         

 Und gerade in der heutigen Zeit, wo Terrorismus und ein erneuter Koreakrieg, wie damals in den Anfängen der 1950er, droht oder sagen wir mal lieber nicht völlig ausgeschlossen ist, bekommt der Film Die letzten Sieben wieder eine traurige Aktualität. Denn nur weil wir inziwschen Flachbildfernsehapparate, Handys, iPads etc. entwickelt haben, scheint der Mensch an sich immer noch nicht trauriger Weise gelernt zu haben miteinander auf diesem einzigartigen verwundbaren Planeten aus zu kommen und Konflikte so zu lösen, wie es für sich selbst als zivilisiert sehende Spezies gehört – nämlich friedlich. 

 Zum Glück gibt es diesen teilweise sehr verstörenden Schwarzweiß-Klassiker nicht nur von Anolis in der Galerie des Grauens-Edition, sondern unter seinem Originaltitel: Day The World Ended auch von Icestorm, allerdings nur mit deutschen Untertiteln in englischer Sprache.

Wertung: 7,5/10 Punkten