Die Nacht der reitenden Leichen (1971)

In einer abgelegenen ländlichen Gegend in Portugal bekommen drei Touristen Streit miteinander, was zur Folge hat, dass eine von ihnen, die junge Virginia sich von ihren zwei Reisebegleitern trennt. Auf der Suche nach einen nächtlichen Ruheplatz schlägt sie ihr Lager in einer herunter gekommenen Ruine auf. Den Gerüchten der Landbevölkerung zur Folge trieb damals dort ein Templerorden sein Unwesen, der Jungfrauen opferte und von der Kirche wegen Ketzerei grausam bestraft wurde. Doch nur weil das Geschehen 100 Jahre zurück liegen soll, heißt das nicht, dass die einst Rache schwörenden Templer nicht auferstehen können. und genau das tun sie auch und Virginia ist ihr nächstes Opfer. Als deren Reisebegleiter sie am nächsten Morgen tot auffinden, stellen sie Nachforschungen an und geraten in einen wahren Alptraum …

Die Reitenden Leichen sind wohl mitunter einer der Filme, die ein Horrorfilm-Fan als erstes nennt, wenn man ihn bitten würde Horrorfilme aus den Anfängen der 1970er Jahre aufzuzählen. Und obwohl man diese Filme, von denen Die Nacht der reitenden Leichen der erste Teil von Vier darstellt nicht wirklich in eine Unterkategorie des Horrorfilmes einordnen kann, sind sie nämlich nicht wirklich Zombiefilme oder normale Horrorfilme, so gehören sie unweigerlich zu den bekanntesten ihrer Art. Regisseur Armando de Ossario, der zudem auch die drei weiteren reitenden Leichen-Filme machte und den eher in einschlägigen Kreisen bekannte Film Der Exorzist und die Kindhexe, schuf mit Die Nacht der reitenden Leichen einen untypischen Horrorfilm über untote Templer, die sich bis heute internationaler Beliebtheit erfreuen und trotz ihrem eigentlich recht geringen Blutgehalt und einer Story, die ebenso vorhersehbar wie auch gewöhnlich für einen Horrorfilm erscheint Kultstatus besitzt.  

 Was den Film aber ausmacht ist seine düstere Atmosphäre, die den Zuschauer in ihren Bann zieht und obwohl die Masken der untoten Templer aus heutiger Sicht eher ziemlich unecht wirken, so haben sie dennoch ihren Flair. Auffallend für die Schreckgestalten in den grauen staubigen Kutten ist, dass sie sich trotz ihrer langsamen schwerfällig wirkenden Bewegungen auf gruseligen Pferden halten können, auf denen sie ihre Opfer jagen. Das die Untoten auf Pferden reiten, mag auf dem ersten Blick sehr ungewöhnlich wirken, doch wenn sie so durch die Nacht traben, ihre leeren Augenhöhlen nach ihren Opfern suchen, so besitzen gerade die Szenen eine surreale und schaurige Atmo, die einem noch heute eine Gänsehaut erzeugen kann und wohl auch zu denen gehört, die unter anderem auch Die Nacht der reitenden Leichen so einzigartig macht.

 Dass die Nacht der reitenden Leichen kein Film aus den Hollywood-Studios ist, sondern ein europäischen Horrorfilm – und nicht aus England – sondern aus dem südländischen Raum (Spanien und Portugal) macht Die Reitenden Leichen-Filme ebenfalls zu etwas besonderen, vor allem wenn man glaubt, dass nur Briten und US-Amerikaner oder vielleicht auch noch die Italiener fähig sind gute und spannende Horrorfilme zu drehen. Die Nacht der Reitenden Leichen beweist eindeutig das Gegenteil. Zudem finde ich es persönlich auch sehr zum Vorteil in Die Nacht der Reitenden Leichen, dass es hier Schauspieler gibt, die mir jedenfalls gänzlich unbekannt sind und sie somit auch eine gewisse Authentizität besitzen. In vielen Filmen ist es durchaus in Ordnung wenn einem ein bekanntes Gesicht entgegen schaut, aber oft weiß man eben dann auch, dass der bekannte Schauspieler auf jeden Fall gegen das Böse, egal in welcher Form gewinnt, was natürlich auch oft die Spannung mindern kann.

 Die Nacht der reitenden Leichen ist mit Sicherheit kein Film die immense Unsummen verschlungen haben, was aber diesem Film keinen Abbruch tut und vielleicht sogar seinen unvergleichlichen Charme ausmacht, da der Film von seiner wirklich grusligen Stimmung lebt und eine unglaublich tolle Bildersprache besitzt. Selbst der deutsch-französische Kultursender ARTE erkannte, dass diese Filme mehr sind als plumpe und naive Horrorfilme und strahlte zumindest die ersten beiden in einer Trash-Themen-Reihe aus, auch wenn hier man Trash nicht unbedingt negativ bewerten sollte. Wie ich schon anmerkte, sind die Masken aus heutiger Sicht etwas starr und unbeweglich, aber eigentlich handelt es sich ja bei den Reitenden Leichen auch mehr um mumifizierte Knochenmänner und ich finde das wurde auch so recht gut optisch wiedergegeben.  Es ist einfach das Flair und die tollen Kameraeinstellungen und  vor allem die unheilvolle Musik, die von Anton Garcia Abril stammt, die einen wesentlichen Anteil daran haben, dass die Filme um die reitenden Leichen so kultig sind.

Hier geht es nicht alleine darum, dass Untote ahnungslose Leute terrorisieren und morden, viel mehr bestechen diese Filme durch ihre Düsterheit und ihre alptraumhafte Stimmung und das ganze Drumherum, was in den heutigen Filmen einfach fehlt, da sie sich meistens nur noch darauf konzentrieren so abscheulich und gleichzeitig realistisch in ihren Gewaltdarstellungen zu wirken. Die Nacht der Reitenden Leichen ist dagegen eher von harmloserer Natur, aber kann sich mit Recht eben als Gruselschocker bezeichnen, auch wenn heute diese “Schock-Effekte” auf viele abgebrühtere Gemüter vielleicht nur noch amüsant wirken. 

 Wie ich ebenfalls schon anmerkte sind Die reitenden Leichen nicht so einfach in eine Schublade einzuordnen. Obwohl es sich um Untote handelt, sind es nicht die Zombies, wie wir sie aus Romeros Dawn- oder Day of the Dead kennen, die Menschen fressen, sondern eher um ruhelose Seelen, die nach Rache anstatt nach Blut dürsten. Aber ich finde die Idee der Reitenden Leichen durchaus mal als erfischende Alternative zu den “normalen” beziehungsweise herkömmlichen Zombies – vor allem zu den heutigen^^

 Wie ich ebenfalls schon schrieb gehört Die Nacht der reitenden Leichen zu dem ersten Teil einer vierteiligen Spielfilm-Reihe, die in ungeschnittener Fassung komischer Weise immer noch in Deutschland ab 18 freigegeben sind, obwohl es heute wesentlich blutiger und brutalere Film gibt, die ab 16 erhältlich sind. Dennoch lohnen sich die Filme um die Reitenden Leichen, aber sind wohl doch eher etwas für Nostalgiker, denen Charme und Atmosphäre wichtiger sind als blankes Gemetzel.

 

Wertung: 9/10 Punkten