Die Nacht der rollenden Köpfe (1973)

Italien/Spanien 1973
mit Robert Hoffmann, Nieves Navarro, Simón Andreu
Drehbuch: George Martin, Alfonso Balcázar, Arpad DeRiso, Maurizio Pradeaux
Regie: Maurizio Pradeaux
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Die Schwedin Katja, die auf einer Aussichtsplattform auf ihren italienischen Verlobten Alberto wartet, wird durch ein Münzfernglas zufällig Augenzeugin eines kaltblütigen Mordes an einer zunächst unbekannten Tänzerin, was ihr jedoch niemand glauben will. Unglücklicherweise gelingt es Katja nicht den Mörder zu erkennen, sie nimmt ihn nur schemenhaft wahr; ähnliches gilt für den Tatort, den sie nur anhand einer markanten Außentreppe und der Hausnummer 57 wiederfinden kann. Nachdem ihr die Polizei zuerst wenig glauben schenkt, macht sich Katja, gemeinsam mit Alberto, selbst an die Ermittlungen. Schnell gerät das Paar in das Visier des unbekannten Mörders.

„Die Nacht der rollenden Köpfe…Ein BÖSER Film!“ So wunderbar reißerisch war anno 1973 die Kinowerbung zum neusten Giallo aus dem schönen Italien. Auch wenn Maurizio Pradeaux‘ B-Thriller seine Tagline nicht ganz einlöst, bekommt der Genre-Fan hier einen unterhaltsamen, jedoch etwas zu vorhersehbaren Krimi geboten, der mit den großen Ikonen leider nicht mithalten kann.

„Die Nacht der rollenden Köpfe“, ein wunderbarer Titel, obwohl auch ziemlich fehlerhaft, da im gesamten Film kein einziger Kopf „rollt“. Aber egal, Filmliebhaber und Exploitation-Fans, wie ich einer bin, springen bei so einem Satz schon vor Freude auf. Der 1973 erschienene Film gehört eher zu den unbekannteren Werken des Genres und ich hab mir ihn einzig und allein wegen des Titels zugelegt. Die Geschichte folgt den wesentlichen Versatzstücken des Giallo-Schemas, denn auch hier geraten Zivilisten in eine Mord-Serie, welche sie später auf eigene Faust zu lösen versuchen, da die hiesige Polizei wenig erfolgreich bei der Aufklärung jener Verbrechen ist. Da hätten sich die Drehbuchautoren etwas mehr Gedanken machen können, wirkt das Ganze doch etwas abgedroschen und vorhersehbar. Lediglich die Idee eines hinkenden Mörders wirkt interessant, nur ist dies für die Handlung eher unwichtig, jedoch ist diese relativ interessant und stringent umgesetzt. Man bekommt hier relativ wenige Längen geboten, was den Krimi lebhaft gestaltet, jedoch geht ihm die, im Genre häufig vorzufindende, künstlerische Kreativität verloren. Pradeaux findet wenig interessante Bilder und konzentriert sich lediglich auf ein paar Schockeffekte in den Mord-Sequenzen, und da komme ich schon zum ersten Manko. Diese Szenen beginnen spannend und sind gut in Szene gesetzt. Der Mörder geht, dem Anschein nach, relativ brutal vor, jedoch sieht man davon recht wenig im Film. Man bemüht sich sehr eine gruselige Atmosphäre aufzubauen aber dem Streifen fehlt die nötige Brutalität, um den „Horror“ zu entfesseln. Ich behaupte nicht, dass ein Werk dermaßen brutal und blutrünstig sein muss, jedoch machen graphische Spielereien das Geschehen intensiver. Ein Dario Argento zum Beispiel, kreiert Spannung und entlädt sie in Grausamkeiten. Diese Methode geht „Die Nacht der rollenden Köpfe“ vollends ab, weswegen man auch nie ganz mitfiebern kann, da Maurizio Pradeaux die Szenen eher platt runterkurbelt, anstatt sich ausführlich Gedanken über Bildkomposition und Timing zu machen. Hätte der Gute sich vorher mal genau „The Bird with the Crystal Plumage“ angesehen, hätte er es besser gewusst. Das Ganze wirkt solide aber so richtig gut wird es halt nicht.

Trotz allem hat der Film seine Momente. Gerade das Finale in der Tanzschule ist, obwohl etwas unübersichtlich, recht spannend und gut umgesetzt. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Eigentlich haben alle Spannungssequenzen ihre Momente, jedoch fehlt immer noch das gewisse Etwas. Zudem geizt der Film nicht mit Sleaze. Wir bekommen viele nackte Brüste in die Kamera gehalten und die verwaschene Optik des Streifens unterstreicht den Exploitation-Faktor zusätzlich. Besonders schade ist, dass die Schauspieler sehr blass bleiben und einem keine Figur etwas gibt. Robert Hoffmann als Protagonist sieht aus wie ein schmieriger Gigolo aber sympathisch ist er nicht. Ohne Ausdruck rattert er seine Zeilen herunter und dem Zuschauer ist er relativ egal. Seine Kollegin Nieves Navarro, die hier unter dem Namen Susan Scott auftritt, ist lediglich das hübsche Beiwerk. Auch sie besitzt wenig Ausstrahlung, so wie auch der Kommissar, der von George Martin gespielt wird. Dem ganzen Film fehlt ein ausdruckstarker Darsteller, der Interesse weckt und den Zuschauer irgendwie mitnimmt, somit lässt einen das Schicksal der Figuren eher kalt, was sehr schade ist, da die Geschichte genug Potenzial für einen spannenden Giallo bietet, der Film aber dieses Potenzial nicht ausschöpft. Das Ende ist ebenfalls sehr vorhersehbar. Genre-Kenner dürften recht schnell ahnen, wer der ominöse Killer sein könnte. Die Auflösung dürfte viele bestätigen, doch die ist hochgradig doof und an den Haaren herbeigezogen. Wenn ich schon solche Sperenzien mit hinkenden Serien-Killern anfangen muss, dann muss ich mir auch schon was Adäquates für den Schluss ausdenken, denn in diesem Fall, wirkt das wie aus der Not schnell noch ins Drehbuch geschrieben. Aus diesen Gründen bleibt dieser Giallo-Beitrag höchstens Mittelmaß, trotz guter Momente. Vieles ist dann einfach doch zu dröge und uninspiriert, als das es mich vom Sessel zieht.

„Die Nacht der rollenden Köpfe“ ist ein mittelmäßiger Schlitzer-Film italienischer Art. Die Story lässt sich gut an und der Film hat einige gute Momente zu bieten, jedoch schöpft Maurizio Pradeaux das Potenzial einfach nicht aus. Obwohl ihm Spannung gelingt, fehlt einfach der nötige Pfiff im Konstrukt um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Die blassen Darsteller tun ihr übriges und machen den Streifen nur noch farbloser, als ob es die verwaschene Optik der „X-Rated“ DVD nicht schon genug tun würde. Alles in Allem ein solider B-Krimi, den man nicht unbedingt gesehen haben muss und bei dem man sich nicht vom Titel verführen lassen sollte.

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