Italien/Spanien 1981
mit Robert Kerman, Giovanni Lombardo Radice, Lorraine de Selle…
Drehbuch & Regie: Umberto Lenzi
Länge: 93 Minuten
FSK: Bundesweit beschlagnahmt

Die amerikanische Anthropologiestudentin Dina bereist mit ihrem Bruder Gary und der gemeinsamen Freundin Pat das kolumbianische Amazonasgebiet, um für ihre Dissertation den Beweis zu erbringen, dass Kannibalismus nichts anderes ist als das Hirngespinst der weißen Bevölkerung. Die Eroberer nutzen, ihrer These nach, die dokumentierten Fälle von Menschenfresserei als Vorwand, um Gräueltaten und Massaker an den Eingeborenen zu rechtfertigen. Im Dschungel treffen sie auf zwei „Schatzsucher“, Mike und Joe, die ihnen von den Gräultaten der Eingeborenen berichten, die Jagd auf die beiden machen. Dass die beiden das ganze erst ins Rollen gebracht haben, verschweigen sie und so gerät die Gruppe in einen Strudel furchtbarer Grausamkeit…

Es existieren diverse Arten von Filmen, oder auch Genres, die, schon jeher eifrig diskutiert wurden, gerade wenn es um die Darstellung von Gewalt ging. Unsere südländischen Freunde aus Italien waren schon immer für recht drastische Darstellungen bekannt, egal ob es Gialli oder Zombiefilme waren. Auch durfte Sex nicht fehlen, weshalb viele Genre-Filme aus den 70ern und 80ern heute noch auf dem Index stehen, beziehungsweise beschlagnahmt sind. Eines von diesen verpönten Genres, ist sicherlich der italienische Kannibalenfilm der 80er Jahre, in denen Gore und Tiertötungen zu den Standardzutaten gehören. Eines dieser berüchtigten Werke ist Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen“, der angeblich in 31 Ländern verboten ist und als einer der „härtesten Filme aller Zeiten“ gilt.

Cannibalsploitation ist so eine Sache für sich. Entweder besitzt man eine Affinität zu diesen Filmen oder man überhaupt nichts damit anfangen. Ich würde mich eher zu letzterer Kategorie zählen, denn auch ich stehe diesem Genre nicht besonders positiv gegenüber, obwohl ich nicht viele Kannibalenfilme in meinem Leben gesehen habe. Lediglich Joe D’Amatos „Nackt unter Kannibalen“ und Lenzis zweites Werk auf diesem Sektor, „Lebendig gefressen“, sind mir geläufig. Durch diese, hatte ich auch nie die Ambitionen, mich mehr mit dieser Gattung des Exploitationfilms auseinander zu setzen. Kannibalenfilme bedienen sich lediglich Elementen des Mondo-Films, realistische und lebensnahe Darstellungen diverser Kulturen und Lebensformen. Diesen dokumentarischen Aspekt motzte man dann mit viel Sex und Gewalt auf, um in einer exotischen Location ordentlichen Horror zu produzieren. Bei solchen Streifen geht es nicht um das Zeigen einer exotischen Kultur, Eingeborene, sondern um den spekulativen Einsatz von reißerischen Elementen des Genre-Kinos, weil es will ja keiner eine Dokumentation sehen. Dieser Umstand bringt mich gleich zu „Die Rache der Kannibalen“, welcher ein, höchstens mittelmäßiger Film ist, der sich ganz ungeniert dieser Elemente bedient. Die Handlung ist eigentlich scheissegal. Eine Gruppe von Menschen landet, durch diverse Umstände bei Eingeborenen und wird von ihnen massakriert, gefoltert, getötet und natürlich in letzter Instanz gefressen. Soweit so gut. Waschechte Gorehounds können hieran recht viel Freude haben, ich eher weniger. Ich erwarte bei einem Italo-Exploiter wahrlich keine ausgeklügelte Story, jedoch etwas Dramaturgie, die mich bei der Stange hält. Zwar versucht hier Lenzi mit den Figuren etwas zu machen und sie in das Geschehen durch unterschiedliche Motivationen interessant zu machen, jedoch sind sie alle recht unsympathisch. Ich hatte einfach keinen Bock auf die Arschgeigen. Auch fehlt hier der trashige Charme, der viele B-Movies, dieser Zeit, veredelte. „Die Rache der Kannibalen“ ist ein recht unzugänglicher Film für mich, was auch an diesem Mondo-Style liegen mag. So ganz genau erklären kann ich das auch nicht.

Was ich dem Film zu Gute halten muss, ist die Inszenierung. Umberto Lenzi ist, oder war, ein Garant für schlagkräftige Unterhaltung und war in allen Genres tätig, die das italienische Kino auszeichneten. Gialli, Euro-Crime, Zombies oder Action, Lenzi hat sie alle bedient. Und auch hier zeigt er mit stimmigen Bildern sein Können. Die exotische Landschaft am Amazonas ist gut eingefangen und auch die Sequenzen mit den Eingeborenen sind gut inszeniert. Lenzi ist nun mal ein guter Handwerker, der weiss, wie er was in Szene setzten muss. Auch Goretechnisch bekommt man einiges geboten. Eingeweide, verspeiste Herzen, abgehackte Genitalien und Brüste und so weiter. Das ist auch alles adäquat umgesetzt, was mich aber stört sind die Tier-Snuff Szenen. Die waren damals stark in der Kritik, denn Tiere grausam töten und das für ein paar spekulative Bilder, war nicht gerade hoch angesehen. Deshalb hinterlässt das blutige Treiben bei mir einen üblen Nachgeschmack, denn wenn ich daran denke, dass da wirklich ein Schwein vor laufender Kamera ausgeweidet wird, egal ob schon tot oder nicht, ist das für mich nicht unbedingt Unterhaltung. Ansonsten hat der Streifen auch seine Längen, gerade die Szenen in New York sind total fehlplatziert. Warum so ausgiebig ermittelt wird, und man sogar bis nach Südamerika reißt, nur um einen Drogendealer zu verhaften, kann ich nicht erklären. Diese Szenen wirken deplatziert, reißen einen aus dem Geschehen und tragen nichts zur Handlung bei. Auch die Darsteller sind nicht aussagekräftig und spielen, sagen wir mal routiniert und ihrem Können angemessen. Der Cast setzt sich aus unbekannten Darstellern zusammen, von denen ich niemand kannte. Der einzige über den ich mehr gelesen habe, ist Robert Kerman und der ist hauptsächlich für Pornos bekannt, was auch sonst. Die Musik ist ähnlich strange. Hier wechselt sich scary Synthesizer Gedudel mit Disco-Sound ab, was eher nicht so zusammen passt. Ich kann verstehen, dass viele diesen Film, oder auch das ganze Genre kritisch sehen. Ja, „Die Rache der Kannibalen“ ist deftig, aber anscheinend nicht so deftig, wie Ruggero Deodatos „Meisterwerk“ „Cannibal Holocaust“, an den ich mich noch nicht heran getraut habe, der auch weit mehr öffentliche Unruhen auslöste. Ob ich mir den noch ansehe, weiß ich nicht, ich werde mir das nochmal gut überlegen.

Umberto Lenzis Schlachtplatte „Die Rache der Kannibalen“, ist ein unangenehmer Film. Mir gibt die Mondo-Atmosphäre nicht viel, die Darsteller waren auch nichts Besonderes und am Gore konnte ich mich auch nicht ergötzen. Der ist zwar deftig aber auch moralisch, in Bezug auf Tiere, eher fragwürdig. Trotz netter Bilder und sauberem Handwerk, bleibt der Streifen ein spekulativer, reißerischer und auch etwas abstoßender Exploitation-Film, der wirklich nur die ganz niederen Instinkte bedient. Da schaue ich mir lieber andere Lenzi-Filme an!