Die Tigerin von Hongkong (1976)

Die Karatebrigade Schwarze Panther sind die Mordknechte des Bösen. Und sie verbreiten den Drogentod. Als Lilly Lie ihre Schwester durch eine Überdosis verliert, nimmt sie das Gesetz in die eigene Hand. Als harmlose Krankenschwester erweckt sie keinen Verdacht, doch immer neue Leichen säumen ihren furchtbaren Racheweg. Doch ihre Enttarnung kommt zu früh…

 

In den 70er Jahren kam die Blaxploitation Welle auf den Vormarsch. Filme wie “Coffy – Die Raubkatze” oder “Foxy Brown” mit Pam Grier revolutionierten den Filmmarkt. So ist es auch nicht verwunderlich wenn eine Idee die bei den Zuschauern ankommt, woanders auf der Welt kopiert und imitiert wird. Die Italiener waren darin die Meister und drehten einen Film nach den anderen, zumeist an Anlehnung von Erfolgen aus den weiten der USA. Doch was ist wenn ein Film aus Hongkong stammt? So in dem Fall mit DIE TIGERIN VON HONGKONG aus dem Jahr 1976. Noch mehr verwunderlich ist der Aspekt welches Filmstudio den Streifen abgedreht hat – nämlich die Shaw Brothers. Verantwortlicher Regisseur des Films war Sun Chung, der uns auch schon “Der Schrei des Gelben Adlers” und “Der Todestempel der Shaolin” bescherte. 

DIE TIGERIN VON HONGKONG orientiert sich sehr deutlich am amerikanischen Vorbild. Die volle Dröhnung der 70er Jahre werden einem hier um die Ohren und Augen gehauen. Musik, Klamotten, Lebensstil und das Thema Drogen in den Gesellschaftsschichten, lediglich der Handlungsort wurde verlegt und die Optik der jungen Frau die zur Killerin mutiert wurde verändert und den Örtlichkeiten angepasst. Schon im Vorspann bekommt man nach Einblendung des Logos der Shaw Brothers funkige 70er Jahre Musik auf die Ohren. In der Rolle der Lilly Lie schlüpfte die attraktive Schauspielerin Chen Ping. Sie kennt man aus zahlreichen anderen Filmen, sei es in “Der Koloss von Konga” als Lucy oder auch “Das Todesduell der Tigerkralle” aus dem Jahr 1977, und vielen weiteren. Die meisten ihrer Filme sind hierzulande noch nicht erschienen. Chen Ping nimmt es hier auch gerne mal Oben Ohne mit den Widersachern auf, auch eine Anlehnung an das amerikanische Vorbild. Denn auch Pam Grier präsentierte des öfteren das was Gott ihr gab. 

Die Story von DIE TIGERIN VON HONGKONG ist recht simpel und einfach gestrickt. Ein Familienmitglied wird Opfer eines Verbrechens und mit Drogen vollgepumpt aufgelesen. Der Örtlichen Polizei sind die Hände gebunden, sie kommen nur erschwert an die Verbrecher heran, da es sich zumeist um das organisierte Verbrechen und um ein Syndikat handelt. Aus diesem Grund beschließt unsere Heldin es auf eigene Faust zu versuchen um die Verbrecher zur Strecke zu bringen und ihnen ihre verdiente Strafe auszuhändigen. Somit wird uns hier ein typischer Rache-Streifen gegeben.

Doch anstatt den Widersachern es auf unterschiedliche Art und Weise zu geben, beschränken sich die Taten unserer Heldin auf eine Waffe und niederschiessen. Zwar kommt DIE TIGERIN VON HONGKONG von den Shaw Brothers, die bekannt für ihre Eastern sind, doch wurde hier auf handkanten Schläge und wilde Raufereien fast gänzlich verzichtet. Hin und wieder werden ein paar Gestalten durchs Bild getreten oder bekommen auch mal einen Schlag mit der Kante ins Gesicht oder Körper, aber die Schusswaffe die alles schneller und präziser erledigt ist hier die bessere Wahl.

Das Erzähltempo streckt sich oft über lange Passagen aus, wo man Dialoge und Einblicke in das Leben unserer Heldin und des Drogenbosses bekommt. Somit tauchen ein paar Längen im Plot auf, die lediglich durch optisch gut gewählte bewegte Bilder verkürzt werden. In der Rolle des Drogenbosses ist Si Wai geschlüpft, Kenner von Eastern Filmen, dürften ihn noch aus “Das Blut der Roten Python” kennen. Seine Darstellung eines Bosses eines Kartells ist sehr authentisch und wirkt bedrohlich real, auch wenn er nach außen ein geglättetes optisches Bild liefert. Zudem zeigt er uns das hinter dem Äußeren Schein auch ein Widerling stecken kann, der gerne in seiner Freizeit in seiner Villa jungen Frauen an die Wäsche geht und ihnen auch mal etwas brutaler den Hintern versohlt. Im weiteren Verlauf des Films bekommt der Zuschauer zahlreiche erotisch angehauchte Szenen gezeigt, viel nackte Haut, knappe Outfits der Damen im Film und ein paar Soft-Sex-Szenen.

DIE TIGERIN VON HONGKONG ist ein typischer Rache-Streifen, der sich an den amerikanischen Vorbildern orientiert und dem Zuschauer ein anderes Bild von HongKong zeigt. In Deutschland ist der Film VHS erschienen, jedoch nur in der geschnittenen Fassung. Die DVD Version die auf Börsen und im Netz kusiert, ist ein Bootleg, aber komplett ungeschnitten und mit einem mäßigen Bildqualität ausgestattet. Mal sehen ob es dieser Streifen mal würdig auf DVD und Blu-ray in den Handel schafft – oder ob die Shaw Brothers ihn lieber in der Schublade lassen.