Die unglaubliche Geschichte des Mr. C (1957)

Für Scott Carey beginnt ein grauenhafter Alptraum, als er von einer Bootsfahrt heim kehrt. Er merkt schon bald, das irgendetwas nicht stimmt, denn aus irgendeinem Grund  passen ihm seine Sachen nicht mehr und auch seine Umwelt scheint nicht mehr das zu sein, wie er es gewohnt war. Alles um ihn herum wirkt plötzlich fremd und unvertraut. Entsetzt stellt er fest, dass er kleiner geworden ist. Noch schlimmer ist aber. dass er unaufhörlich weiter schrumpft. Nichts ist mehr wie es war, sein Selbstvertrauen leidet stark darunter, auch weil er nun auf die Hilfe seiner Frau angewiesen ist und schon bald wird selbst seine Hauskatze zur Bedrohung…. und er wird immer kleiner und kleiner….

Für wen wäre es kein Alptraum eines Tages aufzuwachen und zu merken, dass man schrumpft und alles was früher einem banal und selbstverständlich erschien zu tun, mit der Zeit zu einer unüberwindbaren Herausforderung wird bis selbst das Getier aus dem Garten für einen zur Lebensgefahr wird und man nichts gegen diesen Prozess des Schrumpfen tun kann. Wie hilflos muss man sich vorkommen?

 Dieser Frage ging 1957 Jack Arnold nach, der nur zwei Jahre zuvor eine Spinne in Tarantula ins unermessliche wachsen ließ. Die unglaubliche Geschichte des Mr. C , die auf der Buchvorlage “The Shrinking Man” von Richard Matheson (Tanz der Totenköpfe) basiert, dreht den Spieß um, und lässt einen ansonsten selbstbewussten mit beiden Beinen im Leben stehenden Mann auf die Größe einer Puppe und darüber hinaus kleiner werden und stellt eine ansonsten völlig normale Welt für diesen auf den Kopf. Was sich vielleicht ein wenig nach völligem Unsinn anhört, entpuppt sich als grandiose Geschichte eines Meisterregisseurs, dem Ende der 1950er Jahre es gelingt ganz besonders den männlichen Zuschauern das Fürchten zu lehren. 

 Denn Die unglaubliche Geschichte des Mr. C ist nicht einfach nur eine irrwitzige Science Fiction-Geschichte, sondern wenn man genauer hinsieht auch psychologisch durchdacht und gerade in den 1950ern, in der die Auswirkungen der Radioaktivität oder auch gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung der Frau noch relativ unbekannt waren, schockte der Film um so mehr. Denn nicht allein das unaufhaltsame Schrumpfen des männlichen Charakters Scott Carey, der toll von Grant Williams gespielt wird, der auch in Monolith Monsters aka Das Geheinnis des steinernen Monsters.mitwirkte, ist hier alleine das Schreckenszenario, sondern auch wie die eigene Umwelt damit umgeht und wahrgenommen wird.

 Als normaler kerngesunder Mann wurde Carey von allen respektiert, auch von seiner Ehefrau Louise, die von Randy Stuart zum Besten gegeben wird, die aus dem Western TV-Serien-Genre stammt, Doch als er immer kleiner und somit auch hilfsbedürftiger wird, nimmt ihn Louise nicht mehr ernst und nutzt ihre Position als stärkere und vor allem größere Person dem immer kleiner werdenden Mann gegenüber aus, auch um gegen ihn zu rebellieren und ihm zu zeigen, dass sie nun die Fäden in der Hand sowie das Sagen nun in der Beziehung hat – sowie nur noch der Befriedigung von Neugier und Sensationslust seiner Mitmenschen wegen auf ein Objekt reduziert zu gelten  In den 1950ern für den selbstbewussten Mann eine grauenhafte Vorstellung von dem angeblich so schwachen Geschlecht erstens abhängig und zweitens nicht für einen Mann mehr gehalten und respektiert zu werden. 

 Dazu kommt noch die Demütigung las Däumling in einem Puppenhaus zu leben und sich selbst vor der Hauskatze, die nun das einstige Herrchen als Appetithappen für zwischendurch ansieht, zu Tode zu fürchten und sich der Ungewissheit zu stellen, wie klein man noch werden würde, ob man irgendwann ganz verschwunden ist. Wenn man alleine schon nur den psychologischen Aspekt in Die unglaubliche Geschichte des Mr. C betrachtet, ist dieser Film schon grausig genug.

Das aber noch Ungeziefer wie Spinnen einem dann zusetzen, da sie entweder genauso groß oder größer erscheinen ist auch keine angenehme Vorstellung, denn wie wir wissen, sehen Insekten unter dem Mikroskop auch nicht gerade niedlich aus. natürlich musste man sich in den 1950ern schon etwas einfallen lassen, um solche Szenen relativ glaubwürdig und realistisch darzustellen, denn Computereffekte gab es noch nicht und da das Budget des Filmes gerade 750,000 US-Dollar betrug, entschied sich Jack Arnold wie bei einigen Szenen in Tarantula mit der Technik der  Rückprojektion zu begnügen, während andere mit überdimensionalen Modellen gedreht wurden.

 Beim Publikum und Kritikern kam Die unglaubliche Geschichte des Mr. C gleichermaßen gut an, erntete Lob für die ausgezeichneten Spezial Effekte und der außergewöhnlichen Geschichte an sich und Jack Arnold gewann einen Hugo Award für seine Regiearbeit. Bis heute gilt Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. als Arnold bedeutsamster Film, der auch 2009 in das National Film Registry aufgenommen wurde, das als besonders wertvoll geltende Filme, zu denen unter anderen auch Ben Hur, Casablanca, Planet der Affen und Star Wars gehören, für zukünftige Generationen und darüber hinaus aufbewahrt  Ein größeres Lob kann es nicht geben, denke ich mal,   

 In Deutschland wurde Die unglaubliche Geschichte des Mr. C 2012 erneut in der Universal DVD-Collection Jahr100Film erneut veröffentlicht und stellt auch heute noch einen großen unterhaltsamen aber auch immer wieder aufs neue schockierenden Filmgenuss dar.

Wertung: 10/10 Punkten

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