Die Verurteilten (1994)

Inhalt:

Andy Dufresne (Tim Robbins) wird aufgrund von Indizien des Mordes angeklagt und bekommt zweimal lebenslange Haft. Im Gefängnis macht er Bekanntschaft mit „Red“ (Morgan Freeman) und anderen Insassen. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Andy und „Red“. Aber der Traum von der Freiheit ist stärker.

Filmisches Feedback:

Zu Recht hochgelobt!

Es gibt nicht allzu viel Filme, die mich maßgeblich geprägt haben, bzw. so sehr fasziniert haben bei erscheinen, dass ich selbst heute nicht mehr von ihnen loslassen kann. Auch wenn ich  im Prinzip alles gucke, so gibt es nur eine kleine Anzahl von Filmen, die ich ungefragt auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Dieser ist einer davon. 

1994 erschienen ist dieser Film eine Zusammenfassung vieler genrespezifischer Filme. Er verbindet Gefängnisfilme mit freiheitsliebenden Filmen (diese Combo lässt sich anscheinend nicht trennen), er mischt Drama mit hintergründiger, lakonischer Komödie. Er ist ein psychisch brutaler, aber dennoch warmer Film. Man spürt bei ihm die Schwüle der Südstaaten und die Kälte im Herzen anderer. Er zeigt die wirtschaftliche Ausbeutung der Menschen, und gleichzeitig ihr Aufbegehren gegen das Establishment. Dieser Film verbindet all das was einen guten Film ausmacht. Er hat Thrill, er hat Herz, er hat Überraschungen und vor allem eins: er ist hoffnungsvoll.

So sehr das manchmal auch pathetisch wirken kann, aber die Dialoge (kongenial geschrieben von Autor/ Regisseur Frank Darabount und interpretiert von den Schauspielern) bewirken beim Zuschauer eine emotionale Wucht wie nur selten geschehen. Dabei geht es hier um die Aufrechterhaltung der Menschlichkeit unter wiederwertigen, ungerechten Umständen. Um die Bewahrung der Seele in düstere Zeit. Schlicht um Hoffnung auf ein besseres Leben. Der Knast versinnbildlicht die Gesellschaft, in der jeder gegen jeden intrigiert und das Kapital zählt. Wenn man sich dem anpasst geht man unter („Brooks“), wenn man sich aufgibt wird man desillusioniert („Red“) oder man behält seine menschliche Seele und lebt durch Hoffnung („Andy“).

Der Film zeigt genau das durch seine exzellente Charakterisierung. Und ich übertreibe nicht: All seine Darsteller sind unfassbar gut. Darabounts Lieblingstruppe (viele Darsteller tauchen immer wieder in seinen Filmen /Serien auf) ist ein Schauspielensemble wie es nur selten im Film zu sehen gab. Alle, beginnend von Tim Robbins über Morgan Freeman bis hin zur tragischen Figur von James Whitmore sind alle Schauspieler perfekt besetzt. Großes Lob geht hier speziell an drei Leute m.E.n: Clancy Brown, Mark Rolston und Bob Gunton. Sie sind die tragenden drei Pfeiler der Geschichte. Ohne ihren durchweg schlechten Charakter würden die Guten nicht Gut sein. Nur ein perfekter Bösewicht bringt den Held zum Strahlen. Und das geschieht hier nur durch diese drei Darsteller. Wunderbar!

Die Inszenierung ist so unglaublich intensiv zurückhaltend. Darabount zeigt nichts was gezeigt werden muss. Er wählt wohl aus. Diese Art des Drehens ist von unglaublicher Intensität. Lange verweilen die Bilder auf einen, lange wirken sie nach. Warum die ganze Brutalität zeigen, wenn es ein-zweimal reicht? Das tat er hier. Was den Film eben ausmacht sind die Dialoge. Sie sind von einer verbalen Brutalität die uns ins Mark erschüttert. Und da ist da die Handlung, die so überraschend ist, dass man nicht anders kann als sie zu loben. Es geht hier eben unmissverständlich um eins: Hoffnung der Freiheit! Und das ist ein sehr löbliches Ziel.

Die Musik von Thomas Newman ist wohl mit die beste die ich je gehört habe, die Kamera von Roger Deakins (gibt den Mann endlich seinen Oscar nach 13 Nominierungen bis heute!) ist von eleganter Bildhaftigkeit. Man kann, und das tue ich eigentlich sehr selten, den Film nur loben. 
Das Jahr 1994 war filmhistorisch und technisch betrachtet ein sehr gutes Jahr. Neben diesen Film kam auch der filmverändernde PULP FICTION  raus. Ich lasse FORREST GUMP außen vor, denn, tut mir leid, ich halte ihn im Vergleich zu den zwei eben erwähnten Filmen, zu hoch bewertet. Die beiden anderen haben mehr für die Filmwelt getan. Wie dem auch sei: 
Dieser Film wird immer sein Publikum finden. Weil er ein zeitloses Thema hat, weil er uns berührt und weil er einfach unheimlich gut inszeniert ist.