Die Vögel (1963)

Kurz nach dem die junge aus reichem Elternhaus stammende Melanie Daniels in einer Zoohandlung in San Francisco, in der sie heimlich arbeitet um das wahre Leben kennen zu lernen, den charmanten Anwalt Mitch kennenlernt, der aus dem kalifornischen Küstenstädtchen Bodega Bay stammt, beschließt sie diesem einfach nachzufahren und ihn in seinem Heimatort zu besuchen, um ihn ein Vogelpaar für dessen kleine Schwester zu überbringen. Die Überraschung gelingt und beide verlieben sich ineinander, doch diese durch seine von Verlustängsten gepeinigten Mutter erschwerten Romanze wird noch von von etwas anderem überschattet: Urplötzlich und ohne Vorwarnung oder ersichtlichen Grund beginnen sich die Vögel in dem Ort ungewöhnlich aggressiv zu verhalten. Sie attackieren zunächst nur vereinzelt die Bewohner, doch schon bald rotten sie sich in Scharen zusammen und starten einen Großangriff auf die Menschen …

 Wer Alfred Hitchcocks Filme kennt, der weiß, dass diese sich von dem klassischen Horrorfilmen seiner Zeit erheblich unterscheiden. So verhält es sich auch bei Die Vögel, den der Großmeister des Psycho-Horrors auf englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier von 1952 basierend im Jahre 1963 auf die Kinozuschauer losließ und erneut einen riesen Erfolg landete und vielleicht sogar damit den Grundstein des Tier-Horrorfilmes legte, der in den 1970ern mit Filmen wie zum Beispiel Steven Spielbergs Der Weiße Hai seinen Höhepunkt erreichte.

 Die Vögel fängt harmlos an wie eine kleine Liebesgeschichte, in der eine gelangweilte junge Millionärstochter, hervorragend von Tippi Hedren gespielt wird, die ein Jahr später in Alfred Hitchcocks Marnie die gleichnamige Hauptrolle verkörpert, sich vorerst von dem Anwalt Mitch provoziert fühlt, da er etwas haben will, was er ihr nicht zutraut zu besorgen; aber eher um sie von ihrem hohen Ross herunter zu holen und sie für ihr arrogantes Verhalten zu tadeln. Dass sie ihm zuerst aus gekränktem Stolz die Vögel für seine kleine Schwester sogar in seinen Heimatort bringt, ist der Auftakt dann dafür, dass Sie und Mitch zusammen wachsen, durch seine eifersüchtige Mutter und dann obendrein durch die angreifenden Vögel. In gewisser Weise ist Die Vögel eine Mischung aus Familiendrama, Liebesfilm und Horror, die geschickt mit einander so verwoben sind, da keines der Elemente das andere überschattet. 

 Gut gefallen hat mir auch dass die anfangs eher unsympathisch arrogante Melanie Daniels im Laufe des Filmes ihre Oberflächlichkeit ablegt und im Angesicht aller Widrigkeiten lernt über ihren Schatten zu springen. Dazu verhelfen ihr nicht nur die Vögel, sondern auch der Anwalt Mitch (Rod Taylor aus Die Zeitmaschine) selbst, der auf Grund seiner problematischen Familiensituation ihr zeigt, dass nicht alles wie für sie gewohnt leicht zu bekommen ist. Angeblich soll en die in dem Film aufgezeigten Probleme mit den Angriffen der Vögel in einer komplexen Art und Weise in Verbindung stehen, allerdings bin ich kein Psychologe, der dies näher begründen könnte, welche Verbindung genau bestehen sollen. 

 Befassen wir uns lieber mit dem Unterhaltungswert des Filmes, obwohl es bei den Hitchcock-Filmen eigentlich immer auch um Interpretation und Parallelen zu Problemen innerhalb von Familie oder Gesellschaften geht und die man eigentlich nicht einfach ausblenden sollte. Was obendrein noch auffallend ist, ist das Hitchcock es in Die Vögel unterlässt mit Musik die Spannung zu erhören, wenn die Vögel in Aktion treten. Diese Szenen werden alleine nur durch das Geschrei der Vögel untermalt, was sie irgendwie in gewisser Hinsicht authentischer, aber auch gleichzeitig surrealer und noch bedrohlicher erscheinen lassen. 

 In einem Buch über die Filme Alfred Hitchcocks habe ich gelesen, dass die Angriff der Vögel schon in der Buchvorlage zu dem Film angeblich auf wahren Tatsachen beruhen sollen, da im Jahre 1961 in einem kleinem Städtchen eine Vogelschar für Aufsehen und Angst sorgte, als diese scheinbar die Menschen angreifend durch Fenster flogen und sogar Stromkabel zerstörten. Eine gruslige Vorstellung ist das auf jeden Fall, oder? Eigentlich kann man Die Vögel auch zu der Art von Filmen zählen, die sich mit dem Szenario beschäftigt, was wäre wenn die Natur zurück schlägt und sich am Menschen rächt für all das, was er ihr antut. Aber das ist reine Interpretation.

 Mir persönlich gefiel Die Vögel sehr gut, da er wie oft in Kritiken geschrieben eine dieser düsteren Weltuntergangsstimmung besitzt und wie bei Hitchcock meiner Ansicht nach üblich relativ ruhig anfängt und sich dann bis zum Finale immer mehr in Sachen Spannung steigert, die nicht nur durch den Angriff des Schreckens vollzogen wird, sondern auch  durch die oft als unerträglich bis schwer verdaulich geltenden parallel laufende Handlung, die bei Hitchcock oft aus Familiendramen oder einer verdrängten Vergangenheit besteht. Zudem kommt natürlich die hervorragende Abrichtung der Vögel, die in heutigen Filmen eher animiert werden würden, anstatt das man sich der kostspieligen und vor allem auch aufwendigen Dressur der Tiere widmen würde. 

Die Kritiker waren damals wie heute begeistert von Die Vögel und so hagelte es förmlich Nominierungen und Preise. Oscar-Nominierung für Ub Iwerks , der für die Spezial- und Visuellen Effekte verantwortlich war. Sogar eine Nominierung für den Edgar Allen Poe Award gab es für das beste Drehbuch an Evan Hunter. Den Golden Globe gab es für Trippi Hedren als beste weibliche Newcomerin und selbst 2013 erhielt der Film noch für die Beste DVD- und BluRay-Veröffentlichung den Saturn Award seitens der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horrorfilm, um nur einige Auszeichnungen zu nennen.

 Meiner Ansicht nach gehört Die Vögel zu Hitchcocks großartigsten Filmen, den er mit einem Budget von gerade einmal 2,500,000 US-Dollar drehte – obwohl eigentlich alle seiner Werke genial sind. Die Vögel gibt es in mehrfachen Fassungen auf DVD und BluRay von Universal und ist eine echt lohnende Anschaffung für die heimische Filmsammlung.

 

Wertung: 10/10 Punkten