Die Wilden Zehn (1982) – Kritik

Es gibt Filme, die muss man gesehen haben, und dann widerrum gibt es welche einmal gesehen und wieder in die Schublade, aber bitte ganz unten und hinten. Frauenknastfilme sogenannte WIP (Woman In Prison) Filme gibt es wie Sand am Meer, in der Ära der Sexploatition Filme wurden auch solche Streifen fast wöchentlich aus dem Flimmerapparat geholt und in den Bahnhofskinos und später auch teilweise für den Heimkinobereich produziert. Der Film „Das Frauenzuchthaus“ oder auch besser bekannt unter dem Titel „Die Wilden 10“ stammt von 1982 und beherbergt die Regiearbeiten von Ted V. Mikels. Diesen Namen kennen manche bestimmt aus seinen vorherigen Werken die deutlich ein besseres Niveau und Stand beinhalten. Sei es „Die Leichenmühle“ von 1972 oder auch „Die Blutorgie der Satanstöchter“ aus dem selbigen Jahr. Doch sein wahrer Klassiker ist zweiffellos „Astro-Zombies – Roboter des Grauens“ von 1968.

In den 80er Jahren wurde oft bei vielen Produktionen eher auf das Äussere geachtet als auf innerliches vorhandenes Talent bei den Darstellern, egal ob männlich oder weiblich. Hauptsache die Darsteller entsprechen dem derzeitigen Schönheitsideal bzw. das was das männliche Geschlecht begehrt – orientiert an Schmuddel Print Magazinen die es damals an jeder Ecke zu kaufen gab – wohlbemerkt in den USA nicht hierzulande, und dann heisst es „Das Prüde Amerika“.

Die erste Spielzeit entwickelt sich der Film zu einem Gangster-Thriller, 10 attraktive Damen planen und führen einen Juwelenraub aus um für immer ausgesorgt zu haben, und um im Luxus leben zu können. Der Überfall geschieht recht schnell und sehr temporeich, auch die kurze Flucht vor der Polizei verläuft reibungslos. In einem Hotel untergetaucht passiert es, die Story kippt. Eine der Damen gerät durch erhöhten Alkoholkonsum an die Polizei, man sollte auch nicht Drogen im besoffenen Zustand an unbekannte Personen vertickern. Sie wird erschossen und der Rest der Bande kommt ins Gefängnis. Ab diesen Zeitpunkt schwankt man von einem Thriller zu einem WIP Streifen.

Nun erwartet man wilde Kämpfe unter Knastfrauen, nackte Haut und viel Erotik. Doch mit diesen ganzen „wichtigen“ Punkten für solch ein Werk wird man nicht fürs warten belohnt. Die Kamera zeigt hin und wieder nackte Haut, meist nur Rücken oder ganz kurz nackte Brust, aber nicht von den noch 9 übrig gebliebenen Damen, sondern von anderen Charakteren. Nun, ich habe nicht lechzend auf solche Szenen gewartet, aber als Sammler solcher Streifen habe ich schon weitaus bessere gesehen. Auch was die Gewalt im Knastteil angeht, bekommt man lediglich eine Szene mit einem Hammer und Eimer über einem Kopf geboten, mehr aber auch nicht. Entweder hatte Regisseur Mikels keine Ambitionen oder Ideen für sowas, oder die Darstellerinnen weigerten sich sowas zu drehen, wer weiß das schon.

Betrachtet man die schauspielerischen Darbietungen aller Charaktere, so kann man behaupten das die Knastleiterin die einzige Person mit Ausdrucksstärke ist. Sie erinnert mit ihren Handlungen und Gesten ein wenig an ILSA – Kenner wissen was ich meine. Diese Kühlheit und Rücksichtslosigkeit steht ihr ins Gesicht geschrieben. Doch was erotisches hat auch sie nicht zu bieten, rennt zwar mit offener Bluse durch den Gefängnistrakt aber eine Dame Mitte 50? Geschmackssache halt!

Schade, dieser Film gehört für mich zu den miesesten WIP Streifen die ich kenne, und das sind mittlerweile einige. Der Anfang ist recht atmosphärisch inszeniert und versorgt zudem den Zuschauer noch mit funkiger 70er Jahre Disko Mukke, doch ab dem Zeitpunkt wo das Geschehen ins Gefängnis verlegt wird, baut er kontinuierlich ab und driftet ins Leere.

Ich schaute mir den Film auf VHS an vom Label „Screentime“ diese Fassung ist zwar um satte 5 Minuten geschnitten, aber ich vermute mal das auch die enthaltenen Szenen den Film nicht hätten retten können. Wer Ausdauer und Mut hat, muss sich die DVD Version in einer Hartbox von X-Rated besorgen, denn auch die DVD von VZ-Handelsgesellschaft ist geschnitten wie die VHS.