Dirty Dancing (1987)

Francis „Baby“ Houseman ist ein Mädchen aus reichem Hause. Sie und ihre Familie verbringen die Sommerferien 1963 in Max Kellermans Hotel, wo Baby dem feschen Tanzlehrer Johnny Castle begegnet – seine Show lässt auch in ihr die Lust steigen, zu tanzen. Doch der Mambogott hat nichts übrig für verwöhnte Mädels aus der Oberschicht. Dann aber fällt seine Tanzpartnerin Penny wegen einer ungewollten Schwangerschaft aus und Baby bietet ihre Hilfe an. Nun soll sie im Schnelldurchgang die komplizierten Figuren des Mambos lernen. Das Paar kommt sich auch emotional schnell näher, muss auf seinem Weg aber diversen Problemen trotzen: eine Reihe von Diebstählen und die goldene Hotelregel, dass Personal und Gäste durch eine unsichtbare Linie voneinander getrennt bleiben müssen, machen Baby und Johnny zu schaffen…

Von Frauen geliebt und kultisch verehrt, von Männern gehasst und verabscheut. Ein Film-Phänomen, welches seit 1987, in akuter Regelmäßigkeit, über den TV-Bildschirm flimmert oder in den DVD-Playern sein Unwesen treibt. Ein Film, der den Begriff Kitsch verinnerlicht hat. Die Rede ist natürlich von „Dirty Dancing“! Und weil man keine Artikel-Serie zu 80er Tanzfilmen machen kann, ohne dieses Werk zu besprechen, lest ihr genau jetzt diese Zeilen.  Ich habe mir den Film nochmal, mit geringer Motivation, angesehen und musste ernüchternd feststellen, dass ich im Nachhinein doch ganz angetan war.

Wer hat noch nicht über „Dirty Dancing“ geschrieben? Richtig, die wenigsten! Der 1987 veröffentlichte Streifen gehört fest zur Popkultur und bewegt auch heute noch die Massen. Woran liegt das? Der Plot folgt der klassischen Dramaturgie einer Love-Story: Gegenseitige Anziehungskraft der Protagonisten, das Verlieben, die entbrennende Leidenschaft, der Bruch, die Versöhnung mit Happy End. „Dirty Dancing“ folgt dem gängigen Schema des romantischen Films, welches in fast jeder Rom-Com oder Liebesgeschichte verwendet wird. Eine universell andwendbare Formel eben, die die wesentlichen Punkte beinhaltet, um den Zuschauer „mitzunehmen“. Es ist weniger die Inszenierung, die den Film attraktiv macht, denn diese erweist sich als recht bieder. Entsprechende Stilmittel sind hier Mangelware, auch ansprechende Tanzeinlagen im Stil des Titels „Dirty Dancing“ sind hier wenige auffindbar. Trotz allem sind die Szenen ansprechend choreographiert und machen vom tänzerischen durchaus etwas her. Obwohl diese ein großes Element des Films sind, liegt der Fokus doch eher auf der Beziehung der beiden Hauptfiguren, als auf dem Tanzen selbst. Hier ist die Kunstform des Tanzens ein Mittel zum Zweck, um die sprühende Leidenschaft zwischen Johnny und Baby zu visualisieren. Das „Dirty“ bezieht sich lediglich auf die Tanzart Mambo, die als erotische Form des Paartanzens bekannt ist. Das Drehbuch fördert die Szenen durch eingebauten Kitsch und teils schmalzige Dialoge, die oftmals etwas lachhaft daherkommen.

Nichts desto trotz habe ich an den entsprechenden Schlüsselszenen Gefallen gefunden, denn Patrick Swayze und Jennifer Grey harmonieren gut und geben ein gutes Paar ab. Allein Swayze geht in seiner Rolle als cooler Tanzlehrer sichtbar auf und geht mit Verve an die Arbeit. Er ist auch ein sehr guter Tänzer, da man erkennt, dass der Star keineswegs gedoubelt wurde. Hier wurde richtig einstudiert. Die Bewegungen sind geschmeidig und haben einen guten Drive. Jennifer Grey spielt ihren Part routiniert. Ihre Rolle ist von vornerein nicht wirklich extrovertiert angelegt, weswegen ihre Darbietung etwas im Schatten von Swayzes Präsenz steht. Doch gerade diese beiden Charaktere funktionieren miteinander und machen die Romanze über weite Strecken nett anzusehen. Der Rest der Akteure sind eher unbekannte Darsteller, die nicht der Rede wert sind. Einzig Wayne Knight entdeckt man unter dem Hotelpersonal und Cynthia Rhodes hat eine größere Rolle, hat sie doch auch in „Staying Alive“ und „Flashdance“ ihr Unwesen getrieben. Alles in allem ist der ganze quatsch extrem kitschig und ok gespielt aber trotzdem irgendwie unterhaltsam, wenn man in der richtigen Stimmung ist. Das übrige leistet dazu noch der Soundtrack, der ja mittlerweile einen astronomischen Kultstatus inne hat. Von 60er Jahre Klassikern, wie „Do you Love Me“ von The Contours oder „Be my Baby“ von The Ronettes laden zum mitwippen ein und die extra für den Film komponierten Titel treiben den Kitschpegel nochmal in die Höhe. Sei es das von Patrick Swayze gehauchte „She’s like the Wind“ oder Eric Carmens „Hungry Eyes“. Alles triefende Songs, die aber in ihrer Schmierigkeit doch irgendwie wieder geil sind. Prunkstück ist natürlich „(I’ve had) the Time of my Life“ von Bill Medley und Jennifer Warrens im Finale, welches übrigens, ungelogen, genau in diesem Moment im Radio dudelt, während ich diesen Text schreibe. Gruselig oder? Ich hasse diesen Song und könnte brechen, wenn ich ihn höre. Nicht weil ich ihn schlecht finde, sondern weil ich ihn einfach schon viel zu oft in meinem Leben gehört habe oder hören musste. Da ist mein Favorit immer noch „Hungry Eyes“! Das der Schnulzen-Streifen ein mega Erfolg war, ist ja hinreichend bekannt. 1988 gab es sogar eine Serien-Adaption fürs Fernsehen, welche es aber nie auf mehr als 13 Episoden brachte und mittlerweile komplett vergessen ist, wahrscheinlich zu Recht. Seit Jahren gibt es auch die obligatorische Musical-Version, die auf der ganzen Welt ähnlich erfolgreich, wie der Film ist. Ebenfalls folgte 2004 mit „Dirty Dancing 2 – Havanna Nights“ eine Fortsetzung, die aber außer einer ähnlichen Handlung, dem Titel und einem Gastauftritt von Patrick Swayze, nichts mit dem Original zu tun hat.

„Dirty Dancing“ ist ein Phänomen. Ein schnulzige Liebesgeschichte nach Schema F, ein netter Soundtrack, schöne Tanzchoreographien und ganz viel Kitsch. Ich bin keine Frau und finde den Film mittel bis ganz nett. Ich würde ihn nicht als schlecht bezeichnen, denn dafür hat er auch viel Schönes. Kein Film, den ich mir oft ansehen würde, aber in der richtigen Stimmung, wahrscheinlich auch mit der passenden Dame dazu, geht das in Ordnung.

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