Django – Sein Gesangbuch war der Colt (1966)

Itaien 1966
mit Franco Nero, George Hilton, Linda Sini, Nino Castelnuovo…
Drehbuch: Fernando di Leo
Regie: Lucio Fulci
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

1866 erhält Tom Corbett (Franco Nero) die Nachricht, dass er in seine Heimatstadt in Texas zurückkehren soll. Dort muss er zunächst feststellen, dass die Ranch seiner Familie an die Scotts verkauft wurde und sein Bruder Jeff (George Hilton) zum Trunkenbold mutiert ist. Die Scotts entpuppen sich als Herrscher der Stadt, die vom sadistischen Junior Scott (Nino Castelnuovo) und seinen Schergen in Angst und Schrecken versetzt wird. Als Junior erfährt, dass sein Vater (Giuseppe Addobbati) auch der von Tom ist, erschießt er den alten Scott kurzerhand und verschanzt sich mit seiner Gang auf seiner Ranch. Es kommt zum blutigen Showdown!

Wenn man über Horror-Papst Lucio Fulci spricht, kommen einem gleich ein paar griffige Titel in den Sinn. „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ (1979), „Der New York Ripper“ (1982), „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (1980) und diverse andere. Ja, der gute Lucio steht für deftige Splatter-Kost, dabei wird aber immer gerne vergessen, dass der italienische Genre-Regisseur gerade in den 60ern und 70ern auch andere Filme gedreht hat, die man sich mal anschauen sollte. Wir beschäftigen uns heute mit einem Frühwerk Fulcis, welches gleichzeitig seinen ersten Ausflug in die Welt des Italo-Western darstellt. „Django – Sein Gesangbuch war der Colt“ (1966), was für ein Titel!


„Es gibt bloß eins, was wichtig ist: Das man sterben muss!“

Mit diesem zynischen One-Liner wurde die Figur des „Django“ zum Kult. Der schweigsame Mann mit dem Sarg aus Sergio Corbuccis Klassiker wurde zum Synonym für den harten Outlaw, den wortkargen Drifter im staubigen Wüstensand. Der Film entwickelte eine solche Ikonographie, dass gefühlte 100 weitere „Django“-Filme erschienen. Zumindest gaukelten das die deutschen Verleiher vor, die jeden zweiten B-Western mit dem bekannten Namen versahen. Dabei waren dies immer eigenständige Werke und im Original als „Django“-Filme intendiert, tatsächlich gibt es mit „Djangos Rückkehr“ (1987) nur einen weiteren offiziellen Film, wieder mit Originaldarstellern Franco Nero in der Hauptrolle. Von dieser eben erwähnten Vermarktungspolitik blieb auch Genre-Ikone Lucio Fulci nicht verschont, der 1966 mit „Massacre Time“, oder auch „Tempo di Massacre“ (für die ganz Genauen), seinen ersten großen Spielfilm inszenierte, nachdem er mit Komödien begann. Dieser raue Western bekam in Deutschland den Titel „Django – Sein Gesangbuch war der Colt“ verpasst, was zwar schneidig klingt, jedoch nicht dem Original entspricht. Die Geschichte dreht sich um den Goldgräber Tom Corbett, welcher in der deutschen Synchronisation entsprechend in Django umgetauft wurde, der nach einem Brief in seine alte Heimatstadt zurückkehrt und feststellen muss, dass dort nichts mehr so ist, wie es einmal war. Ein gewisser Scott hat alles aufgekauft und scheint dort mit hartem Regiment zu herrschen, während sein Sohn Junior mit äußerst brutalen Methoden dafür sorgt, dass Alle tun, was sie auch tun sollen. Tom/Django sucht seinen Bruder auf, der mittlerweile zum Säufer geworden ist, und versucht diese Schreckensherrschaft zu beenden.

„Massacre Time“ kommt als düsterer und harter Rachewestern daher, welcher im Laufe der Handlung eine durchaus verzwickte Familiengeschichte portraitiert. Das Drehbuch schrieb Fernando di Leo, der sich später noch mit Gangsterfilmen einen Namen im italienischen Genre-Kino machen sollte. So bietet di Leos Skript eine im Grunde schnörkellose Geschichte, die jedoch an ein paar Stellen etwas ins Schleudern kommt. Die Familiengeschichte, mit der man versucht dem Film einen Twist zu geben wirkt erstaunlich konstruiert und teilweise etwas ungelenk. Das ist auch schon das größte Manko des Westerns, denn ansonsten bietet Fulcis Werk gute Unterhaltung. Besonders zum Vorschein kommt die Kapitalismuskritik. Die Bürger der Stadt werden förmlich versklavt von den reichen Leuten der gehobenen Klasse. Während die Armen schwer schuften müssen, amüsieren sich die wohlhabenden bei einem deftigen Bankett, mit Allem was so dazu gehört. Besonders die Szene, in der Tom/Django von Junior mit der Peitsche malträtiert wird stellt dies offenkundig zur Schau, wenn alle anderen einfach nur zusehen und sich davon unterhalten lassen, denn für Sie ist der raue Outlaw lediglich ein unterprivilegierter Mensch, der nicht auf ihrer Höhe ist. Der Film spielt in einer Welt, in der Geld regiert und wer eben viel Geld hat, ist Der, der auch letztendlich regiert. Parallel dazu versucht der Film auch die Beziehung zwischen Tom/Django und seinem Bruder Jeffrey darzustellen, die etwas zerrüttet erscheint und sich im Laufe der Handlung zum Positiven wendet. Der ist mittlerweile nur noch ein Schatten seines Selbst und hängt pausenlos am Tequila. Etwas schwach ist die Wandlung der Beziehung, wird sie doch ungelenk begründet und kommt zu plötzlich, um letztendlich tragend zu funktionieren. So bleibt das Drehbuch an einigen Stellen etwas unausgegoren (warum ein volltrunkener, der kaum noch geradeaus gehen kann, plötzlich zum präzisen Schützen wird, wird auch nicht erklärt), dennoch effektiv. Großes Plus ist die tadellose Regie von Lucio Fulci, der hier schon früh seine späteren Stilmittel verwendet. So besitzt der Film eine sehr düstere Grundstimmung und einen höheren Härtegrad als andere Produktionen aus dieser Zeit. Es gibt einige brutale Szenen, wie die Peitschensequenz oder das Opening, in dem ein Mexikaner als Jagdobjekt missbraucht wird und von Juniors Hunden gehetzt und getötet wird. Auch die Shootouts erweisen sich als graphisch. Es sind einige Einschusswunden in Köpfen zu sehen, sogar Kinder werden gezeigt. Wenn man Fulci will, bekommt man ihn eben auch. Doch auch auf anderen Ebenen zeigt der Altmeister sein Können und serviert uns schöne Landschaftspanoramen, sowie gut gemachte Kameraeinstellungen. Der finale Shootout ist dabei besonders gelungen. Hart, dynamisch und gut choreographiert, auch wenn der Rest des Films weniger actionlastig daherkommt. Mit Ur-„Django“ Franco Nero in der Hauptrolle kann man meistens nichts falsch machen, versprüht er doch den gleichen rauen Charme, wie im bereits erwähnten Kult-Film. An seiner Seite spielt George Hilton auf, der als raubautziger Säufer Jeffrey ebenfalls gut funktioniert. Besonders beeindruckend ist Nino Castelnuovo, der als sadistischer Junior zwar nicht viel Text hat, jedoch mit Mimik und Gestik das Maximum herausholt, so das man schon etwas Angst vor diesem Typen hat. Der Rest der Besetzung besteht aus klassischen Nebendarstellern, wobei Giuseppe Addobbati als Scott Senior noch am meisten zu tun hat. Frauen sind, wie bei Fulci üblich, unwichtiges Beiwerk.

Wer den Film in der Sammlung haben möchte, muss sich mit der DVD von „Black Hill Media“ begnügen, deren Bild- und Tonqualität zwar okay ist, jedoch nicht wirklich gut daherkommt. Vor zwei Jahren gab es den Film nochmal in einer Hartbox von „filmArt“, wobei es sich nur um ein Repack handelt. Eine Restauration für eine schicke Blu-Ray wäre hier mehr als wünschenswert.

Lucio Fulcis „Django – Sein Gesangbuch war der Colt“ (1966) ist ein rauer, sowie unterhaltsamer Italo-Western. Die geradlinige Rachestory mischt sich mit Familiendrama, welches nicht immer zu funktionieren vermag, vielleicht wäre es besser gewesen, den Film etwas anders aufzuziehen. Abseits davon glänzt der Streifen durch eine gute Inszenierung, einer düsteren Stimmung, Kritik am Kapitalismus und deftigen Shootouts. Kommt nicht an den originalen „Django“ heran, ist aber dennoch ein durchaus sehenswerter Italo-Western für Genre- und Fulci-Fans.