Edgar Wallace – Das Geheimnis der grünen Stecknadel

Inspektor Barth vom Yard untersucht einen Mord an einer Schülerin eines Mädcheninternats. Das einzige Indiz am Tatort ist eine grüne Stecknadel. War der Liebhaber der Täter? Der bestreitet alles und will sich selbst entlasten. Was haben die Girls, die Sexpartys veranstalten und die Nadel als Erkennungszeichen benutzen, damit zu tun. Insp. Barth muß dieses Geheimnis lüften.

 

Wenn man heute von Film-Kult der 60er, made in Germany, spricht, falls da jemand überhaupt darüber sprechen sollte, kommt man sicher nicht an den von Rialto-Film produzierten „Edgar Wallace-Filmen“ vorbei. Echte „Pulp Fiction“ made in good old Germany! Quentin Tarantino müsste eine Dauererektion bekommen. Aber nur wenige blicken wohlgesonnen auf die Spätphase der Serie, die in Koproduktion mit Italien entstand um Kosten zu minimieren. Die Italiener fanden das ziemlich cool und interpretierten Wallace in klassisch zünftiges Genre-Kino um!

„Das Geheimnis der grünen Stecknadel“, welcher unter der Regie von Massimo Dallamano entstand, der uns Perlen, wie „Der Tod trägt schwarzes Leder“ oder „Kaliber 38“, geschenkt hat, ist kein humoristischer „Nacht und Nebel Krimi“, sondern ein rassiger Giallo. Ein schwarzbehandschuhter Mörder, der mit sehr schmerzhaften Methoden Jagd auf junge Mädchen macht, zieht seine blutige Spur durch London. Bei den Opfern findet man stets eine grüne Stecknadel. Der einzig wahre Scotland Yard-Inspektor der Filmgeschichte, Joachim „Blacky“ Fuchsberger, gibt sich zum 13. Mal die Ehre, den Mörder zu fangen. Unterstützt von Italo-Star Fabio Testi.
Der Film ist ein echter Paradegiallo. Nicht so verspielt, wie bei Argento, oder ausufernd brutal, wie bei Fulci, aber dennoch extrem spannend und mit äußerst viel Flair inszeniert. Kameramann war niemand geringeres als Joe D’Amato, ja genau der! Sogar Maestro Ennio Morricone war für den fantastischen Soundtrack zuständig, der viel zur Spannung beiträgt und den Film mit seinen Themen wunderbar untermalt. Mit dem klassischen Wallace alá „Der Hexer“ hat das nichts mehr zu tun, aber wer es gerne rauer mag wird hier bestens bedient und bekommt einen Film, den auch Giallo-Fans weniger auf dem Zettel haben, der durchgehend spannend bleibt und einen guten Twist beinhaltet.
PS: Die deutsche Kino-Fassung ist kürzer als die italienische Fassung! Rialto-Film lies den Italienern relativ freie Hand. Man hat dann einfach den fertigen Film genommen, die ganz harten Shots rausgeschnitten, ihn etwas gestrafft auf gut 90 Minuten und dann einfach „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ in den Anfang geklatscht und noch einen Wallace-typischen Titel genommen.
Die Langfassung ist 10 Minuten länger und nur in Italien, UK und USA verfügbar. In Deutschland gibt es nur die synchronisierte „Wallace-Fassung“. Aber die Schnitte fallen nicht sonderlich auf und der Film wirkt trotzdem gut.