Edgar Wallace: Das Rätsel des silbernen Halbmonds

Ganz Rom ist schockiert – die Stadt wird von einem grausamen Frauenmörder heimgesucht. Am Tatort findet sich stets ein silberner Halbmond. Auch auf Giulia, die gerade mit ihrem Mann Mario auf Hochzeitsreise ist, wird ein Mordanschlag verübt. Doch eines weiß der Täter nicht: Giulia überlebt, während die Polizei eine Beerdigung vortäuscht, um auf die Spur des Killers zu kommen. Aufgrund eines Details, an das sich Giulia erinnert, beginnt sie Ermittlungen auf eigene Faust.

 

Nachdem schon der Vorgänger „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ eher ein klassischer Giallo war, als ein gängiger Krimi der Marke „Edgar Wallace“, aber immerhin Blacky Fuchsberger nochmal zu sehen war, wurde der Nachfolger und auch letzte offizielle Titel der Reihe „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ vollends ein italienisches Genre-Produkt. Rialto Film beteiligte sich noch geringfügig mit den Kosten und stellte noch ein paar deutsche Schauspieler, wie Uschi Glas und Petra Schürmann und ließ den Italienern völlig freie Hand. Herausgekommen ist ein solider Italo-Krimi mit guten Momenten, der aber im direkten Vergleich mit der „Stecknadel“ den Kürzeren zieht.

Von Wallace ist hier gar nichts mehr übrig, lediglich den markanten Eröffnungssatz „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ inklusive MG-Salve gibt es noch einmal zu hören. Der Film spielt nicht mal mehr in London, sondern die Handlung wird direkt nach Rom verlegt. Hier darf sich ein, natürlich, schwarzbehandschuhter Mörder austoben, der es auf Frauen abgesehen hat, die alle eine Verbindung zu haben scheinen. Die klassischen Ermittler haben auch nichts zu tun, anstelle derer übernimmt, wie im Giallo üblich, eine Privatperson (Antonio Sabato) die Ermittlungsarbeit.
Der Streifen ist ein klassischer Italo-Thriller, der gängige Genre-Konventionen aufgreift und ansonsten wenig individuelles zu bieten hat. Auf dem Regiestuhl saß hier Umberto Lenzi, ein verlässlicher Handwerker des italienischen Exploitation-Kinos, dessen Vita, mit Polizei-Filmen, Kannibalenhorror, Zombiefilmen, Geistergrusel und Söldner-Action, fast jedes Genre ziert, was gerade en Vogue war. Somit schafft Lenzi einige stimmungsvolle und spannende Szenen erreicht aber nie die Intensität, wie zum Beispiel ein Massimo Dallamano, dazu bleibt der Plot und die Abfolge zu generisch. Großes Manko des Films ist Uschi Glas. Die deutsche Aktrice, die in einigen Wallace-Filmen zu sehen war, kann den Film nicht tragen und wirkt vollkommen deplatziert, eine Edwige Fenech zum Beispiel wäre hier passender gewesen. Antonio Sabato schafft es eher gekonnt den Helden zu spielen und ist somit eher die Sympathiefigur für den Zuschauer. Die Auflösung der Story ist relativ in Ordnung und gut umgesetzt. Ansonsten bleibt der Plot, Giallo-Kino nach Schema F und guckt sich diverse Dinge bei Argento und co. ab. Hervorzuheben ist allerdings der famose Soundtrack von Riz Ortolani, der wirklich super Themen bietet und für viel Stimmung sorgt.

Der letzte offizielle Wallace-Film ist klassisches Giallo-Kino, nicht mehr und auch nicht weniger. Kein Meisterwerk aber durchaus passabel zu gucken und auch relativ kurzweilig. Mehr erwarte ich von Umberto Lenzi auch nicht. Aber als Edgar Wallace Film taugt er weniger, da er nichts mehr bietet was die Reihe einmal auszeichnete, für Genre-Fans allerdings dürfte er solide unterhalten.

PS: Die deutsche Kino-Fassung ist auch wie beim Vorgänger gekürzt. Die Langfassung geht knapp 10 Minuten länger und bietet neben mehr Dialog, einen etwas anderen Vorspann und etwas mehr Härte, Stichwort: Bohrmaschine! Diese Fassung ist aber auf der deutschen DVD aus der Edgar Wallace Collection enthalten, aber nur in Englisch!