Edgar Wallace: Das Verrätertor (1964)

„Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.7“

Trayne, ein sehr wohlhabender Londoner Geschäftsmann mit recht ungewöhnlichen Freunden, plant einen der größten Coups der Kriminalgeschichte – den Raub der Kronjuwelen aus dem Londoner Tower. Mit Fassadenkletterern und einem Doppelgänger gelingt der minutiös ausgearbeitete Plan. Aber dann gibt es einige Komplikationen.

 

 Die Edgar Wallace-Serie der 60er und frühen 70er ist nicht gerade für Experimente bekannt. Die Filme folgten fast immer den gängigen Motiven des „Whodunit-Krimis“. Doch ab und an versuchte man sich an etwas anderen Geschichten, um sich nicht zu sehr zu wiederholen. So erschien 1964 „Das Verrätertor“, der wohl zu den ungewöhnlichsten Filmen der Reihe zählt und im allgemeinen Bewusstsein immer unter den Teppich gekehrt wird, da er zu den wenigen Misserfolgen der Kult-Serie zählt. Zu Unrecht, denn „Das Verrätertor“ ist ein gelungener Gangster-Film, der spannend, humorvoll und aufregend ist und zudem einen erfrischenden Beitrag zwischen maskierten Bösewichten, düsteren Gruften und mondänen Schlössern darstellt.

Der vorliegende Film ist eine Koproduktion zwischen „Rialto-Film“ und der britischen „Summit Film“ und somit einer der wenigen Teile der Reihe, die in London gedreht wurden. Zudem verfolgt der Streifen eine ganz andere Story als man es gewohnt ist. Gangster planen einen riskanten Coup, um die Kronjuwelen aus dem Tower of London zu stehlen. Eine durchaus erfrischende Geschichte, die zudem bei mir, als Gangster-Film Fan, Interesse hervorruft. Zum Großteil erinnert das Geschehen an „Oceans Eleven“, ich rede jetzt vom Original mit Frank Sinatra. Denn auch hier beschäftigt sich ein Großteil der Laufzeit mit der präzisen Vorbereitung der Gauner auf ihren Raubzug. Es vergeht fast gut mehr als die Hälfte des Films, bis der tatsächliche Diebstahl stattfindet, was dem Film gut tut. Man schafft es gekonnt Spannung aufzubauen und die Figuren zu etablieren. Auch wenn ein paar Dinge etwas hanebüchen daherkommen, wie zum Beispiel das Beobachten des Towers oder die Tatsache, dass es ein Doppelgänger schnell gefunden wird, macht der Film durchaus Spaß und schafft es weit besser zu unterhalten, wie spätere Beiträge, die einfach Muster immer und immer wieder abspulen. Auch das Finale kann sich durchaus sehen lassen und ist sehr cool in Szene gesetzt. Auch wenn sich hier und da mal eine Länge breitmacht, sei es dem 64er Krimi vergeben. Was auffällt, ist die hohe Qualität des Films. Vieles ist sehr gut gemacht: Die Kulissen, es wurde wirklich im Tower gedreht, Luftaufnahmen, Helikopter, Explosionen, die Macher fahren einiges auf, was auch daran liegen mag, dass hier nicht die üblichen Verdächtigen, wie Alfred Vohrer und Co. am Werk waren. Produzent und Mastermind Horst Wendlandt griff zum Großteil auf britische Leute zurück.

Für das Drehbuch war Jimmy Sangster, hier unter dem Pseudonym John Sanson zuständig, verantwortlich, der unter anderem Hausautor bei den britischen Hammer Studios war. Auch Regisseur Freddie Francis inszenierte viel für Hammer und kann sich mit 2 Oscars für die beste Kameraarbeit schmücken, was man auch hier bemerkt, denn Francis führte zwar nicht die Kamera, dennoch ist der Film sehr gut fotografiert. Auch bei den Darstellern ging man andere Wege und verpflichtete frische Gesichter. Margot Trooger und Albert Lieven, die beide schon bei Wallace zu sehen waren, sind relativ unverbrauchte Gesichter in der Reihe gewesen und geben eine gute Figur ab. Frische Darsteller wie Catherina von Schell und Gary Raymond tun dem Film sichtlich gut. Natürlich muss der Fan nicht gänzlich auf bewährtes verzichten und so gibt es mit Eddi Arent und Klaus Kinski die üblichen Verdächtigen in ihren gängigen Rollentypen. Hervorheben sollte man noch den, wie so oft, sehr schönen Score von Stammkomponist Peter Thomas, dessen jazzige Sounds durchweg passen und gute Melodien zu bieten haben, so das man zum mitgrooven neigt. Finanziell war „Das Verrätertor“ ein Misserfolg. Viele akzeptierten den Film nicht, da er zu anders war, weshalb man sich danach wieder auf bewährte Formeln konzentrierte, was schade ist, denn der London-Krimi kann sich durchaus sehen lassen.

Der 18. Edgar Wallace Film aus dem Hause Rialto unterscheidet sich gänzlich vom Rest. Hier gibt es eine gute Gangster-Geschichte mit Schauwerten und glänzender Inszenierung. „Hammer“-Regisseur Freddie Francis hat ganze Arbeit geleistet und mit einem, zum Großteil, unverbrauchten Cast eine exzellenten Krimi abgeliefert, der zu Unrecht gerne vergessen wird. Auch wenn die bekannte Stimme zum Anfang und die Auftritte von Kinski und Arent die einzigen Wallace-Indikatoren sind, sollte man diese 60’s Perle mal gesehen haben.