Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske (1959)

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.13”

Seit Jahren versetzt der unheimlich maskierte Chef einer Verbrecherbande, der sogenannte „Frosch mit der Maske“, London in Angst und Schrecken. Weder Inspektor Elk noch seinem Assistenten Sergeant Balder ist es bisher gelungen, den furchterregenden Verbrecher und seine Bande zu fassen. Nach einem erneuten Juwelenraub und der Ermordung eines Kriminalbeamten, der versucht hatte, sich in die Froschbande einzuschleichen, interessiert sich auch Richard Gordon, der Neffe von Scotland Yard-Chef Sir Archibald, für den Fall.

Niemand, aber auch wirklich niemand hätte sich damals träumen lassen, was ein kleiner Kriminalfilm im Jahr 1959 auslösen würde. Der Mut zu Neuem wurde belohnt und so trat der Film „Der Frosch mit der Maske“, nach dem Roman des britischen Autors Edgar Wallace, eine ganze Serie los, nämlich die erfolgreichste und langlebigste Kinoserie Deutschlands. Dieses Mal beschäftigen wir uns tatsächlich mit dem Ursprungsfilm der beliebten Reihe, mit einem der skurrilsten Bösewichte und dem Helden der ersten und weiteren Stunden: Blacky Fuchsberger

Als sich die Produzenten den britischen Film „The Ringer“, nach Wallace‘ gleichnamigen Buch, aus dem Jahr 1952 in einer Wiederaufführung ansahen, kamen sie gleich zu der Auffassung „Das können wir auch und zwar besser!“ Man plante die beliebten Krimis des „King Kong“-Autoren und 1931 gestorbenen Edgar Wallace zu verfilmen. Als erstes Werk wurde „Der Frosch mit der Maske“ in Deutschland und Dänemark produziert. Schon gleich sei gesagt, der Debütfilm ist nicht der Beste der Serie, jedoch, unter Berücksichtigung der Zeit, ein wahrer Geniestreich. Der Krimi war in Deutschland quasi tot. In einer Zeit in der nu Schmonzetten und Heimatfilme Konjunktur hatten, schlug der Reißer von Rialto-Film ein, wie eine Bombe. Schon hier erkennt man die Kernmerkmale, die das Franchise auch weiterhin auszeichnen sollten. Man erzeugte mit dem Schwarz/Weiß Look eine spannende und unheimliche Atmosphäre und setzte auf das bewehrte Gute gegen Böse Schema. Ein kühner Held, eine Frau in Nöten und fiese Gangster wurden nach dem „Frosch“ das Rezept für 31 weitere Produktionen bis 1972. Man merkt förmlich, dass hier mit viel Präzession gearbeitet wurde um einen hochwertigen Event-Film abzuliefern. Aus heutiger Sicht hat „Der Frosch mit der Maske“ deutlich Staub angesetzt. Vieles wirkt sehr altbacken und kann heute nicht mehr ganz so überzeugen. Allein die Kostümierung des Hauptbösewichts ist dermaßen abenteuerlich, dass einem mehr nach Lachen, als nach Furcht zumute ist. Eine Filzmaske auf die zwei Tennisbälle aufgeklebt wurden, mag vieles sein aber kein Frosch. Nun ja, schwamm drüber. Was man hervorheben muss, ist das der Krimi trotz allem immer noch gut unterhalten kann, was auch an der tadellosen Regie von Harald Reinl liegen mag. Der profilierte Filmemacher, der auch noch vier weitere Teile der Reihe inszenierte und auch zum Inventar der Karl May-Verfilmungen gehörte, ist ein vorzüglicher Handwerker. Er schafft es Spannung, etwas Grusel und eine düstere Atmosphäre aufzubauen, zudem hat er seine Darsteller sichtbar im Griff. Reinl erzeugt britisches Flair, obwohl der Film größtenteils in Dänemark und Berlin gedreht wurde. Man flog lediglich für das Filmen von bekannten Sehenswürdigkeiten nach London, die man dann einfach ins Bild einfügte, um für Authentizität zu sorgen. Mit seinen knapp 90 Minuten entgeht Reinl der Gefahr, sich unnötig in die Länge zu ziehen und liefert auf den Punkt ab. Mit Kamerafahrten und schönen Außenaufnahmen erzeugt der einstige Berg- und Heimatefilmregisseur gute Bilder und auch eine gewisse Härte lässt er einfließen um das Geschehen so authentisch, wie möglich zu gestalten. Allerdings wirken viele Dialoge heutzutage, etwas banal und weniger gut, als es vielleicht 1959 der Fall war. Aber das dieses Zugeständnis muss man machen. Dagegen bietet der Film schöne Keilereien und ein paar nette Sprüche, die man auch heute noch genießen kann. Auch die Auflösung ist gut gelungen und kann durchaus überzeugen.

Das große Plus sind aber die Darsteller. Allein Joachim Fuchsberger als furchtloser Held trägt mit seinem Charme und seiner Präsenz den ganzen Film. Unterstützt wird er von Siegfried Lowitz. Der später „Der Alte“-Star gibt eine schöne, verschrobene Darbietung als Inspektor von Scotland Yard. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Egal ob Dieter Eppler in einer zwielichtigen Rolle oder der UFA-Star Fritz Rasp, der mit seiner Erscheinung und seinem markanten Gesicht immer ein Gänsehautfaktor mit ins Spiel brachte. Auch Carl Lange hat wird mysteriös inszeniert und spielt dieses durch blose Mimik hervorragend. In seinem ebenfalls ersten Wallace-Auftritt ist hier Eddi Arent zu sehen, der mit gewohnt pointierten Dialogen, das geschehen etwas auflockert. Er sollte der Stammpart für die humoristischen Elemente werden, denn der Schauspieler kam danach in 22 weiteren Wallace-Krimis zu Einsatz, so viel wie niemand anderes. Lediglich Eva Anthes bleibt erschreckend blass und belanglos, was nicht wundert, da ihre Rolle auch nicht Mehr hergibt. Rundum ein gelungener Start für eine Reihe weiterer London-Reißer, die sich mit wachsender Star-Power in viel größere Sphären entwickeln sollte. Dieser Film wirkt auch weitaus bescheidener und ruhiger, was auch daran liegt, dass das Budget lediglich 600.000 DM betrug und keine großen Effekte zuließ.

Harald Reinls Eröffnungsfilm für die Wallace-Reihe, kann auch heute noch unterhalten. Man muss jedoch Abstriche machen. Vieles wirkt angestaubt und bieder. Jedoch entschädigen die Inszenierung und auch die Performance der meisten Akteure diesen Umstand. Rialto-Film ist hier ein guter, interessanter Krimi gelungen, der unter Betrachtung des zeitlichen Kontextes ein kleines Wunder darstellt.