Edgar Wallace: Der Hund von Blackwood Castle (1968)

Deutschland 1968
mit Heinz Drache, Karin Baal, Siegfried Schürenberg, Horst Tappert…
Drehbuch: Alex Berg
Regie: Alfred Vohrer
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.15!”

Blackwood Castle, ein Schloss in der nebeligen Moorlandschaft nahe London. Hier ist der Hausherr Kapitän Wilson gestorben. Seine Tochter Jane reist an, um ihr Erbe anzutreten. Doch auf dem Schloss geht es nicht mit rechten Dingen zu. Der Anwalt des Kapitäns verhält sich verdächtig. Jane soll undurchsichtige Dokumente unterschreiben. Andere seltsame Bekannte tauchen auf und scheinen etwas Bestimmtes zu suchen. Sie werden das Opfer eines blutrünstigen Riesenhundes der Nachts auf Menschenjagd geht. Jane ruft Sir John von Scotland Yard zu Hilfe, der eine interessante Entdeckung macht.

1968 stand großes bevor. Rialto-Film brachte den mittlerweile 25. Edgar Wallace-Film in die Kinos und zu diesem Jubiläum hatte sich Produzent Horst Wendlandt etwas Besonderes ausgedacht. Ein großer Jubiläums-Krimi sollte es werden, etwas Außergewöhnliches. Nun, das hat Wendlandt geschafft und mit „Der Hund von Blackwood Castle“ einen unterhaltsamen Krimi-Spaß produziert, der zwar weit weg von Wallace ist, dafür als pulpige Schatzsuche, mit Starbesetzung, extrem gut unterhalten kann.

„Der Hund von Blackwood Castle“ gehört zu der Phase, der Kino-Serie, in der man lediglich Titel des berühmten Schriftstellers nutze und eigene Geschichten kreierte, die man dann in gewohnter Manier auf Zelluloid bannte. So orientiert sich die Handlung des Films eher an Arthur Conan Doyles bekannter Geschichte „Der Hund von Baskerville“ und hat auch vom Titel her nichts mit Edgar Wallace zu tun, lediglich Motive aus diversen Romanen wurden hier verarbeitet. Zum Jubiläum wollte man eben etwas Besonderes in die Kinos bringen und nicht nur einen typischen Wallace-Krimi nach Schema F. So gibt es hier auch keinen skurril maskierten Unhold, sondern einen bösen Hund mit Giftzähnen, der mit Vorliebe auf Menschenjagd geht. Aber dieser Umstand ist nicht das Prunkstück des Films. Horst Wendlandt und sein Stammregisseur Alfred Vohrer inszenieren hier eine verzwickte Gauner-Geschichte, denn wie schon die Handlung verrät, birgt Blackwood Castle ein Geheimnis, welchem diverse Figuren auf den Grund gehen wollen, koste es was es wolle. So entsteht ein unterhaltsames Stell-dich-ein bekannter Gesichter, die sich gegenseitig auszuspielen versuchen. So weit von Wallace die Grundidee auch weg sein mag, das Setting könnte typischer nicht sein. Ein altes Schloss, das düstere Moor, dichter Nebel, ein seltsames Gasthaus und jede Menge zwielichtige Figuren, bei denen man nie weiß, was sie genau im Schilde führen. Vohrer und sein Team haben hier sichtlich Spaß. Der Streifen wartet mit vielen gelungenen Ideen, Twists und Spielereien auf. Auch bemühte man sich um Grusel, der aber, wie bei vielen Werken der Reihe, heute eher für Schmunzeln sorgt, als für Schweißperlen auf der Stirn.

Natürlich fehlt auch nicht der bekannte Humor, und so vermischt der Film alle bekannten Zutaten für einen gelungenen Reißer. Auch wenn man die Handlung, insbesondere die Auflösung, schon etwas früher errät, macht das bunte Treiben bis zum Ende Spaß. Viele Szenen wirken schon fast, wie ein Theaterstück, zum Beispiel wenn sie im Gasthaus „Old Inn“ spielen. Viele bezeichnen den Film als etwas fad, was ich nicht direkt unterschreiben würde. Klar gibt es hier nicht die übliche Mörderhatz, denn viel Laufzeit wird den halbseidenen Charakteren geopfert. Was man vielleicht kritisieren könnte sind ein paar Logiklöcher, die man aber bei Wallace in Kauf nehmen muss, gerade wenn Vohrer am Ruder saß, dessen Devise oft „Action vor Logik“ war. Aber auch dieser Film hat einfach Charme und sorgt für blendende Unterhaltung. Auch die Darsteller haben sichtlich Freude und liefern schöne Auftritte ab. Egal ob „Derrick“ Horst Tappert als Ganove, Heinz Drache als zwielichtiger Feriengast, die große Agnes Windeck als Wirtin, Alexander Engel als Dorfarzt oder Arthur Binder als Hausdiener Grimsby, der einiges im Schilde führt. Wie immer schön anzusehen: Karin Baal. Die Schauspielerin, die auch schon in „Die toten Augen von London“ an der Seite von Blacky Fuchsberger agierte liefert hier eine tolle Performance ab. Sie ist nicht die „Damsel in Distress“, sondern tritt selbstbewusst und stark auf, etwas was mir an ihr immer gefallen hat und sie fast schon zu meinem Lieblings Wallace-Girl krönt, obwohl sie lediglich in drei Filmen der Serie zu sehen ist. Wie immer fantastisch: Siegfried Schürenberg als Sir John. Es ist wirklich löblich, dass man sich hier entschlossen hat, den trotteligen Chef von Scotland Yard ermitteln zu lassen. Fast schon in „Inspektor Clouseau“-Manier stolpert der Polizeichef durch Szenerie und sorgt für einige wunderbar heitere Momente. Auch die Musik von Peter Thomas kommt sehr cool rüber. Gerade das Hauptthema, welches sehr an „Der Hexer“ erinnert, schafft schon die Grundstimmung. „Der Hund von Blackwood Castle“ war ein voller Erfolg, aber auch der letzte Film der Reihe, den ich als sehr gut bezeichne. Denn sowohl der Nachfolger „Im Banne des Unheimlichen“, als auch die beiden Krimis mit Tappert als Inspektor, konnten mich nur teils überzeugen. Danach kamen die Italo-Produktionen, die gänzlich anders waren, aber das ist eine andere Geschichte.

„Der Hund von Blackwood Castle“ ist ein adäquater Jubiläumsfilm für die erfolgreiche Reihe. Tolles Ensemble, schöne Stimmung und das typische 60er Flair runden dieses Gauner-Stück zu einem unterhaltsamen Werk ab, welches zu den besten aus der Farbfilm-Phase gehört.

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