Edgar Wallace: Der unheimliche Mönch (1965)

„Hallo, hier spricht Edgar Wallace!“ Vol.6

 Auf dem Sterbebett ändert der Schlossherr von Darkwood sein Testament zugunsten seiner Enkelin. Seine Söhne erben nichts. Am gleichen Abend wird der Notar auf geheimnisvolle Weise umgebracht. Eine vermummte Mönchsgestalt mit einer Peitsche soll nachts mordend durch den Schlosspark geistern…

 

Im sechsten Teil meiner Edgar Wallace-Reihe widme ich mich heute wieder einem unbestreitbaren Klassiker der kultigen Grusel-Krimi Serie. Der 1965 erschienene „Der unheimliche Mönch“ gehört zu den Glanzlichtern der Kult-Reihe und war zudem der letzte Film in Schwarz-Weiß, bevor man anfing in Farbe zu drehen. Mit Starbesetzung, solider Spannung und toller Atmosphäre gelang den Machern um Horst Wendlandt wieder ein kleines Meisterstück.

In „Der unheimliche Mönch“ gehen seltsame Dinge auf Schloss Darkwood vor. Mädchen des hauseigenen Internats verschwinden spurlos und ein maskierter Mönch, inklusive Peitsche, treibt sein Unwesen. Aber auch in der Familie von Herrin Lady Patricia geht es nicht mit rechten Dingen zu. Der Film verwebt gekonnt zwei Handlungstränge ineinander. Zum einen wird wieder das Motiv der Erbschleicherei verwendet. Eine Unwissende erbt ganz viel Schotter und die raffgierigen Verwandten wollen natürlich der holden Schönheit ans Leder. Der andere Strang, um das Verschwinden der Mädchen und was dieser mordende Mönch damit zu tun hat, findet auch seinen Platz und wird am Ende gut aufgelöst. Wo andere Wallace-Verfilmungen krampfhaft versuchen, verzwickte Twists einzubauen und somit über ihre eigene Logik stolpern, wirkt das bei dem vorliegenden Film, wie aus einem Guss. Die Handlung entfaltet sich ganz problemlos und alles geht locker von der Hand, ohne verkrampft zu wirken, was ein großes Plus für den Streifen ist. Auf dem Regiestuhl saß hier diesmal nicht Alfred Vohrer, sondern der einstige Berg- und Heimatfilmer Harald Reinl. Der zeigt viel Gespür für die Story und für schöne Aufnahmen. Panoramen und lange Kameraschwenks gehörten zur Spezialität des Filmemachers. Aber auch bei Reinl sitzt die typische Wallace-Atmosphäre, wobei man den Geisterbahn-Grusel diesmal zurückstellt und sich mehr auf die Figuren und die Geschichte konzentriert hat. Durchbrochen wird dies vom Mönch, der mit seiner Peitsche ziemlich kreativ seine Opfer um die Ecke bringt.

Auch auf der Habenseite befindet sich das großartige Ensemble. Harald Leipnitz darf hier zum 1. Mal den Inspektor mimen, in „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ war er als Ganove zu sehen, und macht seine Sache sehr gut. Schade das er danach nur noch einen Auftritt hatte. Auch Karin Dor, die Frau von Harald Reinl, glänzt als unschuldige „Damsel in distress“ wie in ihren früheren Auftritten. Für sie war es der letzte Wallace-Film. Die weiteren Akteure lesen sich wie ein Who-is-who. Siegfried „Der Alte“ Lowitz als schurkischer Anwalt stiehlt allen etwas die Show und Siegried Schürenberg darf als „Sir John“ wieder herrlich albern sein. Ilse Steppat, Dieter Eppler, Kurt Waitzmann, Rudolf Schündler, Uta Levka, Uschi Glas und der große Eddi Arent vervollständigen diese exzellente Besetzungsliste. Alle glänzen in ihren Rollen und treiben die Story gut voran. Der Film hat zudem kaum Längen und gestaltet sich mit lockeren 82 Minuten recht kurzweilig. Zudem ist das Finale wunderbar gemacht und der Showdown mit dem Mönch, ist hervorragend gemacht und sehr schöhn gestaltet. „Der unheimliche Mönch“ war der 20. Film der Rialto-Reihe und, wie schon erwähnt, der letzte in Schwarz-Weiß. Ab dem darauf folgenden „Der Bucklige von Soho“ wurde nur noch in Farbe gedreht, was die Reihe einen großen Teil ihrer Atmosphäre kostete. Aber Schwamm drüber, denn zum Abschluss dieser Ära gab es nochmal einen wirklich tollen Krimi.

„Der unheimliche Mönch“ ist einer der besten Wallace-Verfilmungen. Der letzte Schwarz-Weiß Beitrag glänzt durch seine gute Inszenierung und die geschickte erzählte Handlung, die sich sauber und ohne Fehler gut entfaltet. Die Atmosphäre stimmt und ein gut aufgelegtes Ensemble aus guten Schauspielern und bekannten Wallace-Gesichtern runden dies gekonnt ab. Definitiv zu empfehlen und für Einsteiger gut geeignet.