Edgar Wallace: Der Zinker (1963)

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.10”

Seit Jahren treibt der so genannte „Zinker“ in der Londoner Unterwelt sein Unwesen. Immer wenn dort gestohlene Ware verhökert werden soll, meldet er sich, um diese zu Tiefstpreisen an sich zu reißen. Falls die Diebe auf sein Angebot nicht eingehen, „verzinkt“ er diese bei Scotland Yard. Larry Greame, ein aktenkundiger Unterweltler, hat dem großen Unbekannten jedoch eine Falle gestellt und kennt seine Identität. Kurz bevor er den Zinker verraten kann, wird er aber eiskalt mit dem Gift einer Schwarzen Mamba ermordet. Inspektor Elfords Spur führt zunächst zu Mrs. Mulford, der Besitzerin einer Tierhandlung, und deren Geschäftsführer Frank Sutton, denn dort wurde kurze Zeit vorher eine schwarze Mamba entwendet…

 

Im Jahr 1963 war die Edgar Wallace-Serie auf ihrem Höhepunkt. „Das Gasthaus an der Themse“ war ein enormer Publikumserfolg und ist auch heute noch der Film, mit den meisten Kinobesuchern, den die Reihe vorzuweisen hat. Nach diesem Hit, wollte man ebenso an den Erfolg anknüpfen und karrte wieder Regisseur Alfred Vohrer hinter die Kamera, der mit „Der Zinker“ seinen dritten Wallace-Film inszenierte. Und der gehört zu durchaus zu den gelungensten Beiträgen der Film-Serie. Ein stimmiger Krimi mit guter Atmosphäre, dem auch das vorhersehbare Ende wenig Schaden zufügt.

„Der Zinker“ ist wohl neben dem „Hexer“ und dem „Mönch mit der Peitsche“ eine der markantesten Verbrecher-Figuren, die Edgar Wallace geschaffen hat. Schon 1932 wurde der Stoff als Stummfilm umgesetzt und auch 1959 bekam der berühmte Roman eine filmische Umsetzung aus Deutschland. Aber erst 1963, als Teil der von Horst Wendlandt produzierten Kinoserie, wurde es ein großer Erfolg, zu Recht. Vohrers Krimi ist ein äußerst spannendes und unterhaltsames Genre-Stück. Die Story an sich ist gut ausgearbeitet, die Methode Menschen mit dem Gift der schwarzen Mamba zu töten hat ihren Reiz und dies wird interessant umgesetzt. Lediglich die Backstory, dass „Der Zinker“ ein Verbrecher ist, der gerne Menschen erpresst, vor allem Gangster, und eher auf Geld und Juwelen aus ist, geht etwas zu Gunsten privater Geheimnisse und persönlicher Motive innerhalb der Familie von Mrs. Mulford verloren. Dies ist nicht weiter tragisch, denn der Film funktioniert trotzdem und zeigt wieder einmal, dass Alfred Vohrer genau der richtige Regisseur für die Filme war. Sein etwas pulpiger Inszenierungsstil, der später noch weiter getrieben wurde, trägt den Film ungemein und entwickelt eine ganz eigene Spannung. Das Spiel mit Licht und Schatten, Grusel-Elemente, zwielichtige Figuren und ein gewisses Maß an Brutalität machen seine Werke innerhalb der Reihe unverwechselbar. Auch seine Vorliebe für ungewöhnliche Kameraeinstellungen, wie zum Beispiel der Shot aus einem Mund in diesem Film. Die 85 Minuten vergehen sehr kurzweilig und auch sonst hat der Streifen einen schönen Drive und kaum Längen. Der Spagat zwischen bedrohlichen Thriller-Momenten und ulkigem Humor gelingt auch hier wieder ganz gut und der Film gehört noch zu den Werken der Reihe, die sich nicht in Albernheiten verzettelten und dadurch drohten eher peinlich zu werden. Der Humor ist gut dosiert und schadet dem Krimigenuss wenig.

Auch die Darsteller sind wieder gut gewählt. In seinem zweiten Einsatz ist hier Heinz Drache als ermittelnder Inspektor zu sehen, der immer ein wunderbarer Gegenpol zu Joachim Fuchsberger war. War „Blacky“ immer der strahlende, edelmütige und kühne Retter für Frauen in Not, der am Ende nicht nur den Fall löste sondern auch immer das Mädchen bekam, war Drache immer das Raubein, der auch mal etwas zum Rabiaten neigte, ohne aber brutal zu werden. Bei ihm kam neben der Härte immer etwas Verschmitztes rüber, was ihn sehenswert machte. Barbara Rütting ist hier als Beryl Stedman die weibliche Hauptfiguer. Ihr Selbstbewusstsein ist eine gute Abwechslung zu den üblichen Hascherln, wie Karin Dor. Günther Pfitzmann gab hier seinen einzigen Auftritt in der Reihe und spielt auch sehr gut. Der Rest der Besetzung besteht aus den üblichen Verdächtigen. Siegfried Schürenberg spielt den Zeitungschef Fielding, Sir John kommt hier nicht vor, die wundervolle Agnes Windeck ist wie in ihren anderen Auftritten als Schlossherrin zu sehen und Albert Bessler spielt mal wieder einen Butler. Eddi Arent ist der obligatorische Comic-Relief Reporter, der immer wieder die Szenerie auflockert und Klaus Kinski darf als stummer Tierpfleger mit psychopatischen Tendenzen mal wieder Unheil verbreiten und kommt sehr creepy rüber. Der Soundtrack von Peter Thomas ist wie immer schön anzuhören und seine Jazz-Arrangements untermalen wunderbar den Film. Lediglich der Schluss macht nicht so viel her, ist der Twist und die Entlarvung des „Zinkers“ doch vorhersehbar, lediglich die Art und Weise ist gut gemacht. Der 12. Film der Rialto-Serie war ebenfalls eine Koproduktion, dieses Mal mit der französischen Filmgesellschaft „Les Films Jaques Willemetz“ und man drehte unter anderem in London, was ja eher selten bei Wallace war.

„Der Zinker“ ist ein weiterer gelungener Wallace-Krimi aus der glorreichen Schwarz/Weiß-Ära. Mit guter Besetzung und guter Inszenierung bekommen wir einen spannenden Krimi der tadellos unterhält, auch wenn das Ende vorhersehbar ist. Definitiv einer der gelungensten Beiträge der Kult-Reihe.