Edgar Wallace: Die Bande des Schreckens (1960)

Deutschland 1960
mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Elisabeth Flickenschildt, Eddi Arent…
Drehbuch: J. Joachim Bartsch, Wolfgang Schnitzler
Regie: Harald Reinl
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.19”

Bei seiner Verhaftung in einer Londoner Bank erschießt der jahrelang gesuchte Scheckfälscher und Betrüger Clay Shelton einen Polizisten. Als er daraufhin wegen Mordes angeklagt wird und gehängt werden soll, veranlasst er als seinen letzten Wunsch das Erscheinen aller freiwillig oder unfreiwillig an seiner Verhaftung und Verurteilung beteiligten Personen, um ihnen seine Rache zu prophezeien. Nach der Hinrichtung Sheltons sind diese Warnungen zunächst vergessen, bis Chefinspektor Long – maßgeblich an der Verhaftung Sheltons beteiligt – nur knapp einem Mordanschlag entgeht. Der Staatsanwalt, der Richter und der Henker werden bald darauf auf mysteriöse Weise umgebracht…

Nachdem die ersten Edgar Wallace-Verfilmungen „Der Frosch mit der Maske“ und „Der Rote Kreis“ kassenträchtige Erfolge waren, ging die Wallace-Mania so richtig los. Mit „Die Bande des Schreckens“, dessen Vorlage als einer der besten Romane des Autors gelten, kam kurz darauf der dritte Krimi in die Kinos. Zweifelsohne der beste Film der Frühphase, bietet der Krimi Spannung, eine gute Story und gute Darsteller.

Knapp drei Wochen vor Kinostart veröffentlichte Kurt Ulrich seine eigene Wallace-Adaption, „Der Rächer“. Diese kam jedoch bei Kritik und Publikum weniger an, jedoch sorgte „Die Bande des Schreckens“ für volle Lichtspielhäuser. Im Gegensatz zu dem Epigonen konnte die Rialto Produktion mit einem Element besonders punkten: Dem Gruselfaktor. Die Geschichte um einen hingerichteten Mörder, der sich, allem Anschein nach, aus dem Jenseits heraus rächt, ist ein guter Aufhänger für einen spannenden Thriller. Regisseur Harald Reinl und sein Team verstehen es auch hier, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Das Drehbuch ist gut ausgearbeitet worden und Logikfehler findet man hier fast keine, somit kann stringent die Handlung erzählt werden und die birgt alle notwendigen Zutaten, für den Wallace-Cocktail. Unheimliche Morde, ein furchtloser Inspektor, eine Frau in Nöten, zwielichtige Figuren, einen Schuss Humor und das so liebevoll gekünstelte London-Flair. Das ist Wallace, wie wir es lieben. Harald Reinl, der nach „Der Frosch mit der Maske“ zum zweiten Mal, innerhalb der Reihe, Regie führte, zeigt wieder sein ganzes Können. Stimmungsvolle Bilder, schöne Kamerafahrten und ein Gespür für Timing und Atmosphäre zeichnen diesen Schwarz/Weiß-Krimi aus. Gerade das lange Finale in dem leeren Golfhotel ist sehr gut gelungen. Mit Rasanz und Spannung hangelt sich Reinl von einer aufregenden Szene zur Nächsten. Auch die Auflösung, die bei der Reihe ja nicht immer so gelungen ist, konnte mich bei diesem Film wirklich überraschen. Reinl arbeitet nicht mit einer so offenkundigen Skurrilität, mit dem Hang zum Trash, wie es ein Alfred Vohrer immer tat, jedoch schafft es der einstige Berg- und Heimatfilmer die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten.

Die Figurenkonstellation hingegen bleibt wie immer in klassischen Bahnen. Der Inspektor ist der furchtlose Held, die Frau das rettungsbedürftige Hascherl, der Polizeifotograf der witzige Sidekick und der Rest der Figuren besteht aus halbseidenen Charakteren, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Das mag, im Hinblick auf die Serie, etwas abgedroschen sein aber es funktioniert einfach immer wieder. Rialto-Film hatte einfach ihre Formel gefunden, die auf jede Verfilmung der britischen Kriminalromane angewandt wurde. Man kann das langweilig finden aber als Nostalgiker, wie ich einer bin, hat man daran seinen Spaß. Der Film erschöpft sich nicht, sondern bietet pfiffigen Spaß, wie man es am liebsten hätte. Die Twists funktionieren und das Raten macht wie immer Freude. Auch konnte man hier wieder eine Idealbesetzung vor der Kamera versammeln. Unser liebster Mann von Scotland Yard, Joachim Fuchsberger, zieht alle Register. Er ist einfach der geborene Held, obwohl viele behaupten er sei etwas zu bieder. Ich mag zwar auch die etwas rauere Interpretation eines Heinz Drache sehr gerne, jedoch ist Blacky für mich der Held schlechthin. Mit Charme, Esprit und Scharfsinn kann er einfach immer überzeugen. Seine Spielpartnerin Karin Dor gibt ebenfalls eine gute Figur ab, obwohl sie, für meinen Geschmack, immer etwas zu brav war. Wer allen die Show stiehlt ist jedoch die große Elisabeth Flickenschildt, die hier ihren ersten Wallace-Auftritt absolviert. Wenn sie das Bild betritt gehört die Szene einfach ihr. Als witziger Part darf hier wieder Eddi Arent herhalten, der als Polizeifotograf keine Leichen sehen kann und immer wieder in Ohnmacht fällt, was gelungen ist, da er den Film nicht aufhält. Der Rest des Casts wird mit Dieter Eppler, Ulrich Beiger, Ernst Fritz Fürbringer und Fritz Rasp komplettiert, die man schon aus den vorherigen Wallace-Filmen kannte. Natürlich war der Streifen ein großer Erfolg, jedoch ahnte niemand, dass noch weitere 29 Filme folgen sollten.

 

„Die Bande des Schreckens“ aus dem Jahr 1960 gehört zu den besten Krimis der Marke Edgar Wallace. Blacky Fuchsbergers Jagd auf einen, vermeintlichen, Geist macht immer wieder Spaß. Gut inszeniert mit einem Gespür für dramaturgische Kniffe leistet Harald Reinl ganze Arbeit. Die hervorragende Besetzung, allen voran Elisabeth Flickenschildt, tut ihr übriges und setzt diesem gelungenen Wallace-Cocktail das Sahnehäubchen auf.

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