Edgar Wallace: Die Tür mit den sieben Schlössern (1962)

“Hallo, hier spricht Edgar Wallace Vol.11”

Eine erste Spur zur Aufklärung einer rätselhaften Mordserie führt Inspektor Martin von Scotland Yard zum Schloß des verstorbenen Lord Selford. Dieser hat vor seinem Tod sieben Freunden je einen Schlüssel anvertraut, die zu einer Tür passen, hinter der das Familienvermögen verborgen ist. Erst am Tag seiner Volljährigkeit soll Selfords Sohn das Erbe übernehmen. Doch bald stellt sich heraus, daß der Sohn nicht mehr lebt. Nächstfolgende Erbin ist Selfords Nichte Sybil. Als auch sie bedroht wird, greift Inspektor Martin im letzten Moment ein…

 

Nachdem der Vorgänger „Das Rätsel der roten Orchidee“ 1962 ein Misserfolg war, ging Horst Wendlandt beim nächsten Wallace-Krimi wieder auf Nummer sicher und setzte zum zweiten Mal nach dem erfolgreichen „Die toten Augen von London“, Regisseur Alfred Vohrer auf den Regiestuhl. Im Juni 1962 erschien daher „Die Tür mit den sieben Schlössern“, der neben einer klassischen Erbschleicher-Story, wie schon bei den „Toten Augen“, einige Grusel-Elemente zu bieten hatte und teilweise stark an klassische Horror-Geschichten, wie „Frankenstein“ angelehnt war.

Die eigentliche Handlung von „Die Tür mit den sieben Schlössern“ bedient sich klassischen Versatzstücken und Mustern, die vorher als auch später in den Filmen der Edgar Wallace-Serie verwendet wurden. Die „MacGuffins“ sind hier sieben Schlüssel, die nur zusammen eine Tür in einem alten Schloss öffnen können, in der sich ein Schatz verbirgt. Natürlich werden diverse Schlüsselträger ermordet und so muss Scotland Yard die Ermittlungen aufnehmen. Auch wenn das alles andere als originell ist, entwickelt sich die Geschichte dennoch in eine Richtung, die man so nicht erwarten wird. Vohrer beweist einmal mehr sein Gespür für Spannung und dezenten Grusel, das Spiel mit Licht und Schatten, sowie eine dynamische Inszenierung. Durch diese Merkmale wurde er fortan zu dem meistbeschäftigten Regisseur innerhalb der Reihe und seine Stilmittel gehören mittlerweile zu den Standartzutaten für einen zünftigen Wallace-Krimi. Zum ersten Mal hielten saftige Grusel-Elemente Einzug in das Franchise und wo sich Vohrer mit „Der Hund von Blackwood Castle“ oder „Die blaue Hand“ schon bei klassischer Schauer-Literatur bediente, zitiert er, vor allem im letzten Akt dieses Films, offensichtlich „Frankenstein“. Ady Berber war in einer ähnlichen Rolle, das tumbe, mordende Ungeheuer, bereits in „Die toten Augen von London“ zu sehen. Hier wird diese Referenz erneut deutlich. Auch das Element des wahnsinnigen Wissenschaftlers, der biologische Experimente mit Tieren und Menschen durchführt, ist daher eine direkte Kopie der Figur aus Marry Shelleys Kultroman. Auch wenn die Kombination aus klassischem Krimi-Plot und Horror-Elementen phantastischer Natur nicht so ganz kohärent ist, macht sie dennoch in ihrem unverblümten 60er Charme durchaus Laune. Allerdings ist die Auflösung, wie so oft bei Wallace, etwas undurchsichtig und für den Zuschauer nicht so ganz nachvollziehbar, da der Film auch einige Logiklücken hat, die man aber in Kauf nehmen muss. Die fallen zwar über weite Strecken nicht so ins Gewicht, schmählern den Genuss im Finale allerdings ein klein wenig.

Auf der Habenseite steht zu dem eine tolle Besetzung. Erstmals, wenn man die Kurt Ulrich Produktion „Der Rächer“  aus dem Jahr 1960 unterschlägt, ist Heinz Drache als Inspektor in einem Wallace-Film zu sehen, der seine Sache mit Bravour erledigt. Draches verschmitzter Charme und seine Raubeinige Art, gepaart mit leicht zynischem Humor wurde schnell beliebt und ein interessanter Gegenpol zu Kollege Joachim „Blacky“ Fuchsberger, der eher als strahlender Gesetzeshüter auftrat. Sabina Sesselmann ist als Sybil Landsdown das zweite Mal in einem Krimi der Reihe zu sehen, bleibt aber weitestgehend farblos und kommt nicht an die üblichen Darbietungen von Karin Baal oder Karin Dor heran. Erstmals ist auch Hans Nielsen zu sehen, der eine routinierte Vorstellung abliefert. Den Vogel schießt sicherlich Pinkas Braun ab, der als durchgeknallter Arzt eine tadellose Performance abliefert und klar das Highlight des Films darstellt. Auch übliche Gesichter, wie Werner Peters, Gisela Uhlen und Jan Hendricks füllen ihre Rollen gekonnt aus und erstmals tritt Siegfried Schürenberg als „Sir John“ in Erscheinung, dessen Rolle er in 13 weiteren Filmen der Reihe spielte, zudem in 4 weiteren, in denen er andere Charaktere verkörperte. Eddi Arent sorgt, wie gewohnt, für die ulkig heiteren Momente als Assistent des Inspektors und Klaus Kinski tritt ebenfalls in einer interessanten Rolle auf, allerdings nur in einer Szene, was schade ist, da ich von ihm gerne mehr gesehen hätte. Somit hat der Streifen durchaus eine tolle Besetzung, was dem Film zu Gute kommt. Einziger Schwachpunkt ist die Musik von Stammkomponist Peter Thomas, der hier zwar gewohnte Musikuntermalung vorlegt, jedoch kein einziges, eingängiges Thema vorweisen kann, weshalb der Score recht unspektakulär bleibt. Nachdem Misserfolg des Vorgängers, wurde der Film wieder zu einem großen Hit, der zwar von den Kritikern eher verschmäht wurde, jedoch heute zu den 6 Wallace-Filmen gehört, die beim Start über 3 Millionen Besucher verzeichnen konnten.

„Die Tür mit den sieben Schlössern“ ist einer der interessantesten Krimis aus der Reihe, verknüpft er doch klassische Krimi-Motive mit „Frankenstein“-Referenzen und erzeugt somit eine gelungene Atmosphäre. Die famose Besetzung tut ihr übriges und macht aus dem 10. Wallace-Film von Rialto einen spannenden Reißer, der sehr gut unterhält.

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