Edgar Wallace – Im Banne des Unheimlichen (1968)

Der bei einem Flugzeugabsturz verstorbene Sir Oliver Ramsey wird zu Grabe getragen, als ein unheimliches Lachen aus dem Sarg ertönt. Sein Bruder, Sir Cecil, glaubt nicht, dass sein Bruder wirklich tot ist, sondern hält ihn vielmehr für den Mörder des Familienanwalts Dr. Merryl und fürchtet um das eigene Leben. Inspektor Higgins und die Journalistin Peggy Ward entdecken einige Intrigen um Sir Cecil, der dem Wahnsinn immer näher ist.

 

1968 steuerte die Edgar Wallace-Reihe schon ihrem Ende entgegen. Die alten Fans wanden sich von den immer pulpiger werdenden Krimis ab. Die neue Genration konnte auch nicht viel damit anfangen, zu albern war doch der Versuch die etablierte Kult-Reihe auf ein jüngeres Publikum zu trimmen. Bevor allerdings die Italiener Einzug erhielten, sumpfte die Reihe noch auf deutschem Boden herum. So auch „Im Banne des Unheimlichen“, der trotz guter Ideen eher im unteren Feld des Franchise anzusiedeln ist.

Wie gewohnt bedient sich Stammregisseur Alfred Vohrer bei gängigen Gruselelementen und versucht die eher lasche Story aufzupäppeln. Dieses Unterfangen geht allerdings etwas nach hinten los. Obwohl der Film mit vertrautem Ambiente durchaus „Wallace-Feeling“ produziert, wirkt der Mix aus Humor und Gruselspannung äußerst unausgegoren. Man versucht zwischen Stimmungen hin und her zu wechseln um alle Fans glücklich zu machen, jedoch war selten ein Wallace so trashig wie dieser hier. Nicht ohne Grund diente die Kostümierung des Mörders als Vorlage für die „Wixxer“-Filme, entsprechend lachhaft kommt das ganze rüber. Auch die Dialoge wirken abgenutzt und gehen nach Schema F. Vohrer kann man als Regisseur nicht unbedingt einen großen Vorwurf machen. Seine Inszenierung ist wie immer sehr souverän und er schafft es an einigen Stellen durchaus Stimmung zu erzeugen, jedoch macht ihm das Drehbuch einen Strich durch die Rechnung und seine Ausflüge in Grusel-Gefilde sind eher unfreiwillig komisch als spannend oder fesselnd. Alles wirkt äußerst durchwachsen und krude, zudem sehr zusammengeschustert. Da funktionieren andere Werke innerhalb der Serie, wie zum Beispiel „Die toten Augen von London“ äußerst besser und arbeiten gekonnter mit Horror-Elementen. Man muss auch dazu sagen, dass diese Dinge in Schwarz/Weiß einfach besser funktionierten als in der poppigen Farbe. Auch Vohrers typischer Humor, den man mit leichten Sex-Anflügen würzen wollte, kommt hier, wie auch in den Nachfolgern, eher als Altherrenwitz zum Vorschein, als jung und frisch.
Auf der Darstellerseite tummeln sich natürlich wieder die üblichen Verdächtigen. Blacky Fuchsberger gibt uns mal wieder den Inspektor, welchem man hier aber nicht unbedingt die Lust ansieht. Der großartige Siegfried Schürenberg wurde hier leider in Pension geschickt, in „Die Tote aus der Themse“ tritt er aber noch einmal als Sir John auf, und wird hier durch Hubert von Meyernick ersetzt, der auch wie Schürenberg, mit seinem Sir Arthur für die Gags zuständig ist, was noch ganz gut funktioniert. Ansonsten Ilse Pagé als Miss Finnley und Pinkas Braun gibt wieder den zwielichtigen Charakter. Andere Darsteller wie Wolfgang Kieling oder Claude Farell spielen routiniert bis gut.
Sehr gut allerdings ist wieder einmal der Score von Peter Thomas, dessen jazzig/poppige Sounds den Film durchgängig bereichern. Besonders der Titelsong „Space of Today“ ist ein richtiger Ohrwurm.

Der 26. Edgar Wallace-Film schafft es nicht an alte Glanzzeiten anzuknöpfen. Stattdessen bekommen wir einen albernen „Grusel“-Krimi, der vergeblich versucht hip und frisch zu sein aber auch seine Stammfans zu bedienen. Daraus resultiert ein unausgegorener und sehr fader Film mit staubigen Scharmützeln und aufgewärmten Gags. „Im Banne des Unheimlichen“ läutete somit den Niedergang der Reihe ein und zog noch zwei weitere ebenso maue Filme nach bevor die Italiener der Marke eine Frischzellenkur verpassten.