Eine Frage der Ehre

Ein perfekter Film!

Es gibt exakt zwei Schauspieler bei denen ich konsequent abschalte. Der eine ist Adam Sandler. Der Andere Tom Cruise. Ich möchte jetzt nicht unbedingt weiter darauf eingehen warum das so ist. Obwohl ich sagen muss, dass es drei Filme mit Herrn Cruise gibt, die ich tatsächlich sehr gut finde: „Geboren am 4. Juli“, „Magnolia“ und diesen hier. Dies hat aber mitnichten was mit Herrn Cruise zu tun. Ich denke die Rolle die er da spielte passt zwar gut in sein Saubermann-Image, allerdings hätte das auch andere sehr gut spielen können. Aber diese Rolle passte eben in sein Repertoire. Was diesen Film hervorsticht aus den anderen Gerichtsthrillern (die ich im Übrigen als Subgenre sehr gut finde, wie z.B. „Das Urteil von Nürnberg“ oder „Die 12 Geschworenen“) sind zwei Komponenten: 1.) das Setting im Militärgebiet und 2.) Jack Nicholson. Kommen wir zunächst zu Punkt 1. Das Militär gilt allgemein hin als ein Ort der vertrauensvollen Sicherheit. Wohlgemerkt es war 1993 und die Problematik des US-Militärs war zwar damals schon vorhanden (mit all seinen obskuren Entscheidungen), aber noch nicht so problembelastet wie heutzutage. Militärstützpunkte haben nicht nur ihr eigenes Gesellschaftssystem. Sind sie doch auch Spiegelbild der allgemeinen Gesellschaft und ihr unterbewusster Drang nach Führung, nach Hierarchie. Hier zählen andere gültige Codes und Lebensmaxime wie im „normalen“ Leben. Und doch ähneln sie denen auf hintergründige Weise. Wir geben manchmal unseren freiheits- und Selbstbehauptungswillen ab zu Gunsten von Leitpersonen um unser eigenes Gewissen nicht mit Schuld zu besühnen. Wir sind manchmal nicht gefestigt dem zu folgen was wir wollen. Und da kommen dann Personen ins Spiel, die diese Führung uns abnehmen. Und wir geben uns zufrieden damit. Wir folgen und wir befolgen. Und hier setzt der Knackpunkt des Filmes an. Hier kommt der gesellschaftspolitische Aspekt ins Spiel. Sind Entscheidungen die wir abgeben und denen wir dann folgen moralisch für uns vertretbar obwohl wir sie abgegeben haben und im tiefsten unseres Herzens gegen sie sind, sie aber dennoch tolerieren? Ist es nicht im Sinne einer verantwortungsvollen und besseren Gesellschaft sinnig uns gegen diese Entscheidungen zu stellen und sie zu widersprechen? Müssen wir nicht als geistig und moralisch gefestigte Menschen uns gegen Entscheidungen stellen, die verwerflich sind? Der Drang nach Freiheit des Handelns und dessen positive Rechtfertigung müssen doch in uns wohnen. Was passiert aber wenn wir folgen und uns unterdrücken lassen in unseren Entscheidungen? Dann passiert eben genau das was den beiden Soldaten passiert im Film und wie das Ende des Films auch herausstellt: Es war falsch was getan wurde und wir hätten uns dagegen stellen müssen. Wenn wir das nicht tun, machen wir uns mitschuldig. Egal bei welchen Sachverhalt. Und hier hat der Film genau die reinigende Funktion des Denkens gefunden die er haben will. Und das erreicht er durch die Schauspieler und die spannungsgeladene Inszenierung von Rob Reiner. Nicholsons Auftritt dauert im gesamten Film nicht sehr lange. Aber wenn er auftritt, dann erbebt die Leinwand. Seine Darstellung des Colonel Jessup ist mit die beste aller Zeiten Nicht nur von ihn, sondern im Allgemeinen. Er spielt nicht den Colonel; er ist es. Auch alle anderen am Film beteiligten (selbst Herr Cruise) sind von höchster Professionalität bestimmt: von den bis in die kleineste Rolle perfekt besetzte Darsteller (wie z.B. J.T. Walsh oder Xander Berkeley), dem Drehbuchautoren Aaron Sorkin (Oscar für „The social Network“) oder Kameramann Robert Richardson: nichts ist hier dem Zufall überlassen worden. Das ist Inszenierungskunst auf höchstem Niveau und auf kleinsten Raum. Keine Explosionen, keine SFX, keine Action. Der Film lebt von seinen Dialogen und bezieht daraus seine Spannung. Und wenn solch ein Film auch noch eine geniale Message rüberbringt, hat er für mich eh immer einen Platz im Filmherzen.

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