Eine Frau sieht rot (1976)

Die überaus attraktive Chris arbeitet erfolgreich als Top-Model. Eines Tages lädt sie auf Empfehlung ihrer jüngeren Schwester Kathy deren Lieblingslehrer Gordon Stuart zu sich nach Hause ein: Der Hobbykomponist erhofft sich von Chris einen Einstieg ins Showgeschäft. Als diese Hoffnung sich nicht erfüllt, lässt er seiner angestauten Frustration freien Lauf und vergewaltigt Chris auf überaus brutale Weise. Es kommt zu einem aufreibenden Prozess – der mit einem Freispruch für Stuart endet. Trotz des furchtbaren Erlebnisses versucht Chris, ihr bisheriges Leben weiterzuführen. Doch als Stuart wenig später auch Kathy vergewaltigt, kennt sie nur noch ein Ziel: Rache.

 

Die 70er Jahre waren geprägt von Selbstjustiz Thrillern. Clint Eastwood jagte als “Dirty Harry” durch die Stadt. Charles Bronson nahm sich gleich die ganze Stadt zur Brust in “Death Wish”. “Strawdogs” mit Sean Penn war auch in aller Munde.

Angelehnt und als Anknüpfung der Erfolge dieser Art Filme, wurde 1976 das Drama EINE FRAU SIEHT ROT gedreht. Regisseur dieses packenden und bewegenden Drams war Lamont Johnson.

Anstatt wie andere Vertreter sich der plumpen Gewalt zu widmen, schlägt dieser Film einen anderen Weg ein. Die psychische Gewalt, das Leid eines Opfers und die Unglaubwürdigkeit der Gesellschaft sind weitaus schlimmer. 

Die Gewalt rückt in EINE FRAU SIEHT ROT in den Hintergrund.

Zu Anfangs begleitet man das junge Model Chris. Sie ist hübsch erfolgreich. Sie lebt mit ihrer jüngeren Schwester zusammen. Bei einem Shooting ist ein Lehrer, Gordon Stuart, ihrer jüngeren Schwester dabei. Er ist Musiker und erhofft sich durch Chris den Sprung ins Showgeschäft zu meistern. Er bittet sie das sie seine Komposition lauscht. Sie lädt ihn am kommenden Tag in ihr Apartment ein. 

Durch ihr teils rasche und extrem unter Termin stehende Leben verpasst sie die Verabredung mit Stuart. Er erwischt sie noch im Bademantel, frisch aus der Dusche entstiegen. Stuart stellt den Kassettenrekorder auf den Tisch und spielt seine grausig klingende Musik ab. Durch die Störung eines Telefonats sieht Chris die Chance dem Schauspiel zu entkommen. Durch die Ablehnung seiner Kunst und die Störung kommen dem jungen Lehrer Gelüste hoch. Er kommt zu dem Entschluß seine Gastgeberin das zu geben was sie anscheinend möchte. Er vergewaltigt sie auf grausame Weise. 

Chris wird nahe gelegt Anklage zu erheben. Auch wenn die gerichtliche Prozedur für sie nicht einfach werden wird. Die Chance auf Gerechtigkeit ist sehr gering.

Schon kurz nach der langen und intensiven Darstellung der Gewalt, wechselt der Film vom Thriller zum Gerichtsdrama. Man bekommt Einsicht in die Arbeiten von Verteidigung und Anklage. Gerechtigkeit steht an zweiter Stelle. Der Kampf ums Gewinnen. Beide Parteien nehmen Chris und Stuart förmlich in die Mangel. Stuart stellt Lügen in den Raum. Durch die Arbeiten von Chris als Model, die auch mal sehr in erotischen Posen abgelichtet wird, bekommt ihre Aussage ein zweischneidiges Bild an die Geschworenen. Es wird förmlich schmutzige Wäsche gewaschen. Der Verteidiger stellt seinen Schützling als harmlosen Mann dar, der durch die Posen und die Ausstrahlungen des Models nur ein Spielball ihrer Fantasien sei. Auch die Befragung der jüngeren Schwester von Chris, die nur das Ende der Gewalttat sah bringt kaum Vorteile für Chris.

EINE FRAU SIEHT ROT zeigt nun mehr stark das Gerechtigkeit nicht immer siegt. 

Schauspielerisch bewegen sich alle Darsteller auf einem hohen Level. Allen voran in der Rolle des Stuart, Chris Sarandon, der ehemalige Mann von Susan Sarandon. Er liefert eine Performance ab, die einem eiskalt den Rücken runter läuft. Als Triebtäter, der als solches nicht zu erkennen ist, strahlt er eine Unberechenkeit aus. Sein Äussers lässt nicht erahnen, was für ein Mensch er im inneren ist, und zu welchen Taten Stuart noch fähig ist, und vor allem wann.

Gerechtigkeit ein Fremdwort

In den Rollen von Chris und ihrer Schwester Cathy schlüpften die richtigen Schwestern Margaux und Mariel Hemingway. Beides bekannte Gesichter. Margaux nahm sich Ende der 90er Jahre das Leben. Ihr weiteres Leben war erfolglos. Kaum nennenswerte Rollenangebote, Alkoholsucht und Depressionen. Ihre jüngere Schwester war schon mehr von Erfolg gekrönt. Ende der 70er Jahre bekam sie eine Oscar Nominierung für eine Rolle in einem Woody Allen Film, und das als 14 jährige! 

In einer kleinen Nebenrolle taucht noch Perry King auf. Ihn kennt man vor allem aus der TV Serie “Trio mit vier Fäusten” als Cody.

Gegen Ende des Films dreht EINE FRAU SIEHT ROT nochmal auf. Die Verhandlung ist vorbei und der Straftäter wurde freigesprochen. Chris und Cathy wollen verreisen. Chris möchte mit ihr ein neues Leben aufbauen und ihre Karriere an den Nagel hängen. Doch da trifft Cathy auf Stuart. Sie erleidet das gleiche Schicksal wie ihre größere Schwester. Doch die nimmt das nicht ohne weiteres hin und verlässt sich nicht auf die Justiz.

Das Model und der Triebtäter

Dieser Selbstjustiz Film schlägt eine andere Schiene ein. Trotz des Verhandlungsteils kommt keine Langeweile auf. Gebannt schaut man dem Wetteifern vor den Geschworenen zu. Selbstzweifel kommen nicht nur bei den Charakteren im Film auf.

Lamont Johnson kreierte einen interessanten Beitrag abseits der Masse an Gewaltdarstellung im Bereich der Selbstjustiz.

In Deutschland ist EINE FRAU SIEHT ROT bislang nur auf VHS erschienen. Mit einer FSK 18 Freigabe. Im Jahr 2012 rutschte er von der Indizierungsliste.