Einer flog übers Kuckucksnest (1975)

Inhalt:

Der wegen Verführung einer Minderjährigen verurteilte Randle Patrick McMurphy (Jack Nicholson) täuscht eine psychische Erkrankung vor und wird in eine Anstalt, oder eher den “Kuckucksnest” gebracht um der Gefängnisstrafe zu umgehen. Hier angekommen macht er nicht nur Bekanntschaft mit allerlei eigenbrödlerischen Menschen. Auch Schwester Ratched trifft er hier. Ein erbitterter Kampf dieser beiden Alphatiere wird entfacht. Und die Elektroschocks kommen immer näher.

Mehr möchte ich hier als Inhaltswiedergabe nicht schreiben. Jeder sollte sich sein Bild darüber machen und sich den Film (wenn noch nicht getan) ansehen.

Filmisches Feedback:

“Ein kleiner Film mit großer Wirkung”

Milos Forman ist ein brillantes Beispiel darüber, wie das Leben sich in den Filmen wiederspiegelt. Nicht nur das. Er ist ein Aufrührer, ein Revolutionist, jemand der etwas verändern will, der durch die wunderbare Magie des Filmes versucht den Menschen wachzurütteln um ihn auf Unrecht aufmerksam zu machen. Zudem versprüht jeder seiner Filme ein grundlegendes menschliches Bedürfnis: individuelle Freiheit. Und er präsentiert stets ein Aufgebähren gegen institutionellen Zwang und fehlgeleitete Führerschaft. Forman hatte aus seinen Leben gelernt und bringt dies wie kein Zweiter auf die Leinwand. Er scheut sich nicht dem entgegenzustellen was ihn ärgert. Formans Eltern kamen beide während des zweiten Weltkriegs in KZs um. Er sah dabei zu wie die Gestapo sie verhaftete. Er kam in ein Internat und einer seiner Schulkameraden war kein Geringerer als Vaclav Havel. Als er seinen ersten Film zeigte, bei dem es um einen unangepassten Teenager geht, erntete er bereits Kritik von den kommunistischen Machthabern seines Landes. Sein zweiter Spielfilm („Die Liebe einer Blondine“), der die Kommunisten bloßstellte, wurde verboten. Als der Prager Frühling war (bei dem er sich grade in Paris aufhielt), wurde er von seinem Studio verraten. Sie sagten er habe illegal das Land verlassen. So kehrte er in die USA ein und zahlte es den Machthabern mit seinem zweiten amerikanischen Spielfilm, nämlich diesen hier, heim.

In versteckter Art und Weise haut er den Apparat des Zwangs und der Unterdrückung in Schutt und Asche und stellt den Einzelnen, bzw. die Individualität eines Menschen über das Allgemeinwohl. Mit perfidem Humor (wie so häufig in seinen Filmen die da folgten) stellt er das System als ein unterdrückendes, menschenverachtendes System dar (hier kongenial dargestellt durch Louise Fletcher, die zu Recht einen Oscar dafür bekam), welches man allerdings innerhalb der Funktion eines Systems hintergehen kann um sich selbst treu zu bleiben. So spielt Nicholson hier genau diesen Weg der „Hintergehung“ so absolut überzeugend und übertrieben, dass es eine wahre Wonne ist. Hier war Nicholson der Inbegriff des rebellischen Lebens. Der Marlon Brando seiner Zeit. Hier wurde der Mythos Nicholson geboren der bis heute anhält. Seine Darstellung ist gleichzeitig humorvoll wie auch tragisch (man beachte nur die „Schocktherapieszene“). Heimlicher Star dieses Films ist allerdings Will Sampson als „Häuptling“. Er zeigte das stille, heimliche Hintergehen nur um zum Schluss in einen Gewaltakt alles raus zulassen und die Freiheit zu genießen. Er zeigt die politisch-große Masse die sich irgendwann entlädt gegenüber den Machthabern. Er ist die Revolte. Auch die weiteren Darsteller sind allesamt, durch die Bank durch einfach nur fantastisch: Danny de Vito in einer seiner ersten Rollen, Christopher Lloyd liefert eine tolle Performance ab und Brad Dourif gibt ein sensationelles Leinwanddebüt (schade das er  später eher in Direct-to-Video- Filmen zu finden war).


Was sich aber sagen lässt ist, dass Forman hier ein Film schuf, der politischer kaum sein kann. Und das auch intelligente Weise. Nicht direkt zeigt er es, nein. Durch das Setting in einer Irrenanstalt (welch schöner Vergleich mit einer Diktatur) und das revoltieren gegen Gesetze und Bestimmungen der Unterdrückung, konnte er wie kaum ein anderer das auf Unterhaltungsebene anprangern was er bereits im Leben erfuhr. Er preist den Individualismus und die Freiheit (welche er in seinen anderen Filmen, wie „Amadeus“ oder „Larry Flynt“ ebenfalls preiste). Ein Hoch darauf.