El Mariachi (1992)

Mexiko/USA 1992
mit Carlos Gallardo, Peter Marquardt, Consuelo Gómez…
Drehbuch: Robert Rodriguez, Carlos Gallardo
Regie: Robert Rodriguez
Länge: 81 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

El Mariachi (Carlos Gallardo), der Sänger frecher Balladen, sucht einen neuen Job. Mit seinem schwarzen Gitarrenkoffer klappert er die Bars ab, und wird Opfer einer folgenreichen Verwechslung. Denn auch Azul, der drogendealende Killer, trägt seine MP in einem solchen Kasten. Azul schießt sich durch die kleine Stadt. Doch ausbaden muß es El Mariachi. Aus dem scheuen Jüngling wird langsam, aber todsicher, ein mexikanischer Motorrad-Mad Max.

Buenos Noches, Amigos! Wir zelebrieren unseren Low-Budget Tag und natürlich sollen euch, zu diesem Anlass, auch ausgewählte Filmperlen vorgestellt werden. Da bietet es sich natürlich an, in der Trashkiste zu wühlen und irgendeinen Stinker hervorzukramen, der für 5 DM im Schwarzwald gedreht wurde. Aber die Wahl fiel auf einen Film, der im Jahr 1992 viele Festivals in Aufregung versetzte. Ein Action-Film für gerade einmal 7000 US-Dollar? Das geht? Ja, das geht! Robert Rodriguez zeigt in seinem Spielfilmdebüt „El Mariachi“, dass man mit Kreativität und Willensstärke viel erreichen kann, auch ohne großes Budget und Spezialeffekte. Dann reisen wir mal nach good old Mexico und sehen uns dieses filmische Kleinod genauer an. Vamos!

Robert Rodriguez gehört, ja ich finde immer noch, zu den beeindruckendsten Regisseuren des modernen Genre-, beziehungsweise, Indie-Kinos. 1991 machte er erstmals mit seinem Kurzfilm „Bedhead“ auf sich aufmerksam. Der schwarz/weiß-Film gewann mehrere Preise auf Filmfestivals und ließ schon früh erahnen, welches Talent in dem Texaner mit mexikanischer Herkunft steckt. Die Produktionsgeschichte von „El Mariachi“ ist beeindruckend und wird immer wieder erzählt, wenn es um das Indie-Kino der 90er gilt. Rodriguez drehte seinen Low-Budget Film in Mexiko, lediglich mit einem Budget von 7000 US-Dollar zur Verfügung. Die Darsteller bestanden zum Großteil aus Freunden und Verwandten. Ein Großteil des Geldes verdiente Rodriguez, indem er sich Medikamententests unterzog. Innerhalb dieser Zeit schrieb er auch das Drehbuch, was wahrscheinlich den kreativen Schüben zuzurechnen ist, die der Mann wohl hatte. Ausgestattet mit nur einer Kamera und einem „Effekt-Gürtel“ machte sich der bekennende Exploitation-Fan an die Arbeit. Inspiriert durch die Filme von Sam Peckinpah und John Woo erzählte er eine Geschichte um einen namenlosen Gitarristen, einen Mariachi. Unser Held betritt die Szenerie, um in einer Kleinstadt nach Arbeit zu suchen, doch Mariachis gehören zum alten Eisen und werden nicht mehr gebraucht. Gleichzeitig operiert Drogenboss Moco in der Kleinstadt, der allerlei zu Fürchten hat. Moco ließ ein Attentat auf einen Berufskiller, Azul, verüben, doch der gerissene Wetworker tötete seine Gegner. Nun ist er auf der Jagd nach dem ehemaligen El Jefe. Sein besonderes Markenzeichen ist sein Gitarrenkoffer, in dem sich eine MP befindet. Es kommt zur folgenschweren Verwechslung, denn schließlich bekommt unser unschuldiger Gitarrist den falschen Koffer in die Hand und wird somit zur Zielscheibe von Mocos Häschern, denn keiner weiß wirklich, wie Azul aussieht. Dass sich der Mariachi auch noch in Barbesitzerin Domino verliebt, die ebenfalls auf Gehaltsliste Mocos steht, erleichtert die Situation nicht unbedingt. Das Drehbuch folgt auf der einen Seite gängigen Mustern, erweist sich aber auch als relativ geschickt, was die Geschichte angeht. Die Tatsache, dass man den Mariachi mit einem gefährlichen Killer verwechselt, bringt viel Spaß in die Geschichte. Der, zugegeben, ernste Film enthält dadurch humoristische Momente, die augenzwinkernd aber nie lächerlich rüber kommen. So treffen wir einige skurrile Gestalten und bekommen mehrere Running-Gags serviert. Auch ist das Drehbuch für so einen, fast schon ultra, Low-Budget Film gut geschrieben und ist an vielen Stellen ziemlich clever. Auch wenn es sich um einen klassischen Verwechslungs-Film handelt, existieren doch genug Wendungen, die das Geschehen interessant gestalten. Auch wenn die gängigen Konventionen genutzt werden, ist das Ganze nicht schlecht und hält den Zuschauer durchaus bei der Stange. Aber in diesem Fall sieht man sich eher die Inszenierung an und was Rodriguez aus 7000 US-Dollar herausholt.

Gedreht wurde mit einer 16mm Kamera. Der Regisseur fungierte auch als Kameramann und bestritt alle weiteren Ämter, da er es sich nicht leisten konnte noch jemanden u engagieren. Schon in „El Mariachi“ sind viele Stilmittel zu erkennen, die auch in der weiteren Filmographie des Filmemachers zu finden sind. Ungewöhnliche Kameraperspektiven, ein verspielter Schnitt und raue Kamerafahrten, welche er mit Hilfe eines Rollstuhls durchführte. Immer wieder präsentiert uns Rodriguez einen verrückten Einfall, den er spontan hatte. Ob es die Stunt-Sequenz ist, in der der Hauptdarsteller an einem Stromkabel herunterrutscht oder die comicartigen Überzeichnungen einzelner Figuren, was er ja gerne tut. Ganz großes Kino ist natürlich, wenn Rodriguez das fehlende Budget mit Kreativität ausgleicht. So benutzt er beschleunigtes Filmband, lässt auch mal eine Zeitlupe laufen oder doppelt einzelne Einstellungen. Hier hatte er die größtmögliche Freiheit, die sonst wohl keiner in Hollywood jemals hatte. Echtes Guerilla-Kino from the Scratch, pur und unverfälscht. Einzig die Traumsequenzen bremsen den Film aus. Die hätte man nicht wirklich gebraucht und dienten vielleicht auch nur dazu, die Laufzeit zu strecken. Auch wenn es sich um einen Low-Budget Film handelt, kann man an den Darstellern nicht wirklich viel aussetzten. Sie füllen ihre Rollen gut aus und spielen solide. Carlos Gallardo hinterlässt mit seinem jugendlichen, naiven Charme einen positiven Eindruck und funktioniert als Titelfigur. Peter Marquardt als Drogenboss Moco spielt herrlich überzeichnet und diabolisch und sorgt auch für einige Lacher, zum Beispiel wenn er immer sein Streichholz an den Bartstoppeln seines Henchman zündet. Der Score besteht derweil aus Mariachi-Klängen, die der Regisseur selbst einspielte, lediglich mit einem Tonbandgerät. „El Mariachi“ ging damals durch die Decke. Er gewann einen Preis beim Sundance Film-Festival und begründete Robert Rodriguez‘ Filmkarriere. Durch die Festival-Tour lernte er Quentin Tarantino kennen, der zur gleichen Zeit mit „Reservoir Dogs“ unterwegs war. Daraus entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die heute noch besteht und aus der der Kult-Film „From Dusk till Dawn“ entstand. „El Mariachi“, der eigentlich für mexikanische Videotheken gedreht wurde, kam nach Amerika und wurde con „Columbia Pictures“ gekauft. Die machten einen Blow-Up auf 35mm und brachten ihn in einige Kinos. Durch den kleinen Erfolg konnte Rodriguez drei Jahre später sein Sequel/Remake drehen, mit größerem Budget, denn in „Desperado“ (1995) schießt sich Antonio Banderas durch das staubige Mexico, um es mit einem Drogenkartell aufzunehmen. 2003 erschien der dritte Film um den Mariachi-Mythos, „Irgendwann in Mexico“.

Robert Rodriguez‘ „El Mariachi“ (1992) ist einer der imposantesten Indie- und Low-Budget Filme, die ich je gesehen habe. Hier beweist der Regisseur, dass man mit eisernem Willen und genug Kreativität Großes leisten kann, auch ohne Hollywood-Budget. Pflichtprogramm für jeden Filminteressierten und Nachwuchs-Regisseur! Ein guter Film, der auch heute noch zu Gefallen weiß.