Eroberung vom Planet der Affen (1972)

Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1991. Cornelius und Zira sind seit 20 Jahren tot. Ihr Sohn Aldo (der jetzt auf einmal Cäsar genannt wird) wuchs beim Zirkusdirektor Armando auf. Beide haben sich darauf geeinigt, dass Cäsar in der Öffentlichkeit nicht spricht und sich wie ein „einfacher“ Primat zu bewegen, damit er nicht auffällt. Da ein Virus vor Jahren alle Hunde und Katzen dahingerafft hat, halten sich heutzutage die Menschen Affen als moderne Sklaven.

Eines Tages gehen Armando und Cäsar durch die Stadt. Dort erträgt Cäsar die Behandlungen der Menschen gegenüber seinen Artgenossen nichtmehr und ruft „Grausame brutale Bestien“. Armando bringt daraufhin Cäsar in Sicherheit indem er ihn unter seinesgleichen schickt. Armando selber wird von dem Staatssicherheitsdienst festgenommen. Beteuert stets, dass er es war der das gesagt hat. Unterdessen kommt Cäsar am Hafen an, wo grade eine Schiffsladung mit neuen Orang-Utans aus Borneo ankommt. Bei einer Auktion werden alle versteigert. Cäsar geht an den Goveneur Breck und wird einer Kommandostelle zugeteilt.

Währenddessen wird Armando verhört und soll an den „Authentikator“ angeschlossen werden. Ein Gerät, welches den Menschen zwingt die Wahrheit zu sagen. Als er das erfährt, springt er aus den Fenstern und ist tot. Cäsar erfährt das. Und seine Wut wird riesig. Er organisiert anschließend im Untergrund eine Revolte und lässt die anderen Primaten Gegenstände sammeln, die man als Waffen verwenden kann. Da er der Intelligenteste von allen ist, zeigt er den anderen wie diese zu benutzen sind.

Inzwischen stellt sich heraus, dass der Computer für die Erfassung der neuen Lieferungen aus Borneo einen Fehler gemacht hat. Es gibt auf Borneo keine Schimpansen. Cäsar wird festgenommen. Ein Mensch, der Beamte McDonald verhilft Cäsar zur Flucht. Dieser wird aber gefangen und durch Elektrofolter bringt man ihn zum Sprechen. Sofort ordnet man an Cäsar zu töten. McDonald allerdings hilft Cäsar wieder und dreht den Strom ab und Cäsar stellt sich tot. Cäsar flieht und führt jetzt die offene Revolution gegen die Menschen an. Es entstehen blutige Kämpfe Mensch gegen Affen. Die Affen gewinnen diese Kämpfe. Doch bevor Cäsar alle Menschen töten, können McDonald und die Schimpansendame Lisa Cäsar überzeugen dies nicht zu tun. Cäsar erklärt danach, dass alle Menschen den Affen unterstellt sind und ruft den „Planet der Affen“ aus.

Filmisches Feedback:

Die Geschichte der Entstehung des Films, bzw. bis zur Veröffentlichung ist fast so spannend wie der Film selbst (obgleich er mit 1,7 Millionen Dollar vergleichsweise gering budgetiert war. Grund hierfür waren die Flops die das produzierende Studio 20th Century Fox in den Jahren zuvor produzierte wie z. B. „Cleopatra“, „Star“ oder „Hello Dolly“. Genauer gesagt hatte dieser Film das kleinste Budget der ganzen Reihe). Zunächst müssen wir einen Blick auf den Regisseur werfen. Jack Lee Thompson, der auch den fünften Teil der Reihe drehte, sollte ursprünglich den ersten Film inszenieren. Es kam aber anders, denn er war leider nicht verfügbar. Thompson hatte von Anfang an mit widrigen Umständen zu kämpfen. Zuerst war das niedrige Budget. Vieles was man in Film sieht, stammt aus bereits gedrehten Serien oder Filmen. So z. B. stammen die Anzüge der Affen aus der TV-Serie „Seaview – in geheimer Mission“, die ganzen Computer und die technische Dekoration des „Affencenters“ aus der TV-Serie „Time Tunnel“ von Irwin Allen und aus den Film „Um 9 Uhr geht die Erde unter“. Auch wurden einige der Stühle aus den Film „Planet der Giganten“ wiederverwendet (im Übrigen tauchten genau diese Stühle 1994 in der TV-serie „Babylon5“ wieder auf). Zudem wollte Thompson den globalen Krieg der Affen gegen den Menschen und dessen Ausrottung zeigen. Aber es blieb bei einer lokalen Auseinandersetzung. Der eigentliche Krieg findet außerhalb des Kinoblickfeldes statt. Man kann also sagen, dass alleine schon das Budget den eigentlichen Intentionen von Thompson entgegen sprach.

Thomspon hatte von Anfang an einen düsteren Film im Hinterkopf. Zusammen mit dem Drehbuchautoren Paul Dehn orientierte er sich an den Watts-Unruhen von 1965. Bei diesem Aufruhr ging es im Stadtteil Watts in Los Angeles um im Grunde eine harmlose Verhaftung wegen auffälligen Fahrverhaltens. Allerdings eskalierte die Situation. In Watts, wo es damals 99% Afroamerikaner gab, und viele der Polizei misstrauisch gegenüberstanden aufgrund von alltäglichen Rassismus, Vergewaltigungen usw, gab es einen regelrechten Aufstand der sechs Tage dauerte und 34 Tote forderte. Thompson und Dehn nahmen dies als Grundgerüst für ihren Film. Als kleine Randnotiz sei zu sagen, dass dieser Teil es anfangs schwer hatte sich im Kino durchzusetzen. Es war damals die Zeit der Blaxploationfilme. Und das kam diesen Teil später wieder zu Gute. Denn der Erfolg kam, und zwar durch die Zunahme des Besuchs des Films durch Afroamerikaner. Die sahen in diesen Film nämlich genau dass was er sein will: eine kompromisslose Abrechnung mit Staatsgewalt und Rassismus. Paul Dehn sagte zudem, dass er diesen Film anlehnt an die „Civil Right Movement“. Auch das erkennt man unmissverständlich (trotz Kürzungen) beim Ansehen des Filmes. Nun, Thompson und Dehn wollten viel und drehten auch einiges, was allerdings nicht damals ins Kino geschafft hat. Allein der Filmanfang war ursprünglich komplett anders (und bis heute findet sich diese eigentliche Anfangsszene in keiner Version): ein flüchtender Affe wird von der Polizei erschossen. Als sie ihn untersuchen entdecken sie Narben und große Wunden aufgrund seiner Sklavenhaltung. Dies war den Verantwortlichen zu grausam. Auch wurde vieles andere gestrichen. So war das Originalskript darauf ausgelegt zu zeigen, wie sich die Affen von primitiven zu intelligenten Wesen entwickeln. Auch sollte gezeigt werden wie die Affen zu Sklaven werden nachdem sie erst Haustiere waren. Auch mehrere Szenen, die Gewalt offen und blutig zeigen wurden aus dem Film nach Testvorführungen herausgeschnitten. Vor allem das eigentliche Ende wurde entzerrt. Ursprünglich gab Cäsar bei seiner Siegesrede einen militanten Aufruf zur Revolution, was damit endete, dass Gouverneur Breck von den Affen brutal ermordet wurde. Diese Version kam beim Testpublikum nicht an und so änderte man es kurzerhand. Man nahm einfach bereits gedrehte Szenen, vertonte sie mit der Stimme von Roddy McDowall nach und machte so ein halbwegs versöhnliches Ende wie es ihn jetzt gibt. In der erschienen Unrated BD aus Amerika sind viele dieser Szenen enthalten und man kann hier unmissverständlich erkennen, wohin Thomspon wollte. Allerdings gibt es auch hier nicht die bereits erwähnte Eröffnungssequenz. Sie wird es wohl nie geben (ausser in Comicform und in Buchform. Hier wurde sie bereits beschrieben). Das jetzige Ende korrespondiert jetzt zwar mit dem fünften Teil. Aber das Original Ende hätte es etwas ad absurdem geführt. Jetzt wollen die Affen den Menschen nicht erledigen, sondern nur beherrschen. Und im fünften Teil leben sie ja quasi Seite an Seite. Hätte man das Originalende genommen, welches auf Vernichtung aus ist, dann hätte der fünfte Teil auch nicht so funktioniert. Warum tat man das?

Auch hier ganz klar: Erfolg. Damit der Film die Einstufung G-Rating (General Audiences – also quasi für alle) bekommt, mussten Szenen geändert werden. Half aber nichts. Er bekam die PG –Wertung (Parental Guidance Rating – quasi alle unter 17 Jahren unter Aufsicht gucken erlaubt), was gleichbedeutend war mit weniger Einnahmen. Dieser Teil ist somit der einzige Teil der Reihe, der kein G-Rating bekam. Damals gab es noch kein PG 13. Das kam erst als Steven Spielberg für seinen Film „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ dies auf seinen Wunsch hin einführte. Allerdings kamen selbst nach Veröffentlichung als PG-Ratingfilm, die Leute teilweise empört aus den Kino. Selbst diese Version, die identisch ist mit der deutschen Version, war dem Publikum teilweise zu brutal. Und in der Tat. Betrachtet man die Entstehungszeit so ist der Film immer noch als PG brutal (natürlich nicht gemessen an unseren heutigen Maßstäben). Grundsätzlich kann man allerdings sagen, dass die Unrated Fassung der amerikanischen BD dem sehr nahe kommt was Thompson zeigen wollte: einen düsteren Teil der Saga. Denn letzten Endes sollte dieser Teil in der Katastrophe der Menschheit enden. Und das kann man eben nicht auf freundlichen Weg zeigen. Wie dem auch sei, interessanter weise sind einige geschnittene Szenen im damaligen Kinotrailer vorhanden gewesen.

Allen widrigen Umständen zum Trotz begannen die Dreharbeiten am 31.01.1972. Der Film wurde teilweise in den Foxstudios gedreht und in Century City (Los Angeles) und an der University of California. Hier schuf sechs Jahre zuvor der Designer und Architekt William A. Pereira einen futuristischen Campus und diese diente als hervorragende Kulisse von den Film. Wieder waren Roddy McDowall und Nathalie Trundy mit an Bord. McDowll diesmal als Cäsar und nicht (wie in den Teilen zuvor als Cornelius). Trundy tritt dieses Mal erstmals als Affe auf. In den Filmen zuvor war sie menschlich. Ricardo Montalban und John Randolph sind auch hier wieder mit an Bord. Auch Kolp, gespielt von Steven Darden ist wieder mit dabei. Im Film wird gesagt, dass man sich die Affen zunächst als Haustiere dann als Sklaven hielt, weil Hunde und Katzen durch einen Virus vernichtet wurden. Gruseliger weise kam es im Jahre 1978 tatsächlich zu einer Pandemie unter Hunden. Der Papillomavirus, ein Virus den man vorher nicht kannte, tötete tausende von Hunden. Der Film kam am 30.06. 1972 in die Kinos und spielte rund 9 Millionen US-Dollar ein.

Trotz der Umstände die den Film begleiteten, sieht man wohin die Reise gehen sollte. Es war ein düsterer, pessimistischer Film, der genau in diese Zeit passte. Umbrüche, Aufstände, neue Wege des Zusammenlebens wurden gesucht, Misstrauen, Verbrechen, Rassismus. All dies kam in den 70ern wieder auf. Und das spiegelt dieser Film fantastisch wieder. Es ist eine bittere, dunkle Anklage gegen Fanatismus und Faschismus mit gleichzeitiger düsterer Prophezeiung des revolutionären Umbruchs. Eine Allegorie der menschlichen Vernichtung. Alles andere als positiv. Und genau das wollt er sein: eine Warnung an die Menschheit unter dem Korsett der SF. Und das bekam Thompson sehr gut hin. Auch wenn man leider das geringe Budget anmerkt und die Verantwortlichen keinen Mut bewiesen, so merkte man dennoch, wie besser der Film noch hätte sein können.