Falling Down (1993)

Inhalt:

William „D-Fens“ Foster (Michael Douglas) will nur nach Hause. Früh morgens schon, in der schon hitzigen Atmosphäre von Los Angeles, verlässt er sein Auto mitten auf der Straße und macht sich auf den Weg zu seiner geschiedenen Frau und seiner Tochter, die Geburtstag hat. Nichts und niemanden kann ihn aufhalten. Auch Sergeant Martin Prendergast (Robert Duvall) nicht. Aber er versucht es.

Filmisches Feedback:

Schumachers bester Film

Joel Schumacher ist ein streitbarer Regisseur. Nicht nur was die Auswahl seiner Genres anbelangt, sondern auch die Art und Weise wie er diese inszeniert. Schumacher lässt sich nicht auf ein Genre festlegen. Er ist ein Multitalent im Ausprobieren unterschiedlicher Genres. Ich finde das gut. So weiß man nie was einen erwartet bei einem Regisseur. Er kann überraschen oder enttäuschen. Schumacher macht beides. Sei es die Blamage BATMAN & ROBIN (1997) als exemplarisches Negativbeispiel oder als positives Pendant DIE JURY (1996). Schumacher polarisiert. Schumacher provoziert. Und das macht er verdammt gut. Durch Provokation kann man Missstände ansprechen und aufzeigen. Durch Provokation kann man verändern, wenn man es richtig macht. Das ist Voraussetzung.

Mit diesem Werk schuf Schumacher seinen, meines Erachtens nach, besten Film. Es ist ein Zeugnis der Zeit. Schumacher spiegelt die gesellschaftlichen Missstände und Konfrontationen unbarmherzig und polemisch wieder. Klar sind seine gesellschaftlichen Bilder die er hier entwirft nicht unbedingt geeignet um eine Gesamtpsychologisierung der Bevölkerung durchzuführen. Aber das will er auch gar nicht. Er will eben bestimmte gesellschaftliche Kontexte aufzeigen und die uns Zuschauern unbarmherzig ins Gesicht schlagen. „Seht her, das läuft hier falsch!“, so oder so ähnlich könnte man den Film sehen. Und bei aller Polemik: er hat Recht.

Der Film ist jetzt 24 Jahre alt. Und hat sich was geändert? Kaum! Rassismus existiert weiterhin und wird stärker, kulturelle Unterschiede werden nach wie vor benutzt um Klischees zu bestätigen, der Kapitalismus schreitet voran und zerstört mehr als uns lieb ist, die familiären Strukturen werden gepriesen aber kaum erreicht, Gewalt ist an der Tagesordnung. Dies alles wurde visionär bereits vor 24 Jahren hier, in diesen gewaltigen Film, eingefangen. Simpel, ohne große Effekte erzählt Schumacher hier mit einem bitterbösen Zynismus die Gesellschaft am Rande des Abgrundes.

„D-Fense“ ist ihr Erlöser oder eher will es sein. Unfreiwillig, er möchte nur zu seiner Familie. Unterwegs begegnet ihm die Welt und die passt nicht in sein Bild. Dies ist ein grandioses Road-Movie in der Großstadthölle von L.A. Interessant ist auch der Aspekt, dass der Film gerade zu der Zeit gedreht wurde, als in L.A. die Unruhen von 1992 stattfanden. Eine Randnotiz, die dem Film noch eine weitere Brisanz zukommen lässt. Es gibt keine Szenen die hervorsticht. Alle passen ins Bild einer verdorbenen Gesellschaft die ihre eigenen Monster züchtet. Selbst „D-Fense“ ist so eins. Aber eins, das man versteht. Wer hatte nicht schon mal solche Gedanken. Michael Douglas ist hier die Rolle seines Lebens gelungen (was er selbst auch immer betont hat, dass diese Rolle seine liebste war).

FALLING DOWN  ist ein Film einer Ära die bis heute anhält. Eine Dokumentation über die Auswüchse der Gesellschaft. Ein böser Abgesang der moralischen Werte. Was Travis Bickle für New York, ist „D-Fense“ für Los Angeles.