Fame – Wege zum Ruhm (1980)

An der New Yorker Hochschule für darstellende Künste finden Aufnahmeprüfungen statt. Unter denjenigen, die aufgenommen werden, sind die freche Sängerin Coco, der sensible homosexuelle Schauspieler Montgomery, die schüchterne Doris und der Tänzer Leroy. Sie alle entstammen der Unterschicht und träumen davon, dass ihnen die anstehenden vier Jahre Studium den “Weg zum Ruhm” ebnen werden, während sie selbst noch von Alltagsproblemen geplagt werden.

 

„FAME….

I’m gonna live forever. I’m gonna learn how to fly.

FAME….
I feel it comin’ together. People will see me and cry.

FAME….
I’m gonna make it to heaven. Light up the sky like a flame.

FAME….
I’m gonna live forever. Baby, remember my name.“

Na, mitgesungen? Falls nicht, habt ihr zumindest die Melodie im Kopf gehabt, seid ehrlich. „Fame“ von Irene Cara ist ein Song, der wie kaum ein anderer die 80er Jahre repräsentiert, allerdings aus einem Film stammt, der eher dem 70er Jahre Autorenkino amerikanischer Machart zugehörig ist, als dem einfachen konsumierbaren Musikfilmchen.

„Grease“ mag „the word“ sein, „Fame“ ist das Leben.

„Fame“ berichtet von einigen Schülern einer staatlichen Musikschule in New York, beginnend mit den Auditions zum Schuljahresbeginn – endend mit der Abschlußaufführung des Jahrgangs. So gesehen eigentlich typisches Filmmusical-Material und mehr liess auch die Werbung damals nicht vermuten.

MTV (das war früher mal ein Musiksender), Formel 1 (das war früher mal eine Musiksendung) und eigentlich überall wo Musik auch in Bildform geboten wurde, sah man DAS Video. Fröhlich tanzende junge Menschen auf einer New Yorker Straße, aus auf ein Taxi montierten Lautsprecher hämmert der Song „Fame“ von Michael Gore, gesungen von der erstaunlichen Irene Cara. Happiness und Lebensfreude pur, genau das Richtige für mich, der ich damals gerade 18 Jährchen jung war.

Allerdings war mir auch bewusst, dass der Regisseur des Filmes Alan Parker war, dessen „Midnight Express“ (1978) ich gerade einige Monate vorher gesehen hatte. Irgendwie konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass ein Mann der einen der besten Gefängnisfilme aller Zeiten (da steh ich auch heute noch zu) gedreht hat, ein simples Musical präsentiert.

Unsere Gruppe aus Hardcore-Filmfans, war also auf das vorbereitet, was uns eventuell erwarten sollte – das „normale Publikum“ eher weniger. Für diese muss der Film wie eine Mogelpackung gewirkt haben, denn fröhliche Tanzszenen mit flotter Musik und Problemen, die sich mit ebenderselben ins Nichts auflösen gibt es in „Fame“ nicht.

Dafür aber einen, manchmal fast zu nahen, Blick auf die persönlichen und schulmässigen Probleme unserer Hauptcharaktere – Mobbing, Versagensängste, versteckte Homosexualität, häusliche Probleme und Gewalt, Armut und Suizid, das war mit Sicherheit nicht, was das fröhliche Video versprochen hatte. Das Ensemble aus Jungschauspielern gibt dabei wirklich sein Bestes und es ist schon wirklich erstaunlich, warum keinem von ihnen eine größere Karriere vergönnt war.

Der gesamte Film ist ein nahezu genial gestricktes Drama, dass eine ganze Handvoll Geschichten miteinander verwebt und dabei niemals verwirrend oder überladen wirkt. Die Musik ist dementsprechend nicht wie in einem Filmmusical dazu gedacht, die Geschichte zu erzählen, sondern wird eher eingesetzt, um die Emotionen der Charaktere zu unterstreichen. Gleichzeitig ist Musik aber auch ein großer Bestandteil der Handlung, ohne sie allerdings zu übernehmen.

Sicherlich hat der Film etliche herausragende Musiknummern und mit dem Stück „I sing the body electric“ gibt es – auch visuell – ein wunderbares Finale, dass den Zuschauer nach all dem Leid ziemlich positiv gestimmt entlässt. Einen Oscar gab es für den Titelsong und für den gesamten Soundtrack, ansonsten war die Academy wahrscheinlich genau so verwirrt wie die Zuschauer. Auch finanziell war die doch recht mutige Mischung aus Drama und Musikfilm kein richtig großer Erfolg, so dass es noch weitere 4 Jahre dauern sollte, bis man das Risiko mit „Footloose“ nochmal einging. Aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein anderer erzählen.

Alan Parker sollte mich auch weiterhin mit jedem Werk aufs Neue überraschen, einige der Schauspieler verkörperten dann noch zwischen 1982 und 1987 ihre Rollen in der – ebenfalls überraschend guten – „Fame“-Fernsehserie, die auch hierzulande ein recht großer Erfolg war.

Für mich persönlich ist „Fame“ der beste Musikfilm der 80er Jahre, gerade weil er anders ist und weil er einer der wenigen Filme ist, die scheinbar in keinster Weise altern. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das schnell nachholen.

geschrieben von Dia Westerteicher (Evil Ed)

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