Feinde aus dem Nichts (1957)

Nach dem ersten Raumflug von Großbritannien ist das nächste Ziel der Krone nun eine Kolonie auf dem Mond. Die Wissenschaftler arbeiten fieberhaft an der Umsetzung des ehrgeizigen Projektes und darunter auch Professor Bernard Quatermass, der die Kolonie auf dem Reißbrett entworfen hat. Nicht scheint dem wohl bis Datum größten Vorhaben der Menschheit im Wege zu stehen, wäre da nicht dieser ungewöhnliche Metoritenschauer, der ein ganzes englisches Dorf dem Erdboden gleichmacht. Quatermass und sein Kollege der wissenschaftlichen Abteilung untersuchen den Unglücksort und machen dort in der Nähe mit den sich Arbeitern einer Militärbasis Bekanntschaft, die sich irgendwie aus Quatermass’ Sicht sehr seltsam und verdächtig verhalten, zudem mal eine Kopie seiner Mondkolonlie, die bisher eben nur als Plan existierte, sein berechtigtes Misstrauen erweckt. Je mehr sich der Professor mit dem mysteriösen Vorgängen beschäftigt, desto mehr glaubt Quatermass an eine Verschwörung, in der mittlerweile auch hochrangige Regierungsmitarbeiter involviert sind und die von einer extraterrestrischen Intelligenz gesteuert wird…     

 Zwei Jahre hat es nur gedauert, dass nach dem ersten Teil Schock nun das zweite Abenteuer um Professor Quatermass, der kurz und knapp im englischen Original Quatermass II heißt, erschien, der wie im Inhalt schon beschrieben noch einen Schritt weitergeht und diesmal die Idee der Kolonisierung des Mondes im Angriff nimmt und den Versuch einer fremden Intelligenz den Expansionsdrang der Menschen außerhalb der Erde zu verhindern. Ein wenig erinnert das vielleicht an den Grundgedanken von Invasion zu Mars, der als Farbfilm 1953 in den Kinos anlief, doch darf man guten Gewissens behaupten dass Regisseur Val Quest mit Feinde aus dem Nichts seine eigene Interpretation einer Invasion aus dem All schuf, die im gewissen Maße nach damaliger Vorstellung durchaus realistische Züge hätte tragen können.

 Feinde aus dem Nichts ist anders als sein Vorgänger Schock und verzichtet meiner Ansicht nach gänzlich auf die Elemente des Horrorfilmes, sondern bedient sich der eines reinen Science Fiction-Filmes, die aber richtig erst in der zweiten Hälfte des Filmes zum tragen kommen.Die erste Hälfte wirkt eher wie eine so realistisch wie möglich gehaltene wissenschaftliche Studie, die sich meiner Ansicht nach leider selbst ein wenig zu ernst nimmt, was aber vielleicht auch nur an meinem Empfinden liegt, dass der Faktor Action hier keine große Rolle zu spielen vermag. Der Drehbuchautor Nigel Kneale, der auch die Script für den letzten Quatermass-Teil Das grüne Blut der Dämonen schrieb versuchte seine Story so glaubwürdig wie nur möglich dem Kinozuschauer zu verkaufen, wenn man bedenkt, dass die erste echte Mondlandung durch die Amerikaner noch 5 Jahre in der Zukunft lag und die damalige Sowjetunion mit ihrem Satelliten Sputnik den Wettlauf ins All für sich verzeichnen konnte, man sich aber wohl schon Gedanken und Sorgen darüber machte, ob eine eventuelle außerirdische Spezies den Vormarsch der Menschheit ins All gut heißen würde oder sich durch die rasante technische Entwicklung der Menschen bedroht fühlen könnte. Zudem war das Thema der Unterwanderung durch fremde Wesen der Ausdruck der damaligen Zeit, hatte Großbritannien sich von den USA inspirieren lassen, deren Paranoia unter dem damaligen Präsident Eisenhower vor einer kommunistischen Unterwanderung durch den Ostblock gerade ihren Höhepunkt erreichte. 

 Die zweite Hälfte des Filmes erinnert da schon mehr an einen Unterhaltungsfilm, auch wenn man als naiver Zuschauer vielleicht etwas mehr Zeit braucht sich in die Geschichte einzufinden, da alles sehr kompliziert anmutet und man wohl die (versteckten) Anspielungen auf die damals aktuelle politische Situation im Kalten Krieg der nun mehr schon 10 Jahre zwischen den Großmächten andauerte und noch bis 1980 fortgeführt werden sollte, nicht immer so recht begreift oder vielleicht aus heutiger Sicht nicht sofort versteht. Man könnte also in Feinde aus dem Nichts die manipulierten Mitarbeiter auf der Militärbasis, die Fremdgesteuerten als vom Kommunismus korrumpierten und damals von Moskau aus wie Marionetten gesteuerten Agenten sehen.

Das Monster, was am Ende des Filmes zu sehen ist, würde somit also auch nicht nur zu Unterhaltungs- sondern obendrein sogar noch zu Propagandazwecken verstanden werden, könnte das Monster für die damalige Regierung der UDSSR unter Nikita Chruschtschow stehen. Aber konzentrieren wir uns mehr auf den Film anstelle auf eventuelle Parallelen und versteckte politische Anspielungen^^

  Produzent von Feinde aus dem Nichts war Michael Carreras, dem späteren Regisseur von Bestien lauern vor Caracas, während die Musik wie schon bei Schock von James Bernard stammte, der zudem auch die Filmmusik für den wohl aller ersten Vampir-Kinofilm von 1922; Nosferatu –  Symphonie des Grauens mit Max Schreck als Blutsauger,komponierte. Für die Spezial Effekte, von denen es meiner Meinung erst gegen ende des Filmes wirklich sehenswerte gibt, wurden unter anderem von Frank George mitgestaltet, der ebenfalls an den Effekten in den ersten vier James Bond.Filmen mit Sean Connery ab 1962 mitarbeitete.

 Feinde aus dem Nichts ist meiner Ansicht nach trotz der versuchten Realitätsnähe der schwächste Teil der drei, wohl aber eher nur, da ich persönlich die fantastischeren Filme mit mehr Action und Gruselflair bevorzuge. Dennoch fehlt Feinde aus dem Nichts, die extreme Spannung und das Unheimliche, wie er zuvor in Schock besaß. Aber ich denke, dass gerade Feinde aus dem nichts ein Films einer zeit ist, der gerade 1957 beängstigend gewesen sein musste, weil er eben die politischen Ereignisse aufgriff und somit auch auf die Ängste der Menschen einging, was ja oft bei den Klassikern der 1950ern eine Rolle spielte.

 Da wieder einmal Anolis als einziges Label Feinde aus dem Nichts in der Hammer Edition auf DVD und überhaupt auf einem Medium veröffentlichte ist der Erwerb dieser sehr schwierig und nur für wahre Sammler empfehlenswert, da der Film gar nicht mehr unter 30 Euro zu haben ist. 

 

 Wertung: 8,5/10 Punkten