Feuerwalze (1986)

USA 1986
mit Chuck Norris, Louis Gossett Jr., Melody Anderson…
Drehbuch: Robert Gosnell
Regie: J. Lee Thompson
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Die befreundeten Abenteurer Max Donigan (Chuck Norris) und Leo Porter (Louis Gossett Jr.) werden in einer Spelunke von einer Fremden, die sich als Patricia Goodwin (Melody Anderson) vorstellt, angeheuert, um mit ihr in Südamerika nach einem Aztekenschatz zu suchen. Hierbei erweist es sich allerdings als fatale Fügung, dass sich auch ein Schamane namens “El Coyote” (Sonny Landham) am Schatz interessiert, da er mit bösen Absichten in die Fußstapfen seines Großvaters “Feuerwalze” treten will. So geraten die beiden Sprücheklopfer und ihr weiblicher Anhang in allerlei gefährliche Situationen!

Döpdedö Döpdeööö Döpdedödö Döpdedödööö! Ok, das graphische Darstellen meiner musikalischen Ausgüsse ist nicht unbedingt meine Stärke und ihr fragt euch was ich überhaupt will. Schon den ganzen Tag habe ich die Theme-Musik aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) im Ohr und dabei hab ich den gar nicht geguckt. Der Film, um den es nun geht, nennt sich „Feuerwalze“, stammt aus dem Jahr 1986 und wurde von der umtriebigen „Cannon Group“ produziert. Aber was hat jetzt Indy mit diesem B-Movie zu tun? Richtig, bei „Feuerwalze“ handelt es sich um einen der zahlreichen Versuche auf der Erfolgswelle des Spielberg-Hits mit zu schwimmen. Und ich singe deswegen John Williams Melodie nach, weil ich seit der Sichtung gemerkt habe, wie gut die „Indiana Jones“-Filme doch waren und immer noch sind.

In den 80er gab es einige Versuche den Hype um Steven Spielbergs „Indiana Jones“-Abenteuer, allen voran „Jäger des verlorenen Schatzes, abzukupfern um ein bisschen Geld zu verdienen. Dies ging mal mehr gut, wie im Falle von „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (1984) mit Michael Douglas und Kathleen Turner, aber scheiterte auch kläglich, wie im Falle von „Quatermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige“ (1985) mit Richard Chamberlain und Sharon Stone. Da letzterer aus dem Hause „Cannon“ stammt, war das wohl kein gutes Omen für „Feuerwalze“, zumal beide Filme den gleichen Regisseur in den Credits aufführen. J. Lee Thompson, der sich durch zahlreiche „hust“ Blockbuster mit Action-Opa Charles Bronson seine Brötchen verdiente, saß auch bei „Feuerwalze“ auf dem Regiestuhl. Die Story dreht sich um zwei erfolglose Abenteurer und Schatzjäger, gespielt von Chuck Norris und Louis Gossett Jr., die, angeheuert von einer blonden Dame, auf die Suche nach einem Schatz gehen und dabei in diverse lebensbedrohliche Situationen geraten. Mehr braucht man zu der Story eigentlich nicht sagen, denn mehr bietet sie auch nicht. Bevor ich mich über Inszenierung, Darsteller etc. auslasse, sei eins gleich gesagt: Die größte Schwäche des Films, ist sein mieses Drehbuch. Autor Robert Gosnell reiht lediglich Versatzstücke aus seinem Vorbild aneinander und vergisst dabei eine logische und schlüssige Story zu spinnen. Der Film führt praktisch ins Nichts, denn zu keinem Zeitpunkt ist dem Zuschauer klar, was eigentlich hinter diesem sageumwobenen Schatz steckt und welche Kräfte am arbeiten sind. Wir folgen unseren Protagonisten 100 Minuten lang durch diverse Situationen, in denen das Drehbuch meist darauf bedacht ist ihnen müde Kalauer in den Mund zu legen. Die „Indiana Jones“-Filme zeichneten sich unter anderem durch ihre Spannung und ihre Erzählung von Mythologie aus. „Feuerwalze“ scheißt auf Mythologie, sowie auf Spannung, und ergründet nie den Sinn und Zweck des Artefakts, welches die beiden Schmalspurschatzjäger mit sich herum tragen. Auch das Verwenden eines Bösewichts ist so uninteressant und verschenkt, dass es schlicht ärgerlich ist. Den ganzen Film über, wird der „Coyote“, gespielt von Sonny Landham, weder charakterisiert, noch in irgendeiner Form am Geschehen beteiligt. Lediglich zum Ende zieht man sich eine Erklärung aus dem Arsch, die den Zuschauer nur müde lächeln lässt, wenn überhaupt. Somit wirkt das Gezeigte extrem unausgegoren, wüst zusammen geschustert und ist fern von Dramaturgie oder Spannungsaufbau. Man bemüht sich sehr darum komödiantisch zu sein, doch diese Elemente ergeben sich lediglich flachen Witzen und dummen Sprüchen, die nur selten lustig sind.

Auch auf optischer Ebene kann der Film nicht wirklich Profil gewinnen. Die Action ist lahm und unspektakulär und die Fights sind sehr mäßig choreographiert. So kann nicht mal Norris in dem glänzen, was er eigentlich kann. Thompson kurbelt die Szenen lieblos herunter und schafft es zu keiner Sekunde, gute Bilder zu präsentieren. Natürlich wurde der Film mit wenig Budget gedreht aber trotzdem wirkt alles farblos, trist und langweilig, was anscheinend die Spezialität des Regisseurs sein muss, denn dieses Gefühl habe ich bei vielen seiner Filme. Auch die Sets sind sehr billig und sehen arg nach Studio aus. Auch darstellerisch ist hier nicht viel zu holen. Ich bin ja eigentlich ein Fan von Chuck Norris. Nicht weil er ein guter Schauspieler ist, sondern weil ich bei seinen Filmen immer Spaß hatte. Doch hier kocht der Roundhouse-Kicker nicht nur Actionmäßig auf kleiner Flamme, sondern spielt auch recht mäßig. Melody Anderson ist noch schlechter, denn besonders in rasanten Szenen wirkt ihre Performance, wie Laientheater. Lediglich Oscar-Preisträger Louis Gossett Jr. Hat sichtlich Spaß und kann den Zuschauer etwas bei Stange halten. Sonny Landham als Bösewicht ist ebenso verschenkt, wie John Rhys-Davies, der einen unbeeindruckenden Gastauftritt absolviert aber immerhin war er schon bei „Indy“ dabei, aber auch bei „Quatermain“. Ist es eigentlich eine feste Regel, dass John Rhys-Davies in Abenteuerfilmen mitspielen muss?

Lee Thompsons „Indiana Jones“ Rip-Off „Feuerwalze“ ist ein Vergessens werter Film, der kaum gutes Handwerk erkennen lässt. Mäßige bis schlechte Darsteller, ein schlechtes Drehbuch, lahme Gags, lahme Action und eine unaufregende Inszenierung, zum Teil in billigen Sets, die doch sehr nach Pappmaschee aussehen. Dieses Werk aus dem „Cannon“-Oeuvre kann man getrost liegen lassen, es sei denn man lässt ihn im Player laufen, wenn man gerade etwas Besseres zu tun hat. Ansonsten sollte man dann doch zu den Abenteuern mit Harrison Ford greifen, da weiß man wenigstens was man hat!