Flucht ins 23. Jahrhundert (1976)

Inhalt:

Logan 5 (sehr genial verkörpert von Michael York) ist ein „Sandmann“. Diese „Sandmänner“ liquidieren sogenannte „Läufer“. Dies sind Menschen die sich der „Erneuerung“ entziehen wollen. Die „Erneuerung“ ist eine vorgetäuschte Wiedergeburt nach dem 30. Geburtstag. Denn die Menschheit lebt unter der Erde, kontrolliert von einem Riesencomputer in absoluten Wohlstand. Bloß dürfen die Menschen nur 30 Jahre alt werden, damit der Wohlstand aufrecht erhalten wird. Dafür sollen die Sandmänner sorgen. Logan 5 bekommt Zweifel und revoltiert auf seine Art gegen dieses System. Er findet zusammen mit seiner Freundin Jessica 6 (Jenny Agutter) die überwucherte Stadt Washington mit einem alten Einwohner (herrlich gespielt von Sir Peter Ustinov) und es werden ihm die Augen geöffnet. Aber wie dem System entkommen und den Menschen die Augen öffnen? Eine existentielle Jagd beginnt.

Filmisches Feedback:

Elegante Dystopie im 70er Flair

Die 70er Jahre waren eine Zeit, in der gesellschaftskritische und politische Themen geschickt im Mantel der SF versteckt erzählt wurden. Die Kunst war es, die eigentliche Intention so zu verpacken, dass es nicht zu futuristisch wirkt und gleichzeitig die Themen die der Film ansprechen wollte dem Publikum wirksam näher zu bringen. Regisseur Michael Anderson (98), der u.a. den Klassiker IN 80 TAGEN UM DIE WELT (1956) drehte, nimmt zusammen mit seinen Drehbuchautoren die literarische Vorlage auseinander und verpackt diese in eine spannende Geschichte.

Anderson nimmt hier die Problematik der Überbevölkerung auf (wie  auch ein weiterer 70er-Klassiker namens JAHR 2022…DIE ÜBERLEBEN WOLLEN, 1973) und entwirft eine genial-groteske Dystopie, die trotz schwerfälliger Problematik nie langweilig wird. Er erzählt die Geschichte als Angriff auf die weltweite Kontrolle durch die Mechanisierung und der Populationsbegrenzung. Auch die Hinterfragung menschlicher Beziehungen zu Gunsten der globalen Existenz wird hier aufgeworfen.

Das Weltbild ist durchaus pessimistisch, wird aber zum Schluss aufgelockert durch ein Fünkchen Hoffnung am Horizont. Die Geschichte ist kurzweilig und spannend erzählt. Die Ausstattung ist fantastisch und zeugt von immensem Detailreichtum (übrigens neben der Kamera oscarnominiert, gewonnen hat der Film einen Sonderoscar für SFX). Die Musik von Jerry Goldsmith ist eine seiner besten Arbeiten und unterstreicht den sozialkritischen Unterton auf seine Art. Die Schauspieler spielen alle ausnahmslos gut. Lediglich der deutsche Titel ist absolut irreführend. Der Originaltitel „Logan´s Run“ ist eindeutiger. Also bitte unbedingt ansehen. Dieser Film gehört in jede Sammlung.