Footloose (1984)

Der musik- und tanzbegeisterte Ren zieht mit der Mutter von Chicago zu Verwandten in ein verschlafenes Provinznest. Dort ist öffentliches Tanzen per Gesetz verboten. Ren verliebt sich in Ariel, Tochter des Pfarrers, der Rockmusik als Teufelswerk geißelt. Bei einem Traktor-Duell besteht Ren eine Mutprobe und beginnt, die Jugend für die Durchführung einer öffentlichen Tanzveranstaltung zu begeistern. Der Stadtrat überstimmt den Antrag. Ren überzeugt den Pfarrer. Die große Fete findet in einer Fabrikhalle statt.

 

Tanzen macht frei. Diese, nun ja, Lebensweisheit ist eines der Kernelemente, die man als Zuschauer aus den Tanzfilmen der 80er entnehmen kann. Portraitierte schon das „Quasi“-Musikvideo „Flashdance” Tanzen als Sinnbild für Freiheit und das Ausleben der eigenen Gefühle, so geht der 1984 erschienene „Footloose“ vom früheren Broadway-Regisseur Herbert Ross noch einen Schritt weiter und inszeniert selbiges nicht nur als Ausdruck von Freiheit, sondern auch als Rebellion gegen das Spießertum. Somit wirbelt sich ein junger Kevin Bacon in diesem Film gegen die Konventionen einer Kleinstadt und lässt dem Rock’N’Roll, oder auch dem 80er Synth-Pop freien Lauf.

Die Handlung mag erst mal seltsam wirken, da man sich einen Ort in dem Tanzen verboten sei soll nur schwer vorstellen kann, allerdings beruht der Plot auf durchaus wahren Begebenheiten, denn in der Kleinstadt „Elmore City“, Oklahoma, herrschte seit 1861 wirklich ein Tanzverbot, bis sich im Jahr 1980 Teenager gegen dieses Gesetz auflehnten und erstmals eine Tanzveranstaltung organisierten. Als diese stattfand berichtete ganz Amerika darüber. Diese „True Story“ diente als Vorlage für diesen Film, der sich aber weniger um politische Entscheidungen oder kritische Sichtweisen in Bezug auf Spießertum bemüht, sondern in seiner Inszenierung ganz klar am klassischen Unterhaltungskino, wie zum Beispiel „Flashdance“, orientiert. Der vom Broadway kommende Regisseur Herbert Ross legt sein Augenmerk ganz klar auf die Interaktionen der Teenager, inklusive obligatorischen Romanzen und Streitereien, die gängigen Klischees folgen, wie man sie in gefühlt hundert weiteren Teenie-Filmen finden kann. Ren MacCormack ist der klassische Held, der erst als Neuling Akzeptanz finden muss und sich Respekt verschafft und es als einziger wagt, gegen die Autorität der Erwachsenen, speziell Reverend Moore, vorzugehen. Natürlich bandelt er irgendwann mit der Pfarrerstochter, also der des „Gegenspielers, an, liefert sich ein Duell mit dem Stadt-Bullie und beginnt eine Freundschaft mit dem weirden Typen von der High-School. Diese ganzen Motive ausgiebig abgearbeitet und so bleibt der Film extrem vorhersehbar, da man vieles kommen sieht. Herbert Ross lässt durchaus die, bereits erwähnte, Kritik an den Autoritäten durchschimmern, jedoch macht er nichts damit. Die, quasi, Bösewichte im Film bekommen wenig Backstory und der Streifen setzt sich fast nicht mit deren Sichtweisen auseinander. Sie sind halt einfach dagegen und sehen Rock- und Tanzmusik, sowie das Tanzen an sich, als verrohend an. Am ehesten Gewicht bekommt noch Reverend Moore, dem aber lediglich eine Motivation zu Grunde gelegt wird, die aber nicht näher beleuchtet wird. Erst gegen Ende kommt dann die Redemption, was auch sonst, da Ren ein Plädoyer für die Freiheit hält. Das ist alles extrem plakativ aber auch effektiv, immerhin verkauft der Film sich als Tanz- und Jugendfilm und nicht als Drama der Sozialkritik. Somit kann ich damit durchaus Leben. Was gut funktioniert sind die Tanzszenen, da Hebert Ross hier seine Erfahrung vom Broadway zugutekommt. So sind diese Sequenzen mit Drive inszeniert, wie Rens Solo in der Mühle und vor allem das Ende auf der Party, in dem dann der Bär steppt. Obwohl das dann eher nach Line-Dance in der Dorfdisco aussieht, ist es mit Schwung und Spaß inszeniert.

An der Darstellerfront gibt es allerlei Interessantes. Ganz vorne dabei ist sicher Kevin Bacon, der vorher neben einigen kleinen Rollen, vor allem für seine Rolle in „Freitag der 13.“ (1980) bekannt war und mit „Footloose“ seinen Durchbruch hatte. Ich bin kein großer Fan von ihm aber tanzen kann er. Die interessanteste Figur ist sicherlich die Pfarrerstochter Ariel, gespielt von Lori Singer. Sie ist sehr ambivalent dargestellt und weniger von Klischees belastet als andere Figuren. Auf der einen Seite ist sie die Tochter des Antagonisten und auf der anderen Seite missbilligt sie seine Ansichten, flüchtet sich aber in sexuelle Abenteuer und kleine verbotene Jungendsituationen um ihren Kummer zu verarbeiten. Der Reverend, der zwar nicht gut ausgearbeitet wird, wird allerdings von John Lithgow tadellos gespielt. Mit Lithgow als Bösen macht man nun mal nichts verkehrt. Dianne Wiest, zweifache Oscarpreisträgerin, wird quasi in der Ecke stehen gelassen, was sehr schade ist. Chris Penn, bekannt als Nice Guy Eddie aus „Reservoir Dogs“ (1992), spielt mit Charme und Sympathie und Sarah Jessica Parker hat hier ihren ersten Filmauftritt, der allerdings belanglos ist. Der Soundtrack setzt sich auch bei diesem Film aus eingängigen Pop und Rocksongs zusammen. Kenny Loggins, der für den ganzen Score verantwortlich war, trällert zudem den Titelsong, der heute noch auf jeder Party funktioniert. Neben weiteren Gassenhauern, wie „Let’s hear It for he Boy“ von Deniece Williams oder Shalamars „Dancing in the Sheets“ sticht vor allem Bonnie Tylers Röhre hervor, die mit „Holding out for a Hero“ einen echten Kracher beisteuert. Somit bekommt man auch hier einen Hit-Soundtrack, der zwar nie den Kult erreichte, wie es „Flashdance“, tat, jedoch sich dahinter nicht verstecken muss. So bleibt „Footloose“ ein Film, der hinter seinem Potential zurückbleibt und sich durchaus der viel kritisierten Musikvideo-Ästhetik bedient, jedoch als 80er Teenie-Film mit Pop-Soundtrack und schicken Tanzeinlagen durchaus unterhält.

„Footloose“ macht vieles falsch. Figuren werden verschenkt, die angeprangerten Sozial- und Machtstruckturen kommen nicht richtig durch und Klischees werden ausgewalzt. Auch die Tanzszenen sind nicht so spektakulär, wie in „Flashdance“, jedoch hat der Film genug Drive und Energie, zudem bessere Schauspieler, die ihn als fluffigen 80er Film für ein bestimmtes Zielpublikum wieder sehenswert macht. Definitiv kein Meilenstein aber an dunklen Sonntagen kann man hier auch ganz nett mitgrooven.

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