Formicula (1954)

In der Wüste von New Mexiko mutierten Ameisen durch die Radioaktivität der erst kürzlich beendeten Atomwaffentests zur gigantischen Größe, was zur Folge hat, dass diese Viecher sich nicht mehr mit ihrer natürlichen Nahrung ernähren können und sich auf etwas passenderes und größeres spezialisieren müssen. Und da bieten sich die wenigen Bewohner der einsamen Gegend als Futterquelle gerade zu an. Das einzige was von ihnen übrig bleibt, sind ihre abgenagten Knochen und Salzrückstände. Der Biologin Dr. Patricia Medford  sowie dem inzwischen hinzugezogenen FBI fällt es schwer sich mit der Tatsache abzufinden, dass es sich bei den Tätern dieser grausigen Morde um Riesen-Ameisen handelt, doch als die Viecher auch sie angreifen, ist es schnell beschlossene Sache die Ursache mit Giftgas zu bekämpfen. Nachdem der Bau der Riesen-Ameisen in der Wüste gefunden wird, glaubt man in Giftgas eine Lösung gefunden zu haben… doch ihr Plan schlägt fehl, denn einige der Giganten können entkommen … bis nach Los Angeles… 

Formicula, in englischen kurz aber treffend nur Them!, ist mit unter Tarantula von Jack Arnold der wohl bekannteste Klassiker, der sich mit dem Thema von Riesen-Insekten beschäftigt und gehört sogar zu einem der ersten dieses aufkommenden Sub-Genres. Gordon Douglas, der sich eigentlich eher mit Western und Actionfilmen beschäftigte, schuf mit Formicula einen zeitlosen Klassiker, der bis heute als Vorbild für etliche Monsterfillme der späteren Jahre und Jahrzehnte galt und auch sich erstmals auch mit der bis dahin noch recht unerforschten Auswirkungen auf die Flora und Fauna von Atombombentests beschäftigte und somit viel Spielraum für so allerlei fantastische bis grauenhaften Spekulationen bzw. Szenarien zuließ

Was mir zugleich auffiel, was irgendwie doch eher untypisch für die Science Fiction Horrorfilme der 1950er war oder ist, dass eine Frau, in Formicula, toll und natürlich von Joan Wedlon dargestellt, die zuvor in etlichen Western mitwirkte,nicht nur den wichtigen Job der Biologin hatte, sondern auch mehr war, als nur die für das panische Kreischen im Angesicht des Grauens zuständige hilflose Opfer, das unbedingt von dem starken männlichen Geschlecht beschützt werden musste.Joan Wedlon galt in ihrer Rolle als Dr. Medford schon fast den männlichen Charakteren ebenbürtig, die nicht nur attraktives Beiwerk darstellte, sondern einen wichtigen Anteil zur Bekämpfung der Bedrohung durch die Ameisen lieferte.

Formicula beschäftigt sich offensichtlich auch mit der Frage, welche Nebenwirkungen die Atombombentests , insbesondere die Radioaktivität auf die Lebewesen in der Umgebung der Tests haben könnte, was eigentlich auch bedeutet, dass man sich einer möglichen Gefahr für das eigene Land durchaus bewusst war, sie aber noch nicht so recht einzuschätzen vermochte. Das im Mai 1954 der erste Wasserstoffbombentest im Bikini-Atoll durchgeführt wurde, deren Zerstörungskraft die der herkömmlichen Atombombe um einiges übertraf, und zahllose Opfer unter japanischen Fischern forderte könnte ebenfalls mit dem Erscheinen von Formicula zu tun haben. Strahlung als Auslöser von Schrecken monströsen Ausmaßes wurde somit die Grundlage für viele weitere Horror und Science Fiction-Filme. Zudem da die damalige Sowjetunion im Kalten Krieg das Feindbild und Synonym des Schreckens galt, wurden Ameisen, da sie als im Kollektiv lebendes Wesen gibt, abseits von jeglichem Individualismus, mit den Menschen des Sowjet-Regimes unter der Führung der kommunistischen Partei verglichen. In gewisser Hinsicht ist Formicula neben einem Horror-Science Fictionfilm auch eine Art von Propaganda, die die Angst vor der Sowjetunion und insbesondere dem Kommunismus schürte. 

Wenn man sich Formicula heute anschaut, wirken natürlich die gigantischen Riesenameisten ein wenig … na ja es wäre ungerecht den Menschen gegenüber, die mit viel Mühe diese Effekte schufen, diese als lächerlich zu beschreiben. Natürlich aus heutiger Sicht, wo CGI-Effekte überwiegend eingesetzt werden, die – auch wenn sie mir persönlich nicht sozusagen wie die gute alte realistischer und vor allem plastisch wirkender Stop Motion-Technik – wirken die damaligen Darstellungen von Monstern eher amüsant als furchteinflössend, dennoch damals waren sie spektakulär und wurden für den Oscar nominiert – mit Recht wie ich meine.

Auch ungewöhnlich – jedenfalls ist das meine Ansicht – ist in Formicula der Wechsel des Handlungsortes. Während Filme, in denen es um Rieseninsekten geht, oft eher in einsamen oder abgelegenen Gegenden spielen, wohl auch aus Kostengründen, wird die Handlung von Fomicula in der zweiten Hälfte des Filmes aus der Wüste in die Großstadt verlegt, was natürlich auch einen erheblichen Aufwand bedeutete, da es etwas völlig anderes ist, in einer Stadt als auf dem Land zu drehen. Diese zweite Hälfte des Filmes verfügt dann um eine wesentlich furchteinflössendere Atmosphäre, die die Kinozuschauer wohl damals mit Ihrer Angst von der “Roten Gefahr” durch den Kommunismus um so mehr schockierte, wurde unterschwellig gezeigt, welche Ausmasse diese Bedrohung in der Großstadt annehmen könnte und das man weder auf dem Land noch in der Stadt sicher ist. 

Betrachtet man Formicula aber als reinen Unterhaltungsfilm, ohne eventuelle Parallelen zu den damaligen politischen Ereignissen, die wir als spätere Generation wohl auch gar nicht so nachempfinden können, stellt Formicula einen wunderbaren abwechslungsreichen Klassiker da, der gruselt und auch nach mehrmaligen Anschauen nichts an seiner Faszination einbüßt. Auf VHS und DVD ist Formicula von warner veröffentlicht worden und gehört wie Tarantula zu den Filmen über Rieseninsekten und somit in jede Sammlung von Klassikern, aber auch Freunde der enuerern Filme dürfeten durchaus an dem Film Gefallen finden.

Wertung: 10/10 Punkten

 

 

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