Frauengefängnis (1976)

Auf einer einsamen Gefängnisinsel werden Frauen von einer sadistischen Lagerkommandantin brutal unterdrückt. Eines Tages wird Maria da Guerra auf die Insel gebracht, weil sie ihren Vater, der sie vergewaltigen wollte, in Notwehr getötet hat. Aufgrund der unmenschlichen Zustände im Lager schreibt eine Gefangene dem Gouverneur einen Brief, worauf dieser auch zu einer Besichtigung auf die Insel fährt. Als sich herausstellt, daß auch der Gouverneur seinen Sexualtrieb über die Gerechtigkeit stellt, versuchen Maria und ihre Zellengenossinen Bertha und Rosaria einen Ausbruch…

 

Nach der “Erfahrung” “Vampyros Lesbos” begegne ich nun einem Franco-Werk, welches wie viele seiner, in den 70ern, entstandenen Filme unter der Leitung von Schmuddel-Figaro Erwin C. Dietrich entstand. Unter dem Titel “Frauengefängnis” lieferte er einen äußerst schmuddeligen Beitrag zur “Women-In-Prison” Welle ab, jenes Genre was Jahre zuvor unter Roger Corman zu neuer Blüte im internationalen Exploitationmarkt fand. Wo Corman oder sein Regisseur Jack Hill jedoch den klassischen Sex-Anteil mit Action und Spaß mischten, konzentriert sich Jess Franco jedoch in seinem Film darauf ausgedehnte Folter und Sex-Szenen aneinander zu reihen. Der Streifen fungiert als unglaublich voyeuristisches Machwerk, welches sich darauf versteift, die Kamera vornehmlich auf Brüste und Vaginas zu halten. Die Handlung dieses zwielichtigen Sex-Films beschränkt sich auf etablierte Klischees und bietet mit Sex-hungrigen Insassinnen, lesbischer Gefängnischefin und rüden Foltermethoden dem klassischen Genre-Kanon aber führt es nicht weiter. Nah an der Grenze zum Hardcore-Porno konzipiert der spanische Trash-Gott eine frahwürdige Wichsvorlage für Menschen mit´, sagen wir mal, spezifischen Neigungen. Dietrich sagte einmal, “Frauengefängnis” wäre der erste richtige “Mondo-Film”, schohnungslos realistisch und lebensnah.

Was der Schweizer Grindhousemogul für lebensnah hält, sei mal dahingestellt. Jedenfalls werden hier künstlerische Ambitionen vollends über Bord geworfen und mit billigsten, spekulativen Mitteln ein frauenfeindlicher Sex-Film in Szene gesetzt, der nur darauf zielt gewisse Lüste eines zugeneigten Publikums zu befriedigen. Der andere Punkt, warum “Frauengefängnis” in Francos Vita weit unten anzusiedeln ist, ist die Tatsache, dass der Film eher langweilig daherkommt. Außer peversen Spielchen und nackten Weibern, die sich angekettet oder auf kalten Pritschen herum winden und sich dabei selbst das Döschen rubbeln, bekommt man wenig geboten. Pornofreunden mit sadistischer Ader kommen vielleicht auf ihre Kosten, den normalen Exploitationfreunden dürfte das zu wenig sein. Denn Action oder coole Bad-Ass Momente, wie man sie aus “The Big Doll House” oder ähnlichen Vertretern des Genres kennt, sucht man hier vergebens. In der Hauptrolle räkelt sich mal wieder Francos Liebste Lina Romay, die weniger wegen ihren schuspielerischen Talenten als wegen ihrer körperlichen Attribute bekannt war. Aber Frauen müssen ja nicht schauspielern können wenn es um einen Streifen von Jess Franco geht.

“Frauengefängnis” ist ein zu vernachlässigender Film. Ein übles, spekulatives Machwerk, welches seinen Reiz aller höchstens durch seine pornographischen Elemente heraufbeschwört, ansonsten wenig zu bieten hat. Wer einen kleinen BDSM Fetisch hat sollte zugreifen, allen anderen sei abgeraten.

Der Film ist innerhalb der “Jess Franco Golden Goya Collection” auf Blu-Ray und DVD erschienen, ungekürzt!