From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money

USA 1999
mit Robert Patrick, Muse Watson, Duane Whitaker, Danny Trejo…
Drehbuch: Scott Spiegel, Duane Whitaker
Regie: Scott Spiegel
Länge: 85 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Vier texanische Gauner, unter der Leitung des versierten Bankräubers Buck (Robert Patrick), planen mit Hilfe des lokalen Szenekenners Luther (Duane Whitaker) jenseits des Rio Grande einen Raubzug auf die mexikanische Nationalbank. Bei diesem Vorhaben kommen ihnen nicht nur Häscher des FBI, angeführt von Bucks altem Erzfeind Sheriff Lawson (Bo Hopkins), in Quere, sondern auch Luther selbst, der nach einem Besuch in der benachbarten Vampirschänke “Titty Twister” kaum mehr wiederzuerkennen ist und im nun folgenden Raubzug ganz eigene, sehr persönliche Ziele verfolgt.

Man fragt sich ja oft, „muss das sein?“ Gute Kinoproduktionen, denen oft ein billiges Sequel für den Heimkinomarkt hinterhergeschoben wird. Meist haben die nicht mehr wirklich viel mit dem Original zu tun und versuchen lediglich mit dem Titel Geld in die Kasse zu spülen. Filme, wie „American Psycho 2“, „Road House 2“ oder „Delta Force 3 – The Killing Game“. Eine Liste, die man beliebig fortführen kann und von Filmfans mit wenig Gegenliebe empfangen wird. Wir kümmern uns heute auch um so eine Heimkino-Fortsetzung, nämlich um „From Dusk till Dawn 2: Texas Blood Money“ aus dem Jahr 1999, welche das Sequel zu Robert Rodriguez‘ Kult-Film „From Dusk till Dawn“ (1996) darstellt. Und auch hier stellen wir uns nicht nur die Frage, ob das wirklich nötig war, sondern schauen auch mal, ob der Vampir-Streifen wirklich so scheiße ist, wie viele behaupten.

1996 schufen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez mit „From Dusk till Dawn“ einen echten Kult-Film. Der blutige Mix aus Gangster-Roadmovie und augenzwinkerndem Vampir-Horror brachte die Filmnerds der 90er zur Ekstase und wird heute noch verehrt. Tarantino, der das Drehbuch schrieb und als Darsteller auftrat, und Rodriguez, der als Regisseur fungierte, gelang ein spaßiger Exploitationkracher, der damals im Kino einen großen Erfolg feierte. Sofort dachte man über eine Fortsetzung nach, die dann auch 1999, rund 3 Jahre später, das Licht der Welt erblickte, jedoch nicht das Licht der Kinosäle. „From Dusk till Dawn 2: Texas Blood Money“ wurde lediglich für den Videomarkt produziert und hat mit dem Vorgänger nur noch geringfügig zu tun. Im Zentrum der Handlung steht der Bankräuber Buck, der sich seinem Kumpel, und entflohenem Sträfling, Luther zusammen tut, um eine Bank in Mexiko auszuräumen. Daraufhin rekrutiert der Ganove ein paar Gauner aus seinem näheren Bekanntenkreis. Da wären der durchgeknallte Jesus, der alte Safeknacker C.W. und der etwas treudoofe Ray Bob. Gemeinsam brechen die vier nach Mexiko auf, um sich in einem Hotel mit Luther zu treffen, der im Besitz der Pläne ist. Doch der macht, aufgrund einer Autopanne, einen Einkehrschwung im sagenumwobenen „Titty Twister“ und nach einer bissigen Bekanntschaft mit dem Barkeeper, merken die vier, dass Luther sich etwas verändert hat. Schließlich kommt es in der Bank zum Finale und nicht nur zum Showdown mit der Polizei. Ihr merkt schon, die Handlung hat nicht wirklich viel mit dem Original zu tun und greift lediglich das „Titty Twister“ in einer Szene auf, ansonsten steht die Direct-to-Video Produktion für sich selbst. Eigentlich war das ganze etwas anders geplant. Man wollte die Gecko Brüder aus dem ersten Film auftauchen lassen und die erste Hälfte des Films sollte den Fokus mehr auf die Vampir-Kneipe werfen. Dieser Umstand scheiterte an der geringen Bereitschaft von George Clooney und Quentin Tarantino, im Film aufzutreten. So schrieb man das Drehbuch um und nahm nur rudimentär Bezug auf das Original. Für das Drehbuch waren Regisseur Scott Spiegel und Darsteller Duane Whitaker (Luther) verantwortlich. Man merkt schon am Skript, dass man hier stark versucht, sich am Tarantino-Stil zu orientieren. Verschrobene Figuren, wie C.W., der sein Dasein als Rodeo-Clown fristet und der jähzornige Jesus, der schon mal vom Thema abschweift und über seinen Kampfhund schwafelt. Dazu kommt noch Sheriff Lawson, der auffällig an die Michael Parks-Figur aus dem Vorgänger erinnert.  Des Weiteren spiegelt sich das, versucht, „Tarantinoeske“ auch in den Dialogen wieder, in denen ebenfalls oft versucht wird über „Nichts“ zu reden und dabei möglichst cool zu sein. Während der gute Quentin diese Art des Schreibens aber spielerisch beherrscht und seine Dialoge immer einen gewissen Flow haben, wirkt die Sache bei „From Dusk till Dawn 2“ schon wesentlich gewollter und somit auch sehr krampfig. Abgesehen davon mag ich aber die Story des Films, da sie hier nicht den Erstling bedingungslos kopieren, sondern andere Wege gehen. Das mögen viele scheiße finden, ich jedoch fand das sehr erfrischend und hatte dabei wenigstens nicht den Gedanken, dass der Film überflüssig ist. Hätte man die Motive des Originals lediglich günstig aufgewärmt, hätte ich weniger Spaß gehabt.

Das heißt nicht, dass die Story frei von Fehlern ist, denn die Autoren schaffen es nur leidlich, mitreißend zu bleiben. Nach einem netten Auftakt, inklusive Bruce Campbell Cameo, in dem die Figuren eingeführt werden, kocht der Vampir-Streifen auf kleinerer Flamme, in dem unsere „Helden“ nur in einem ranzigen Motel hocken und Pornos schauen. Erst zum Finale zieht der Film die Zügel an und serviert dem Genre-Fan ein paar nette Action-Szenen, die zu gefallen wissen. Hier und da gibt es ein paar Gore-Effekte, die aber zu keiner Zeit so rocken, wie im Original aber durchaus ihren Zweck erfüllen. Somit lässt sich der Film gut an und verfolgt eine nette Idee, verliert sich aber in der Mitte und dümpelt etwas vor sich hin. Lediglich die „Titty Twister“ Szene lässt sich gut an, bleibt aber unspektakulär, zumal der Schuppen ganz anders aussieht als noch im ersten Teil. Auf dem Regiestuhl nahm dieses Mal Scott Spiegel Platz. Der Regisseur und Drehbuchautor war schon bei „Tanz der Teufel“ (1982) am Set beteiligt und schrieb auch am Drehbuch zu „Tanz der Teufel 2“ (1987) mit. Zudem inszenierte er 1989 den unterhaltsamen Slasher „Bloodnight“, durch den Bob Weinstein auf ihn aufmerksam wurde. Spiegel versucht, wie auch beim Drehbuch, stark den Vibe des Originals zu kopieren. So bietet auch „Frim Dusk till Dawn 2“ viele Kameraspielereien, wie man sie von Robert Rodriguez erwarten würde. Mal wird bei einem Kehlenschnitt aus dem Hals heraus gefilmt oder es findet eine Kamerafahrt aus ungewöhnlichen Perspektiven statt. Spiegel versucht ähnlich verspielt und unkonventionell zu sein, wie Rodriguez, doch nüchtern betrachtet wirkt vieles lediglich bemüht und nicht originell. Trotz allem muss man ihm lassen, dass der Film durchaus routiniert in Szene gesetzt ist. Spiegel macht keine großen Fehler und inszeniert versiert und schmissig, so dass man nicht groß meckern kann. Auf der Darstellerseite versammeln sich eine Horde B-Movie Recken, die vom T-1000 persönlich, Robert Patrick, angeführt wird. Der „Terminator“ Bösewicht zeigt Charme und funktioniert in seiner Rolle. Auch Muse Watson, den man vielleicht noch aus „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (1997) kennt spielt wunderbar den lausigen Möchtegern Cowboy. Auch Raymond Cruz spielt als Jesus gut auf und hat witzige Momente. Lediglich Brett Harrelson, der Bruder vom guten Woody, nervt und fungiert als Witzfigur. Warum eine Gangster-Truppe einen solchen Dünnbrettbohrer mitnimmt, bleibt mir wirklich ein Rätsel. Als Sheriff tritt hier Bo Hopkins auf, der schon in zahlreichen Filmen zu sehen war und wahrscheinlich der versierteste Schauspieler am Set war. Ein amüsantes Wiedersehen gibt es mit Danny „Machete“ Trejo, der, als einziger aus dem Vorgänger, wieder in seiner Rolle zu sehen ist.

„From Dusk till Dawn 2: Texas Blood Money“ ist ein gar nicht so schlechter Film. Er versucht nicht das Original zu kopieren, sondern verschafft sich mit einer eigenen Story ein Standing, welches durchaus erfrischend ist. Umso mehr fällt aber die Bemühung auf, den bekannten Stil von Rodriguez und Tarantino zu kopieren. Dies ist mehr schlecht als recht, bremst aber das leicht trashige B-Movie Vergnügen nicht unbedingt. So bleibt zum Schluss ein unterhaltsames B-Movie, welches als Lückenfüller im heimischen Filmprogramm dem Genre-Fan durchaus Spaß machen kann. Ich mag den Film einfach.

[amazon_link asins=’B008UM159U,B0002EY398′ template=’ProductCarousel’ store=’retrofilmbl07-21′ marketplace=’DE’ link_id=’048f89bb-572d-11e7-8752-fd44c5fe9e20′]