Geheimcode: Wildgänse (1984)

Deutschland/Italien 1984
mit Lewis Collins, Lee van Cleef, Klaus Kinski, Ernest Borgnine…
Drehbuch: Michael Lester, Tito Capri, Gianfranco Couyoumdjian
Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Eine Gruppe Söldner mit dem Codenamen „Wildgänse“ soll, im Auftrag des DEA-Agenten Fletcher (Ernest Borgnine),im „Goldenen Dreieick“ in Südostasien ein großes Opiumlager vernichten, welches auch die Drogenmärkte in Europa und den USA beliefert. Commander Robert Wesley (Lewis Collins), der Anführer der Truppe, hat dabei allerdings auch noch eine ganz persönliche Rechnung zu begleichen, war der Tod seines Sohnes doch dem gefährlichen Rauschgift geschuldet. Zusammen mit seiner Truppe begibt er sich auf ein explosives Himmelfahrtskommando.

Die 1980er Jahre waren, unbestritten, das Jahrzehnt des Action-Films. Mit großem Einsatz von großkalibrigen Waffen und harten, muskulösen Kerlen wurden späte Kriegsfantasien ausgelebt. „Geheimcode: Wildgänse“ aus Jahr 1984 schlägt, wie auch die amerikanischen Vorbilder, in genau diese Kerbe. Mit einer illustren Besetzung und reichlich Feuerwerk macht dieser zünftige Italo-Actioner keine Gefangenen und lädt zur bierseligen Männerunterhaltung ein.

1978 wurde das britische Söldnerabenteuer „Die Wildgänse kommen“ zu einem internationalen Kassenhit. Mit einer Aufsehen erregenden Starbesetzung, angeführt von Richard Burton und Roger Moore, damals noch als James Bond aktiv, avancierte der Streifen zum Kult-Film. Einer, der daraus besonders Profit schlagen sollte, war Produzent Erwin C. Dietrich, seines Zeichens Europas berüchtigtster Exploitation-Schmierfink, der den Söldnerspaß ko-produzierte. Aufgrund des riesigen Erfolgs und des allgemeinen Trends zu martialischen Action-Reißern, begann Dietrich im Fahrwasser des Originals eigene Abenteuer, ähnlicher Machart auf den Markt zu bringen, quasi ein Rip-Off seiner selbst. Zusammen mit italienischen Produktionspartnern, wer auch sonst, wenn es um Rip-Offs geht, realisierte er schließlich den Action-Film „Geheimcode: Wildgänse“. „Fader Legionärsfilm, dessen Logik sich im kaltblütigen Mord erschöpft, unerträglich in seinem pausenlosen Gemetzel.“ urteilt das „Lexikon des internationalen Films“. Ganz ehrlich: Wer auf die hört, ist selbst schuld, denn Dietrichs Dschungel-Actioner ist eine verdammt unterhaltsame Achterbahnfahrt des europäischen Genre-Kinos. Zu dieser Zeit erblickten viele, billig gedrehte, Söldner-Filme das Licht der Welt und die meisten sind echter Mist, aber „Geheimcode: Wildgänse“ ist wahrlich einer der besten Vertreter dieses Sub-Genres. Obwohl die Story recht banal ist, welch eine Überraschung, geht man doch beim Geschehen gut mit. Regisseur Antonio Margheriti, der hier unter seinem Stammpseudonym Anthony M. Dawson auftrat lässt dem Zuschauer selten Zeit zum Luft holen, denn der Film schwingt sich von einer Action-Szene zur Nächsten. Wir bekommen harte Kerle, dicke Knarren, viele Explosionen, markige Sprüche und eine exotische Kulisse, denn wie damals üblich, drehte man das Ganze natürlich nicht an Originalschauplätzen, sondern kurbelte die ganze Schose auf den Philippinen herunter. Margheriti zieht seine Männerfantasie stringent durch ohne zu langweilen. Das konnte der Antonio halt, denn mit „Jäger der Apokalypse“, „Höllenkommando zur Ewigkeit“ und „Im Wendekreis des Söldners“ hatte der italienische Exploitation-Routinier schon genug Erfahrung gesammelt. Natürlich muss man gestehen, dass der Film einen leichten Alterungsprozess durchgemacht hat. Gerade Margheritis Miniatur-Shots sind doch heute sehr auffällig. Wenn Lewis Collins und Ernest Borgnine in einem Tunnel an den Wänden entlang sausen, sieht man doch deutlich die Spielzeugautos fahren und auch der Spielzeughubschrauber zum Ende, mit einer, von Gesichtszügen freien, Puppe am Steuer, ist schnell zu entlarven. Das gibt dem ganzen aber nun mal einen gewissen trashigen Charme, den man von einem günstigen, italienischen Exploiter einfach irgendwie erwartet.

Und man muss dazu sagen, dass der Streifen bei weitem nicht so billig aussieht, wie man denken würde. Viele Action-Szenen sind recht gut umgesetzt. Lediglich große Explosionen hat man mit Miniaturen realisiert, die Kampfszenen allerdings machen ordentlich was her, da hat sich Herr Dietrich nicht lumpen lassen. Es werden reihenweise „Schlitzis“ umgenietet und die dicken Wummen in die Kamera gehalten. Auch das Gruppengefühl der harten Söldner-Crew kommt, gegen alle Erwartungen, relativ gut zur Geltung. Wir lernen einige Kämpfer etwas besser kennen und ihre Interaktionen miteinander bekommen im Lauf des Films immer mehr Dynamik, ja man kann schon fast von Charakterentwicklung reden. Natürlich sind dafür alle Asiaten im Film entweder halbseidige Verräter oder skrupellose Mörder, aber wir reden hier auch von Testosteronausguss anno 1984. Passend dazu werden eine Reihe Sprüche vom Stapel gelassen und unsere Jungs setzten sich als die härtesten Säue unter der Sonne in Szene. Wenn sie nicht am Bier saufen sind, spielen sie schon mal mit Maschinengewehrpatronen Poker, männlich halt. Trotz dieser klischeebeladenen Einfachheit funktioniert dieses Stück Euro-Kult einfach sehr gut. Was einen gehörigen Teil dazu beiträgt, ist sicherlich die Besetzung. „Die Profis“-Star Lewis Collins gibt, trotz starrem Ausdruck, glaubhaft den entschlossenen Anführer der Truppe. Trotzdem bin ich froh, dass er nicht James Bond wurde, immerhin wurde er damals als Nachfolger für Roger Moore gehandelt. Italo-Western Haudegen Lee van Cleef macht als Pilot eine gute Figur, obwohl er sichtlich abgewrackt aussieht. Klaus Kinski, der ja eh alles gedreht hat, solange der Paycheck stimmte, macht das was er am besten kann: Irgendwo an der Wand lehnen und finster in die Kamera gucken. Immerhin darf er zum Ende hin nochmal manisch rumballern und „Tötet sie, tötet sie ALLE!“ kreischen, was von einem Henchman passend mit „Der ist doch vollkommen verrückt“ kommentiert wird. Tja, auch gesichtslose Schergen haben manchmal Menschenkenntnis. Garniert wird das Ganze von US-Star Ernest Borgnine, der mit seinem eingefrorenen Grinsen wirkt, als würden die Viagra vom Vorabend immer noch wirken. Vielleicht war er gerade sowieso im Urlaub und war um ein paar Dollar nicht verlegen, anders kann ich mir seine Beteiligung nicht erklären. Was aber wirklich cool ist, ist die Tatsache, dass Dietrich hier die deutsche Synchronsprecherriege vor der Kamera versammelt. Thomas Danneberg (Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, John Travolta…), Frank Glaubrecht (Al Pacino) und Manfred Lehmann (Bruce Willis) dürfen sich mit MG in das Getümmel stürzen, während Hartmut Neugebauer (John Goodman) und Wolfgang Pampel (Harrison Ford) in Nebenrollen auftreten. Das macht schon ziemlich Spaß beim Zusehen, wenn die Stimmen hinter den großen Stars mal selber die Wummen schwingen. Fast schon die „Expendables“ der 80er Jahre, wenn man so will. Weniger cool ist allerdings der gruselige Synthesizer Soundtrack der Gruppe „Eloy“, welcher klingt, als wäre er wirklich nur auf EINEM Keyboard entstanden. Elektro-Flächen, schwurbelnde Sounds, untermalt von billigen Beats aus dem Drum-Computer geben dem Film zwar dieses schmierige Flair, jedoch nett anzuhören ist es nicht. Erwin C. Dietrich hat hier wirklich gute Arbeit geleistet und einen unterhaltsamen Action-Film abgeliefert, der die Essenz der damaligen Macho-Kultur in Gänze verinnerlicht hat. Natürlich wurde der Streifen ein großer Erfolg, weshalb der Schweizer Schmuddel-König mit gleichem Regisseur und ähnlicher Besetzung noch zwei weitere Söldner-Reißer auf den Weg brachte: „Kommando Leopard“ im Jahr 1985 und „Der Commander“ 1988.

 

Rumble in the Jungle! „Geheimcode: Wildgänse“ ist ein echt unterhaltsamer Action-Film, der kurzweilig ist und sein Budget voll und ganz ausnutzt. Hier wird nicht mit Schauwerten gegeizt, denn es wird fleißig geschossen und gesprengt. Mit einem beachtlichen Cast und etwas Trash-Appeal in Form von knuffigen Miniaturmodellen wird der Genre-Fan bestens bedient. Freunde einladen, Bier kaltstellen und Abfahrt.